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Food Waste Warum bei der Landi Tomatenstauden im Abfall landen

In einer Landi-Filiale werden Cherry-Tomatenstauden entsorgt, obwohl ein Kunde sie kaufen würde.

Jedes Jahr pflanzt ein Pensionär Tomatenstauden auf seinem Balkon. Darum hat er genau hingeschaut, als er kürzlich bei der Landi in Obfelden im Kanton Zürich parkiert und gleich nebenan, beim Abfall der Filiale, mehrere Regale mit aussortierten Cherry-Tomaten entdeckt.

«Fesche» Tomatenstöcke

«Die Tomatenstöcke sahen fesch aus», schreibt er der Espresso-Redaktion. Daher habe er kurzerhand eine probiert und festgestellt: «Die Tomaten waren noch gut!» Der Landi-Kunde fragt sich: «Warum kann man sie nicht zum halben Preis kaufen oder gratis mitnehmen?»

Der Pensionär ist auf dem Land aufgewachsen und mit der Natur verbunden. Er findet es wichtig, sorgfältig mit den Ressourcen umzugehen und Food Waste zu vermeiden. Darum kaufe er oft reduzierte Produkte und betont: «Es geht mir nicht ums Geld, sondern darum, dass man Essen so lange wie möglich verwendet.»

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An jenem Nachmittag in Obfelden schaut er also nach, ob er bei der Landi ein Regal mit reduzierten Pflanzen findet. Fehlanzeige. «Es scheint, dass alles, was nicht mehr zu 100 Prozent in Ordnung ist, liquidiert wird. Das stört mich.»

Abfall oder essbar?

Der Kunde fragt beim Kundendienst nach, ob er zwei oder drei Tomatenstöcke aus dem Ausschuss haben könne. Der Landi-Mitarbeiter habe aber abgewunken: «Er sagte klipp und klar, dass er mir diese nicht mitgeben dürfe. Das sei Abfall.»

Mehrere Tomatenpflanzen in Töpfen auf einem Regal.
Legende: Die Blätter der Cherry-Tomaten sind zwar etwas braun, aber die Früchte scheinen in Ordnung zu sein. ZVG / Landi-Kunde

Bei frischem Fleisch, dessen Verzehrdatum abgelaufen ist, kann man die Abschreibung nachvollziehen. Doch bei diesen Tomatenstauden? «Man kann sie ja wieder aufpäppeln», gibt der Pensionär zu bedenken.

Doch die Landi sieht das anders. Auf Anfrage schreibt die Medienstelle: Wenn eine Ware nicht mehr verkäuflich sei, werde sie fachgerecht entsorgt. Anhand welcher Kriterien diese Entscheidung gefällt wird, lässt die Landi offen. Sie schreibt lediglich: «Ob die Ware noch verkäuflich ist oder nicht, wird nach gesundem Menschenverstand entschieden. Oberste Priorität hat das Wohl der Kunden. Auf keinen Fall wird ein gesundheitliches Risiko eingegangen.»

Ob die Ware noch verkäuflich ist oder nicht, wird nach gesundem Menschenverstand entschieden. Oberste Priorität hat das Wohl der Kunden.
Autor: Landi Medienstelle

Inwiefern diese Tomatenstauden ein gesundheitliches Risiko dargestellt hätten, wird nicht nachvollziehbar erklärt. Ebenso wenig, warum Walter Meier die Pflanze nicht zu einem reduzierten Preis hätte kaufen können. Schliesslich hätte der Laden von einem kleinen Batzen profitieren können.

«Die Pflanze war nicht mehr in einem Zustand, der unseren Qualitätsstandards entspricht. Sie konnte dem Kunden daher nicht mitgegeben werden und wurde fachgerecht entsorgt», kommt als einzige Erklärung zum konkreten Fall. Darum also die Tomatenstaude gleich wegschmeissen?

Verwenden statt verschwenden

Viele Geschäfte verkaufen Lebensmittel günstiger, wenn sie nicht mehr ganz frisch sind. Slogans wie «Verwenden statt verschwenden», «Frisch von gestern» oder «Kostbar» verleihen Altwaren einen positiven Anstrich. Auch die Landi würde teilweise Früchte und Gemüse günstiger verkaufen, schreibt die Medienstelle. Bei der Tomatenpflanze gelten aber offenbar andere Massstäbe – solche, die am Ende zu mehr Food Waste führen.

Radio SRF1, Espresso, 11.6.2026, 8:10 Uhr

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