«Espresso»-Selbstversuch Gemüse-Abo im Praxistest: Mehr Abwechslung auf dem Teller

Während fünf Wochen habe ich für «Espresso» ein Gemüse-Abo ausprobiert – und musste mich mit Gemüse auseinandersetzen, das ich sonst kaum gekauft hätte. Ein Erfahrungsbericht.

Ich muss zugeben, die Skepsis war gross. Gemüse und Früchte im Abo: Da kommen doch eh nur welker Salat und angefaulte Früchte. Aber nach fünf Wochen habe ich meine Meinung geändert. Die gelieferten Produkte waren mit ganz wenigen Ausnahmen ausgesprochen frisch, ja ich behaupte, frischer als vom Grossverteiler. Das liegt wohl auch daran, dass ich mich mit Bionline für einen Anbieter entschieden habe, der Gemüse direkt ab Hof liefert und nach eigenen Angaben erst erntet, wenn bestellt worden ist. Der Anbieter war mir vorher gänzlich unbekannt, das wollte ich ausprobieren.

Überzeugt hat mich insbesondere die Vielfalt: In meinem Zweipersonenhaushalt landen aus Gewohnheit und Bequemlichkeit oft die gleichen Gemüse und Früchte auf dem Teller. Tomaten, Rüebli, Brokkoli, Peperoni. Mit dem Gemüse-Abo haben wir mit Kohlrabi, Krautstiel, Stangensellerie, Wirz und vielem mehr wesentlich abwechslungsreicher gegessen. Federkohl beispielsweise hatte ich vorher noch gar nie gekauft.

Ein wenig Organisation ist nötig

Geliefert wurden die zwei Kistchen jeweils am Mittwochmorgen. Das kann für Berufstätige, die sehr früh aus dem Haus müssen, ein Hindernis sein: Gerade bei den heissen Temperaturen der vergangenen Wochen sollten Gemüse und Früchte nicht den ganzen Tag draussen stehen. Hier muss man sich also organisieren. Darüber hinaus muss man sich natürlich auch Gedanken über den Menüplan machen. Schliesslich sollen die gelieferten Gemüse und Früchte nicht vergammeln. Das hat bei mir recht gut funktioniert. Ein paar Sachen sind im Tiefkühler gelandet.

Selber bestimmen, was kommt

Die gelieferten Früchte haben mich insgesamt weniger überzeugt als das Gemüse. Das liegt vor allem daran, dass vor allem Import-Früchte in die Kisten gepackt waren. Trauben aus Italien, Birnen aus Frankreich, Nektarinen aus Spanien oder sogar Kiwi aus Chile. Laut Bionline hängt das unter anderem mit der schlechten Fruchternte in diesem Jahr zusammen. Die hofeigenen Hochstammfrüchte seien erfroren, ebenso jene des wichtigsten Lieferanten. Hinzu komme, dass die Kundschaft auch exotische Früchte wünsche.

Fairerweise muss angemerkt werden, dass man selber Einfluss nehmen kann auf die Lieferung: Bionline informiert jeweils am Freitag der Vorwoche per Mail über den nächsten Box-Inhalt. Wer hier mit einem oder mehreren Posten nicht einverstanden ist, kann das online selber ändern. Die Kiwis aus Chile wären bei mir eigentlich rausgeflogen. Für meinen Versuch bin ich aber von jenen Konsumenten ausgegangen, die ein Abo abschliessen und einfach nehmen, was kommt.

Mindestens 40 Franken pro Lieferung

Eine Lieferung bei Bionline kostet mindestens 40 Franken (Mindest-Bestellwert). Dafür erhält man Früchte in Bio- und Gemüse gar in Demeter-Qualität. Und man weiss beim Gemüse ganz genau, wo die Ware gewachsen ist. Für einen Zweipersonenhaushalt kann die wöchentliche Lieferung zu einer Herausforderung werden, da für 40 Franken doch eine beträchtliche Menge geliefert wird. In diesem Fall entscheidet man sich vielleicht besser für eine Lieferung alle zwei Wochen oder einmal im Monat. Oder man lässt sich neben Gemüse und Früchten auch noch Milchprodukte oder Fleisch in die Kiste packen.

Sendung zu diesem Artikel