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Plantagen in Guatemala Bananen pflücken für Chiquita unter prekären Bedingungen

Schuften im Akkord, gefährliche Pestizide und miese Löhne: Ein neuer Bericht der Nichtregierungs-Organisation Public Eye prangert Missstände an.

Bananen zählen hierzulande zu den beliebtesten Früchten. Die Schweiz importiert sie vor allem aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas. Eine der grössten Produzentinnen weltweit ist Chiquita. Deren Bananen sind zwar selten geworden in den Früchteabteilungen des hiesigen Detailhandels. Aber der Bananenmulti hat einen seiner zwei Hauptsitze in der Schweiz, in Etoy in der Nähe von Lausanne.

Die Schweizer Nichtregierungs-Organisation Public Eye nimmt Chiquita nun in die Pflicht und fordert rasche Massnahmen gegen Missstände auf Bananenplantagen von Chiquita im Süden Guatemalas. Dies umso mehr, als diese Plantagen das Nachhaltigkeitslabel der gemeinnützigen Rainforest Alliance tragen.

Ein Mitarbeiter von Public Eye ist durch Guatemala gereist, um sich ein Bild von den Arbeitsbedingungen auf den Plantagen zu machen. Sein Bericht prangert diverse Missstände an.

  • Schuften im Akkord: Die Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter müssen laut Public Eye teils 10 bis 12 Stunden täglich unter hohem Zeitdruck schuften. Die Bananen müssten innerhalb einer vorgegebenen Zeit in einer bestimmten Menge gepflückt, teils kilometerweit transportiert und abgepackt werden. Das bringe die Leute an körperliche Grenzen und habe schmerzhafte Folgen. Manche kommen laut Public Eye nur mit Schmerzmitteln und Energy-Drinks über die Runden.
  • Giftige Pestizide: Immer wieder versprühten Flugzeuge Pestizide, wie zum Beispiel Mancozeb. Dieses sei hochgiftig und in der EU und in der Schweiz verboten, sagt Robert Bachmann, bei der NGO für das Thema verantwortlich, im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Es gibt keinerlei Schutzmassnahmen für die Arbeiter. Sie halten sich meist ein Bananenblatt über den Kopf.»
  • Magere Löhne: Diese liegen laut der NGO nicht selten unter dem Mindestlohn in Guatemala von 11.90 Franken pro Tag und reichen nirgends hin.
  • Repression: Im Süden des Landes haben die Arbeitenden auf den Plantagen kaum eine Lobby in Form von starken Gewerkschaften. Wer sich wehrt und für bessere und faire Arbeitsbedingungen einsetzt, muss mit einer Entlassung rechnen. Das bringe die Menschen dann endgültig in Nöte, so Public Eye, denn ausserhalb der Bananen-Industrie finde sich in jenen Regionen kaum ein Job.

Chiquita müsse ihre Sorgfaltspflicht als Arbeitgeberin wahrnehmen und die Missstände ausräumen, fordert Public Eye. Die NGO sieht auch die Rainforest Alliance in der Pflicht: Diese setze sich schliesslich für eine nachhaltige Landwirtschaft und faire Arbeitsbedingungen ein.

Funkstille bei Chiquita

Sowohl Public Eye als auch SRF haben mehrmals versucht, von der Bananen-Produzentin mit Schweizer Sitz eine Stellungnahme zu erhalten. Doch Chiquita hat bislang nicht auf die Anfragen reagiert.

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Anders die Verantwortlichen des Labels Rainforest Alliance – eine international tätige, gemeinnützige Organisation. Sie teilt SRF mit: Man habe aufgrund der Recherchen von Public Eye «umgehend eigene Untersuchungen eingeleitet».

Im Fall der im Bericht erwähnten Plantagen habe die letzte Überprüfung (Audit) im Februar 2026 stattgefunden. Damals habe man keinen der von Public Eye thematisierten Missstände festgestellt. Allerdings: Die Prüfung erfolgte auf Voranmeldung. Und eine der Farmen hat gemäss der Rainforest Alliance kürzlich entschieden, aus dem Zertifizierungsprozess auszusteigen.

Chiquita: Massenentlassung in Panama

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Die freie Journalistin und ehemalige SRF-Korrespondentin Karin Wenger hat einige Monate lang in Guatemala gelebt und 2025 Chiquita-Plantagen in Panama besucht. Dort streikten die Arbeiterinnen und Arbeiter für bessere Bedingungen. Karin Wenger sagt, sie habe sehr ähnliche Zustände vorgefunden, wie sie Public Eye in ihrem Bericht aus Guatemala beschreibt: «Keine Gesundheitsversorgung, lange Arbeitstage und schlechter Lohn gehörten zu ihrem Alltag.» Viele Arbeiter und Arbeiterinnen hätten an Hautproblemen gelitten, weil die Flugzeuge Pestizide versprühten.

Chiquita reagierte mit einer drastischen Massnahmen auf den Protest. Der Konzern entliess alle rund 6500 Arbeiter und Arbeiterinnen und schloss die Plantagen. Fazit der Journalistin: «Chiquita scheint ihre wirtschaftliche Macht, also dass sie die Hauptarbeitgeberin in vielen Regionen ist, auszunutzen, um maximalen Gewinn zu erwirtschaften – ohne Rücksicht auf die Rechte der Arbeitnehmer.»

Um die Situation zu verbessern, sieht Karin Wenger neben Chiquita und den Regierungen in den Produktionsländern auch die Schweiz in der Pflicht, wo Chiquita den Hauptsitz hat: «Wie kann es sein, dass ein multinationales Unternehmen wie Chiquita in der Schweiz (...) seinen Sitz hat, wir mit Handkuss die Steuergelder einstreichen, uns aber nicht darum scheren, wie das Unternehmen sein Geld verdient hat?»

Radio SRF 1, Espresso, 21.4.26, 8.10 Uhr

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