Teure Medikamente Hepatitis-C-Entscheid: Behandlung weniger teuer als Folgekosten

Die Grundversicherung kommt ab Oktober für die Behandlung aller Versicherten auf, die an Hepatitis C leiden. Der Entscheid des Bundes hat laut Krankenkassenverband Curafutura Mehrkosten für das Gesundheitssystem in Milliardenhöhe zur Folge. Der Verein Hepatitis Schweiz widerspricht.

Das Bundesamt für Gesundheit hat den US-Hersteller Gilead bei zwei Medikamenten heruntergehandelt. Trotzdem kosten diese pro Behandlung nach wie vor 30'000 Franken.

Laut einer Studie gibt es in der Schweiz 40'000 unbehandelte Personen mit Hepatitis C. Curafutura, zu dem die Krankenkassen CSS, Helsana, Sanitas und KPT gehören, spricht von Kosten von über einer Milliarde Franken, die auf die Prämienzahler zukommen.

Hepatitis C führt zu gravierenden und teuren Krankheiten

Philip Bruggmann, Präsident des Vereins Hepatitis Schweiz, relativiert. Wenn Hepatitis C unbehandelt bleibe, würden insbesondere Lebererkrankungen wie Leberkrebs auftreten. Aber auch Zucker- oder Herzerkrankungen können auftreten – allesamt Erkrankungen, die in der Behandlung sehr teuer sind. Diese Kosten würden bei einer Anwendung von Hepatitis-C-Medikamenten wegfallen.

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Die neuen Medikamente seien zudem sehr wirksam, so dass es bei einer einmaligen Behandlung bleibe. Diese komme im Endeffekt billiger, als die Patienten ihrer Krankheit zu überlassen. Zudem wisse gut ein Drittel der 40'000 unbehandelten Personen gar nicht, dass sie erkrankt seien. Ziel sei es, diese zu eruieren, das brauche aber Zeit. Die Kosten würden sich so verteilen.

Auch Santésuisse, der grösste Schweizer Krankenkassenverband, hatte sich im Vorfeld positiv zum Entscheid des Bundesamts für Gesundheit geäussert, der erwartet worden war. Eine Sprecherin hatte in der NZZ erklärt, eine Hepatitis-C-Behandlung würde die Kassen günstiger kommen, als eine Chemotherapie, die durch die Krankheit nötig würde.

Horrende Medi-Preise treiben kranke Schweizer nach Indien

«Kassensturz» berichtete letztes Jahr über einen Schweizer Hepatitis-C-Patienten, der in der Schweiz keine Behandlung bekam. Er suchte nach Alternativen und fand sie in Indien. Die Pharmafirma Mylan stellt das Generikum von Harvoni für Patienten in Entwicklungsländern her. Je nach Bezugsquelle kostet eine Therapie mit diesem Medikament 50 Mal weniger. Da die Schweizer Krankenkassen in seinem Fall nicht bezahlten, wurde das Medikament für ihn erschwinglich.

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Horrende Medi-Preise treibt kranke Schweizer nach Indien

17 min, aus Kassensturz vom 5.4.2016

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