Hepatitis-Wunderwaffe: Nicht alle Patienten erhalten Zugang

Gut wirksame Hepatitis-C-Medikamente sind in der Schweiz extrem teuer und daher längst nicht für alle Patienten zugelassen. Das müsste nicht sein, meint die Hepatitis-Strategie Schweiz, die sich für einen möglichst freien Zugang zu den Medikamenten einsetzt.

Seit kurzem ist in der Schweiz das Medikament Epclusa des US-Herstellers Gilead zugelassen. Es gilt als wahre Wunderwaffe gegen das Hepatitis-C-Virus. Denn anders als andere Medikamente, kann es gegen alle Unterarten (Genotypen) des Virus eingesetzt werden. Der Haken: Wie andere gut wirksame Hepatitis-C-Medikamente ist auch Epclusa extrem teuer, sogar noch teurer als die bisherigen Medikamente. Eine Behandlung mit Epclusa dauert drei Monate und kostet 60‘000 Franken.

Behandlung nicht für alle zugelassen

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat daher aufgrund von wirtschaftlichen Überlegungen den Zugang des Medikaments stark eingeschränkt, wie «Tages-Anzeiger» und «Bund» berichten. So ist die Abgabe wie bei den bisherigen Medikamenten grundsätzlich auf Patienten beschränkt, bei denen die Krankheit schon fortgeschritten ist. Und sie ist beschränkt auf Patienten mit dem Genotyp 3, da bei allen anderen Genotypen (in der Schweiz sind 1 bis 4 relevant) günstigere Behandlungen möglich sind.

Auf Anfrage des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» begründet das Bundesamt: «Das BAG kann für Epclusa keinen Preis festlegen, der dazu führt, dass die Behandlung einzelner Genotypen noch teurer wird.»

«Eliminationsstrategie verfolgen»

Für die Hepatitis-Strategie Schweiz, welche sich dafür einsetzt, dass möglichst alle Hepatitis-C-Patienten Zugang zu den nötigen Medikamenten bekommen, sind die wirtschaftlichen Überlegungen des BAG nur bedingt nachvollziehbar. Zwar habe das BAG rechtlich kaum Instrumente um bei den Preisverhandlungen mit den Herstellern stark aufzutreten, sagt Philip Bruggmann, Leiter der Hepatitis-Strategie. Allerdings: «In anderen Ländern war es möglich, tiefere Preise auszuhandeln.»

Es handle sich dabei um Länder, die sich dazu bekannten, das Hepatitis-C-Virus zu bekämpfen. Australien sei so ein Beispiel: «Seit März 2016 hat Australien unlimitierten Zugang zu den Behandlungen, eine Therapie kostet dort weniger als 10‘000 Franken.» Rund ein Viertel aller Hepatitis-C-Patienten des Landes seien dort letztes Jahr behandelt worden. «Das BAG wäre gefordert, ebenfalls eine Eliminationsstrategie zu verfolgen. Dann wären die Hersteller sicher bereit, sich auf Verhandlungen für tiefere Preise einzulassen.»

BAG sieht Hersteller in der Pflicht

Beim BAG ist eine Eliminationsstrategie derzeit jedoch kein Thema. Daniel Koch, Leiter übertragbare Krankheiten beim BAG, sagt: «Andere Länder fahren andere Strategien, das ist durchaus sinnvoll. Es gibt aber nicht nur den Weg, möglichst alle Patienten mit Medikamenten zu behandeln.» In der Schweiz setze man stattdessen auf Prävention – und diese funktioniere gut: «Hier stecken sich nur noch sehr wenige Menschen mit Hepatitis C an.»

Vielmehr sieht das Bundesamt die Hersteller gefordert: «Mit diesen sind wir im Kontakt und diese sind zum jetzigen Zeitpunkt in keiner Art und Weise bereit, mit den Preisen runter zu gehen.»

Runder Tisch gefordert

Vorderhand bleibt die Situation also für viele Betroffene unbefriedigend. Aus diesem Grund schlägt die Hepatitis-Strategie Schweiz einen runden Tisch vor, an welchem Hersteller, BAG, Patientenvertreter und Mediziner dabei sein sollen. Das BAG hält einen solchen im Moment nicht für nötig. Erst im Herbst habe es einen runden Tisch mit medizinischen Experten gegeben. «Es macht keinen Sinn, jetzt schon wieder zusammenzusitzen.»

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