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Einweg-Besteck von Coop ist nicht kompostierbar
Aus Espresso vom 16.01.2023. Bild: SRF
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Missverständliche Deklaration «100 % Natural»-Besteck von Coop: Nicht nur Natur

Weil das Besteck Bio-Kunststoff enthalte, sei die Bezeichnung «irreführend», finden Kritiker. Coop sieht das anders.

Ein Coop-Kunde und Chemiker aus dem Kanton Bern wird stutzig, als er die Verpackung des «Bestecks To Go» von Coop näher anschaut. Auf der Vorderseite der Papier-Verpackung sind die mehrfach verwendbaren Gabeln, Messer und Löffel gross mit «100 % Natural» angeschrieben. Doch im Kleingedruckten auf der Rückseite erfährt man, dass es Löffel aus Bio-Polypropylen sind.

Mit Chemie hergestellter Bioplastik

Es handelt sich um Bioplastik, um einen Kunststoff aus sogenannt nachwachsenden Rohstoffen. In diesem Fall sind es Holzfasern – auch das ist klein auf der Rückseite der Verpackung ausgewiesen. Bio-Polypropylen lässt sich aber auch aus Mais oder Zuckerrüben herstellen. Denn für die Herstellung wird Zucker (Glukose) benötigt – sowie unter anderem auch Chemie.

Und deswegen sei die Bezeichnung «100 % Natural» «irreführend», findet der Biochemiker Felix Meier, Geschäftsführer der Stiftung Praktischer Umweltschutz (Pusch), im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Das ist definitiv kein natürliches Besteck.»

Nicht biologisch abbaubar

Bei einem natürlichen Produkt dürften wohl viele Kundinnen und Kunden erwarten, dass man es kompostieren könne – und das wäre bei diesem Kunststoff fatal: «Er verrottet nicht.» Dieses Besteck gehört deshalb nicht in den Grünabfall und schon gar nicht in die Natur, sondern in den Hauskehricht. Auch hier: Wer genau hinschaut, entdeckt ein entsprechendes Piktogramm auf der Verpackung, hinter einer Papierlasche.

Wenn diese Teile in die Kompostierung geraten, könnten sie dereinst als Mikroplastik die Landwirtschaftsflächen kontaminieren.
Autor: Selçuk Yildirim Leiter Zentrum für Lebensmittelherstellung und -verpackung, ZHAW

Selçuk Yildirim, Leiter des Zentrums für Lebensmittelherstellung und -verpackung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), würde es begrüssen, wenn solch wichtige Hinweise besser hervorgehoben würden. «Wenn diese Teile in die Kompostierung geraten, könnten sie dereinst als Mikroplastik die Landwirtschaftsflächen kontaminieren.»

Anstelle von «natürlich», so Umweltschützer Felix Meier, könnte man zum Beispiel hinschreiben «aus Holz hergestellt»: «Das wäre deutlich.» Auch der Kunde wünscht sich eine weniger missverständliche Beschriftung. «Schön wäre es natürlich, wenn Coop kompostierbare Löffel anbieten würde.»

Coop will nichts ändern

Coop will hingegen von Änderungen nichts wissen: «Wir halten am Produkt in der heutigen Form fest», schreibt die Medienstelle auf Anfrage. Begründung: Das Besteck bestehe zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen. Darauf beziehe sich die erwähnte Beschriftung. Und: «Es ist in unseren Augen eine der nachhaltigsten aktuell verfügbaren Lösungen.»

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Zudem ist Coop der Ansicht, der Entsorgungshinweis – das Kehrichtsack-Piktogramm – sei gut sichtbar. Und die Medienstelle weist auch auf die jahrelangen Bemühungen des Grossverteilers hin, Verpackungs- und Plastikabfall zu reduzieren. Der Verkauf des Mehrweg-Bestecks auf Holzbasis leiste auch einen Beitrag dazu.

Ziel: kompostierbare Ware und Verpackung

Im Hintergrund forscht man derweil mit Hochdruck an Materialien, die man guten Gewissens als «100 Prozent natürlich» verkaufen könnte, weil man sie im Grüngut entsorgen kann. Doch es sei nicht so einfach, ein breit akzeptiertes, langlebiges und biologisch abbaubares Material zu entwickeln, so Selçuk Yildirim von der ZHAW.

Espresso, 16.01.23, 08:13 Uhr

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