Staub, eine dunkle Wohnung und immer wieder der Lärm des Presslufthammers. Während achtzehn Monaten musste eine junge Familie in Genf eine Gesamtsanierung miterleben: «Es war die Hölle. Am Anfang hatten sie die Gerüste mit einer lichtundurchlässigen Plane abgedeckt. Wir lebten eigentlich im Dunkeln.»
Rund 20'000 Gebäude werden jedes Jahr in der Schweiz saniert: Instandhaltungen, Verdichtungen, wertvermehrende und energetische Massnahmen. Der Trend wird zunehmen, denn mehr als die Hälfte aller Wohnbauten – 1,1 Millionen – müssten in den nächsten Jahren energetisch saniert werden.
Campingklo und Dusche im Keller
Auch in Basel wird eine Siedlung an der Gellertstrasse gesamtsaniert, weitgehend im bewohnten Zustand. Neben energetischen Sanierungen und einer Aufstockung sind neue Bäder geplant, ein Waschturm sowie neue Küchen.
Eine betroffene Mieterin berichtet, dass es anfänglich sogar hiess, sie bekämen ein Campingklo, Duschen im Keller und fliessend Wasser im Treppenhaus.
Hohe Mietzinserhöhung
Vielfach folgt nach der Sanierung eine unangenehme Mietzinserhöhung. Zumindest in den Kantonen ohne Wohnschutzgesetz. Einzige Ausnahme in der Deutschschweiz ist Basel-Stadt. Hier gilt seit drei Jahren ein Gesetz, das Mietende bei Wohnungsnot vor überhöhten Mietzinserhöhungen nach Sanierungen schützt. Die Vermieterin an der Gellertstrasse, die Pax Versicherung, hat die Baugesuche jedoch kurz vor Inkrafttreten des Gesetzes eingereicht.
Ein Mieter ärgert sich: «Am meisten stört mich, dass über viele Jahre nicht das gemacht worden ist, was man hätte machen sollen, nämlich Instandhaltungsarbeiten.» Und jetzt werde sein Mietzins voraussichtlich um vierzig Prozent erhöht. Die angekündigten Mietzinserhöhungen betragen zwischen 740 und 870 Franken.
Überhöhte Investitionssumme
Es sei ein grosses Problem, dass viele Investoren wie an der Gellertstrasse bei Sanierungen nicht nur das machen, was nötig sei, kritisiert Beat Leuthardt vom Mieterinnen- und Mieterverband Basel-Stadt: «Man macht eine Riesengeschichte daraus.» Am Schluss habe man hohe Aufschläge.
Dazu kommt: Je höher die Investitionssumme bei Gesamtsanierungen, desto mehr Kosten dürften Vermietende auf Mietzinse abwälzen, kritisiert Beat Leuthardt. Dank des Wohnschutzgesetzes hätten sie in Basel-Stadt keine Massenkündigungen mehr und anständige Sanierungen: «Jetzt haben wir Mietzinse, die fünfzig oder hundert Franken aufschlagen. Aber nicht mehr das Zehnfache.»
Behördliche Vorgaben verteuern Sanierung
Das sieht der Hauseigentümerverband in Basel-Stadt anders. Die Folge des neuen Wohnschutzgesetzes sei, dass weniger und nur noch das Allernötigste saniert werde, kritisiert Geschäftsführer Andreas Zappalà. Anders sei es in Kantonen ohne Wohnschutzgesetz: Da seien es oft behördliche Vorgaben, welche die Sanierungen verteuern würden: «Wenn man anfangen muss mit sanieren, dann zieht das einen Rattenschwanz nach sich. Dann stellen sich Fragen im energetischen und sanitären Bereich oder zur Barrierefreiheit.»
Die betroffene Mieterin an der Gellertstrasse kritisiert: «Ganz schwierig finde ich den Umgang mit Menschen, mit uns Mieterinnen und Mietern.» Die Genfer Familie erwartet wegen des Wohnschutzgesetzes im Kanton keine hohe Mietzinserhöhung. Aber sie überlegt sich, eine rückwirkende Mietzinsreduktion zu beantragen für die Unannehmlichkeiten während des Umbaus.