Worum geht es? Ein Coop-Kunde sieht in der Fleischtheke einen Gitzi-Keule. Gemäss Deklaration handelt es sich um aufgetautes Fleisch, das am selben Tag abläuft. Er kauft es nicht: «Ich hätte es ja noch am gleichen Tag kochen müssen.» Am Tag darauf liegt der gleiche «Gitzi-Schlegel» 50 Prozent günstiger erneut in der Auslage – tiefgekühlt und mindestens drei Monate länger haltbar. Coop hat also aufgetautes Fleisch noch einmal tiefgekühlt und das Haltbarkeitsdatum verlängert.
Weshalb wundert sich der Kunde? Er möchte vor allem wissen, ob das erlaubt ist. Die Qualität von Fleisch nehme doch ab durch das Wieder-Einfrieren. Er könne sich nicht vorstellen, dass man so Fleisch länger haltbar machen könne, sagt er im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Tatsächlich kann Fleisch an Qualität verlieren durch das (Wieder-)Einfrieren. Dass die Gitzi-Keule ja 50 Prozent günstiger ist, lässt der Mann nicht gelten: «Dann würden sie es doch besser am Tag des Verbrauchdatums schon zum halben Preis anbieten.»
Das (Wieder-)Einfrieren vor dem Ablauf des Verbrauchsdatums ist eine Massnahme, um die Haltbarkeit von Lebensmitteln über das Haltbarkeitsdatum hinaus zu verlängern.
Was gilt im Detailhandel? Fleisch wieder einfrieren, ist laut dem Bundesamt für Lebensmitteilsicherheit und Veterinärwesen erlaubt. Das helfe, Food Waste zu vermeiden, so das BLV: «Das (Wieder-)Einfrieren vor dem Ablauf des Verbrauchsdatums ist eine Massnahme, um die Haltbarkeit von Lebensmitteln über das Haltbarkeitsdatum hinaus zu verlängern und so deren Verlust zu vermeiden.» Es gibt aber Regeln, an die sich die Betriebe halten müssen (siehe Box).
Wie begründet Coop das Wieder-Einfrieren? Auf Anfrage teilt der Detailhändler mit, man friere seit zwei Jahren mehrere hundert Produkte am Verbrauchsdatum ein und biete sie zum halben Preis an.
Dank dieser Anstrengung kann das eingefrorene Fleisch nahezu vollständig gerettet werden.
Es handle sich um einen weiteren Schritt zur vollständigen Vermeidung von Food Waste beim Frischfleisch, sagt Sprecherin Céline Venetz. Die eingefrorenen Fleischprodukte könnten damit «nahezu vollständig gerettet werden». Man halte sich dabei an die geltenden Bestimmungen und führe im Sinne der Qualitätssicherung in den Supermärkten regelmässige Kontrollen durch.
Kann ich Fleisch auch daheim ein zweites Mal einfrieren? Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen rät dringend davon ab: «Denn das fachkompetente ‹industrielle› Einfrieren unterscheidet sich vom Einfrieren im eigenen Gefrierfach.» Insbesondere würden in der Industrie Produkte schneller durchgefroren. Und: «Beim Auftauen zu Hause kann es bei unsachgemässer Durchführung zu einer erheblichen Vermehrung von Keimen kommen, zum Beispiel wenn die Auftautemperatur falsch gewählt wird.»
Sofern die Kühlkette eingehalten wird und die Temperatur sehr tief ist, ist es in Ordnung.
Etwas weniger streng ist Lars Fieseler, Professor für Lebensmittel-Mikrobiologie an der ZHAW und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Lebensmittelhygiene: «Sofern die Kühlkette eingehalten und die Temperatur sehr tief ist, ist es in Ordnung.» Sobald Fleisch aber beispielsweise etwas länger in der Einkaufstasche gelegen habe oder gar bei Raumtemperatur aufgetaut worden sei, sollte es nicht wieder eingefroren werden. Das aufgetaute Fleisch kochen und dann wieder einfrieren, sei hingegen unproblematisch: «Beim Kochen sterben die Keime ab, sofern die Temperatur genügend hoch und die Kochzeit lange genug ist.»