«Kassensturz»-Test Fertig-Birchermüesli im Test: Die Hälfte fällt durch

Sie verkaufen sich als die gesunde Variante zum Frühstück oder zum Snack zwischendurch: Fertig zubereitete Birchermüesli aus dem Kühlregal. «Kassensturz» lässt zwölf Produkte aus dem Detail- und Fachhandel degustieren. Erstaunlich: Nur gerade ein Müesli-to-go überzeugt die Fachjury.

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Fertig-Birchermüesli im Test: Die Hälfte fällt durch

9:12 min, aus Kassensturz vom 18.4.2017

Über viele Müesli in der Degustation ist sich die Jury nicht einig. Eine Ausnahme ist das beste Produkt im Test. Das Birchermüesli der Confiserie Sprüngli ist gemäss Jury ansprechend in Duft und Aroma und erhält die beste Bewertung. Drei von drei möglichen Punkten.

Fixfertiges Birchermüesli gibt es längst nicht nur beim Bäcker, sondern mittlerweile sogar am Kiosk oder an der Tankstelle. «Kassensturz» servierte ein Dutzend solcher Birchermüesli einer Expertenjury zur Blinddegustation.

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Die Resultate

Die Resultate

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Viele Müesli fallen durch

Auffallend: Die meisten Müesli sind den Degustatoren zu süss. Nina Vogel, die international prämierte Bäcker-Konditorin, kritisiert: «Mit gesundem Essen haben diese Produkte nicht viel zu tun.» Als zu süss bewertet die Jury zum Beispiel das Betty-Bossi-Müesli von Coop. Resultat: Nur einer von drei Punkten in der Bewertung.

Mehrere Produkte haben die gleiche, wenig überzeugende Bewertung: Das Müesli von Tibits, mit 3 Franken pro 100 Gramm eines der teuersten im Test, schmeckt den Testern nicht. Als einziges ist es vegan, also mit rein pflanzlichen Zutaten hergestellt. Beim Müesli von K Kiosk kritisieren die Tester das schwache Fruchtaroma.

Paradox: Müesli mit Getreidemangel

Die fünfköpfige Jury beurteilt neben dem Aussehen vor allem die «inneren Werte» – zum Beispiel das ausgewogene Verhältnis von Früchten, Milchprodukten und Getreideflocken.

Bemängelt wird bei einigen Müesli der zu kleine Anteil an Getreideflocken: «Das sind stark gezuckerte Fruchtcocktails mit Fertigjoghurt» fasst Pius Tschumi vom Museum Mühlerama zusammen. Auch Paul Peyer vom Getreideflockenhersteller Zwicky zieht ein ernüchterndes Fazit: «Von diesen Proben möchte ich kein Kunde werden. Es geht nichts über selbstgemacht.»

Ausgerechnet Hauptbestandteil «Apfel» kommt zu kurz

Im über hundertjährigen Originalrezept von Max Bircher Benner sind Äpfel ein zentraler Bestandteil. Auch in den aktuellen Birchermüesli finden sich geraffelte Äpfel.

Für Obstbauer Kaspar Hunziker kommt das Apfelaroma aber zu kurz: «Es ist schwierig zu erkennen, wie viele Äpfel tatsächlich im Müesli sind. Bei einigen Proben bin ich unsicher, ob es überhaupt Äpfel sind und nicht gar unreife Birnen.»

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Bildlegende: Die Jury. SRF

Beim Müesli der Restaurant-Kette Dean & David stören die ganzen Trauben. Abgesehen davon, dass diese aktuell nicht saisongerecht sind, stört Ernährungsexpertin Sybille Roth: «Ganze Trauben mag ich nicht, das kommt mir im Mund zu grob entgegen.»

Drei Müesli bewertet die Jury mit zwei von drei Punkten: Das Produkt von Starbucks, mit 3 Franken 30 das Teuerste im Test. Das Manor Müesli wird frisch im Laden hergestellt. Das Migros Bio Birchermüesli ist einem Teil der Jury zu getreidelastig. Nicht in die Bewertung eingeflossen, aber ein Ärger: Die Verpackung des Migros Bio Müeslis ist undicht. Lidl verkauft das günstigste Müesli im Test. Störend: der Zimtgeschmack. Das Lidl Müesli enthält als einziges der getesteten Produkte Palmöl.

Die Degustation

Die Verkostung leitete Sensoriker Patrick Zbinden. Für den Lebensmittel-Analytiker ist das Birchermüesli ein Klassiker der Schweizer Küche mit internationaler Bekanntheit: «Das Birchermüesli ist ein Allrounder. Es mundet zu jeder Tageszeit und enthält alle wichtigen Komponenten.»

Für die Degustation portionierte Zbinden frisch eingekaufte Birchermüesli aus Konditoreien, Take away-Läden, Grossverteilern und Tankstellenshops auf neutralen Tellern. Die Jury degustierte also blind, wusste nicht was ihr aufgetischt wurde.

Die Jury

  • Kaspar Hunziker, Obstproduzent und Präsident von Fructus ,der Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten.
  • Sybille Roth, Leiterin Weiterbildung Ernährung, Hauswirtschaft, Bäuerin Kanton Thurgau Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg.
  • Nina Vogel, die 20 jährige hat heuer in Frankreich die internationale Goldmedaille für junge Bäcker gewonnen. Ihre Arbeitstage starten am frühen Morgen mit der Zubereitung des Birchermüesli nach Rezept des Hauses.
  • Paul Peyer, Schweizerische Schälmühle E. Zwicky Müllheim-Wigoltingen.
  • Gastgeber Pius Tschumi vom Museum Mühlerama in Zürich, welches regelmässig die Herstellung von Lebensmitteln thematisiert..