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Für Live-Sport muss die Kundschaft tief in die Tasche greifen
Aus Espresso vom 03.05.2024. Bild: Keystone
abspielen. Laufzeit 5 Minuten 30 Sekunden.

Teurer und komplizierter Netflix und Co.: Die Preise beim Streaming gehen durch die Decke

Immer mehr Streaming-Anbieter drängen auf den Markt – viele von ihnen haben in letzter Zeit die Preise erhöht. Dazu gehören Netflix, Disney Plus, der Streaming-Dienst von Apple und Sky. Auch Sportanbieter wie Blue Sport von Swisscom und Dazn haben an der Preisschraube gedreht. Wie Ralf Beyeler, Experte beim Vergleichsdienst Moneyland, sagt, sind viele Angebote auch komplizierter geworden.

Ralf Beyeler

Ralf Beyeler

Telekom- und Geldexperte

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Ralf Beyeler ist Telekom- und Geld-Experte beim unabhängigen Online-Vergleichsdienst moneyland.ch. Beyeler beobachtet und analysiert den Schweizer Telekom-Markt seit dessen Liberalisierung im Jahr 1998.

Espresso: Viele Streaming-Abos sind nicht nur teurer, sondern auch deutlich komplizierter geworden: Es gibt Angebote mit oder ohne Werbung sowie unterschiedliche Audio- und Videoqualität. Kundinnen und Kunden müssen genau hinschauen?

Ralf Beyeler: Ja, es ist leider komplizierter geworden. Bei einigen Anbietern gibt es sogar unterschiedliche Inhalte je nach abgeschlossenem Abo. Man muss vieles beachten – oder auf gut Glück ein Abo abschliessen. Bei Unzufriedenheit kann das Abo dann aber auch schnell wieder gekündigt werden.

Wenn man Werbung akzeptiert, wird es teils günstiger – doch die Preiserhöhungen bei vielen Abos sind markant. Für das Premium-Angebot von Netflix sind mittlerweile fast 30 Franken fällig. Was ist der Grund für diesen massiven Anstieg?

Die Streaming-Anbieter wissen, dass Schweizerinnen und Schweizer vergleichsweise viel Geld zur Verfügung haben. Mit Preiserhöhungen profitieren sie von der hiesigen Kaufkraft. Und: Kundinnen und Kunden sind offensichtlich bereit, auch diese Preise zu bezahlen. Nur wenn die Kundinnen und Kunden in Scharen weglaufen würden, müssten die Streaming-Anbieter ihre Preispolitik überdenken.

Massiver Preisanstieg beim Sport

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Legende: Bei Netflix sind die Preise stark angestiegen – doch beim Sport muss noch viel tiefer ins Portemonnaie gelangt werden. KEYSTONE/DPA/DANIEL REINHARDT

Ralf Beyeler hält fest: «Beim Sport sind die Preise für Streamingdienste massiv gestiegen: bei Dazn innerhalb weniger Jahre von 12.90 auf 34.90 Franken im Monat, bei Blue Sport sogar von 29.90 auf 49.90 Franken. Das sind jeweils die Preise für ein Monatsabo, für ein Abo mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr sind die Abos günstiger. Ausserdem hat Blue Sport keine einzelnen Spiele mehr im Angebot – man muss also Abos lösen.»  

Offenbar ist der Punkt noch nicht erreicht, wo sich viele Kundinnen oder Kunden sagen: Das zahle ich nicht mehr. Wächst der Markt denn weiterhin?  

Es wird sich zeigen, wie sich die Streaming-Dienste in Zukunft entwickeln werden. Es gibt zwar keine Zahlen für Europa, aber Netflix kann global trotz zahlreichen kundenunfreundlichen Veränderungen weiterhin wachsen.  

Ich habe Mühe, mir vorzustellen, dass jemand über 25 Franken für Netflix bezahlt – dazu wäre ich persönlich nicht bereit.

Was kommt noch auf uns zu – werden die Preise noch weiter steigen?

Die Anbieter werden nach Möglichkeiten suchen, um noch mehr Geld verdienen zu können – und dies geht am besten über Preiserhöhungen. Ich persönlich bin sehr erstaunt, wie hoch die Zahlungsbereitschaft bei Streaming-Diensten ist. Ich habe Mühe, mir vorzustellen, dass jemand über 25 Franken für Netflix bezahlt – dazu wäre ich persönlich nicht bereit. Solange die Kundinnen und Kunden aber bereit sind, höhere Preise zu bezahlen, werden Netflix und andere Anbieter ihre Preise weiterhin erhöhen.

Stabilere Preise bei Musik-Diensten

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Ralf Beyeler sagt, die Preise für das Streamen von Musik seien sehr stabil: «Es gibt nur selten eine Preiserhöhung. Und: Bei vielen Diensten gibt es weiterhin eine Gratisversion, die mit Werbung unterbrochen wird, zum Beispiel Spotify. 

Der Grund, dass es beim Streamen von Musik nicht zu starken Preiserhöhungen kommt, ist, dass es dabei kaum exklusive Inhalte gibt. Damit ist ein Wechsel für viele Konsumentinnen und Konsumenten einfacher. Wenn ich hingegen das Netflix-Abo kündige, dann kann ich die Netflix-Serien nicht einfach bei der Konkurrenz ansehen, sondern muss entweder auf diese Inhalte verzichten oder diese bei Kollegen anschauen.»

Aber eben: Es steht einem frei, jeden Monat zu kündigen oder das Abo zu wechseln?

In der Regel kann das Streaming-Abo auf Ende der laufenden Periode gekündigt werden – und da viele Abos monatlich abgerechnet werden, ist die Kündigung jederzeit möglich. Eine Ausnahme sind Abos mit Mindestlaufzeiten, zum Beispiel Blue Sport oder Dazn. Hat man zudem bei einem Dienst ein Jahres-Abo abgeschlossen, dann ist die Kündigung auch erst auf das Ende der zwölf Monate möglich, man bleibt dann aber auch so lange auch von einer Preiserhöhung verschont.

Das Gespräch führte Matthias Schmid.

Kostenlos und werbefrei streamen mit Play Suisse

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Wer auf internationale Blockbuster-Filme und -Serien verzichten kann, dem sei die Plattform Play Suisse ans Herz gelegt. Das kostenlose Angebot der SRG umfasst viele Schweizer Spielfilme, Dokumentationen und Serien. Und zwar aus allen Landesteilen – teilweise in Originalsprache mit Untertiteln oder synchronisiert. Play Suisse gibt es auch als App fürs Smartphone oder Tablet.

Espresso, 3.5.2024, 08:10 Uhr ; 

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