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Umwelt und Verkehr Fahrassistenten: Heikle Arbeitsteilung von Mensch und Technik

Fahrzeuge, die mit Unterstützung von Fahrassistenten oder vollautomatisch fahren. Zumindest teilweise ist das schon Realität. Und je mehr ein Auto kann, desto eher sind Lenkerinnen und Lenker nicht mehr ganz bei der Sache. Eine Gefahr, die laut Experten mit der steigenden Automatisierung zunimmt.

Legende: Audio Fahrassistenten: Heikle Arbeitsteilung von Mensch und Technik abspielen. Laufzeit 04:42 Minuten.
04:42 min, aus Espresso vom 25.08.2017.

Die Zukunftsvision der Autoindustrie: Unser Auto fährt uns selbstständig zur Arbeit oder in die Ferien. Wir bereiten derweil eine Sitzung vor oder machen mit der Familie ein Kartenspiel. Das ist noch lange nicht Realität. Heutige teilautonome Fahrzeuge hätten riesige Systemgrenzen, sagt Stefan Siegrist, stellvertretender Direktor der Beratungsstelle für Unfallverhütung, BfU: «In der Stadt kann ein solches Fahrzeug mit 30 Kilometern pro Stunde noch nicht richtig fahren. Es macht Fehler, kann die Umgebung nicht richtig interpretieren.»

Heikle Übergangsphase zum vollautonomen Fahren

Crash-Auto mit eingedrückter Front.
Legende: Trotz Fahrassistent hat es beim Crashtest ordentlich gekracht. SRF

Vollautonomes Fahren bleibt also noch länger eine Vision. Verschiedene Assistenzsysteme helfen aber schon heute, den Verkehr sicherer zu machen und Unfälle zu verhindern. Das zeigt eine Analyse von Unfalldaten des Versicherungskonzerns Axa Winterthur. «Kritisch kann es aber sein, wenn ein Fahrer plötzlich wieder die Kontrolle über ein System übernehmen muss», sagt Bettina Zahnd, Leiterin Unfallforschung und Prävention der Axa Winterthur.

Dieser Einschätzung schliesst sich Stefan Siegrist von der BfU an: «Wenn jemand abgelenkt ist, dauert es bis zu zehn Sekunden, bis er wieder das Situationsbewusstsein hat.» Das würden Studien belegen. Rechtlich sei aber trotz Fahrhilfen immer noch der Lenker dafür verantwortlich, was sein Auto mache.

Wenn die Technologie voll ausgereift sei, dann sei der Strassenverkehr mit vollautomatisierten Autos tatsächlich sicherer. Stefan Siegrist von der BfU rechnet mit bis zu 90 Prozent weniger Unfällen. Im Moment befänden wir uns in einer heiklen Übergangsphase. Es werde suggeriert, dass moderne Fahrzeuge mit Fahrassistenzen schon sehr viel könnten, so Siegrist. Dies verleite die Autofahrer dazu, nicht mehr voll bei der Sache zu sein. Ein Unfallrisiko.

Wenn man solche Automatiken einführt, sollte man die Ausbildung der Autofahrer komplett anpassen.
Autor: Urs BaltisbergerChef-Fluglehrer bei der Swiss

Autofahrer seien zu wenig geschult, wie sie mit Assistenzsystemen richtig umgehen sollen, gerade auch in kritischen Situationen. Das sagt Urs Baltisberger, Cheffluglehrer für die Boeing 777 bei der Swiss. In der Pilotenausbildung werde heute ein Drittel der Zeit nur für den Umgang mit der Automatik verwendet.

Baltisberger findet deshalb: «Wenn man solche Automatiken einführt in der Autoindustrie, müsste man die Ausbildung der Autofahrer komplett verändern und darauf anpassen.» Ein Autofahrer müsse realisieren, wenn die Automatik nicht richtig funktioniert und reagieren können, wenn das Fahrzeug etwas anderes macht, als der Lenker will. Dieser Umgang sei extrem schwierig.

Legende: Video Nervenkitzel: Der «Espresso»-Mann und die automatische Notbremse abspielen. Laufzeit 00:49 Minuten.
Aus Kassensturz vom 16.11.2016.

2 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Vollautomatisiertes Fahren, Fahrzeugkommunikation für Stauoptimierung und und und... alles läuft auf eine völlig spassbefreite Gleichschaltung hinaus. Passt zu fortschreitenden geistigen Verarmung einer durchdigitalisierten Gesellschaft im Dienste des Wachstums. Ich bin froh, werde ich das nicht mehr aktiv erleben müssen... Ein kleiner, noch frei denkender Teil nachkommender Generationen wird unserer Generation indes mit Sicherheit schwere Vorwürfe machen. Zu recht.
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  • Kommentar von Kurt Schrag (Hüo)
    Das voll selbstädige Auto muss in dauerndem Kontakt mit allen Verkehrsteilnehmern -, auch Töffs, Velofahrern und Fussgängern - je nach Geschhwindikeit im Umkreis von vom 50 - 250 m sein und von disen fortlaufend über deren Absichten im Verkehrsgeschehen sein, damit es die eigenen Entscheide treffen kann. Ein solches Systen ist eine absolute Illusion. Deshalb müssen Unfallabteilungen der Spitäler Friedhöfe und Carosserien massiv ausgebaut werden oder der Verkehr läuft mit Schrittgeschwindigkeit.
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