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Trockenheit in Spanien Avocados bringen Andalusiens Wasserreserven an ihre Grenzen

Die Schweiz importiert immer mehr Avocados aus Spanien. Und für das beliebte Superfood wird massiv Wasser verbraucht, was die ohnehin trockene Region Andalusien an ihre Grenzen bringt. Ein Blick auf ein System am Limit.

Avocados sind in der Schweiz äusserst beliebt: Im vergangenen Jahr wurden fast 26’000 Tonnen importiert. Mehr als doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren.

Der Grossteil stammt aus Peru, doch Spanien ist auch ein wichtiger Lieferant: 2025 kamen rund 3093 Tonnen von dort, etwa 81 Prozent mehr als ein Jahrzehnt zuvor.

Ein Boom mit Folgen

Der Boom ist überall sichtbar. In den Hallen des Grossproduzenten «Frutas Los Cursos» sortieren täglich 120 Mitarbeitende die Früchte. Vertriebsleiter Ángel Leché erklärt: «Wir schicken sie grün in die Schweiz. Unterwegs reifen sie nach. Beim Kunden sind sie dann fast perfekt.»

Direktor Antonio Rodríguez Antequerra sieht vor allem das Geschäft: «Das sind sehr gute Produkte – entsprechend haben sie ihren Preis.» Die Nachfrage ist hoch und mit Avocados könne man viel Geld verdienen, sagt er.

Wo früher Oliven, Mandeln und Weinreben standen, wachsen heute Avocados.
Autor: Rafael Yus Agraringenieur

Doch der Erfolg hat Folgen: Avocados benötigen fast 6000 Liter Wasser pro Hektar – mehr als jede andere tropische Frucht der Region. Mangos benötigen etwa die Hälfte, Passionsfrüchte noch weniger. In Gebieten, in denen es kaum regnet, ist das fatal.

Ein System am Limit

Um die Gegend mit Wasser zu versorgen, stützt sich Andalusien auf Staudämme wie den Embalse de la Viñuela. Jahrzehntelang funktionierte das System. Doch seit rund zehn Jahren geraten die Wasserreserven unter Druck, dabei spielt auch der Avocado-Anbau eine zentrale Rolle.

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Legende: Das Wasser wird inzwischen häufig aus dem Stausee Embalse de la Viñuela bezogen. SRF

Agraringenieur Rafael Yus beobachtet, wie sich die Landschaft verändert: «Wo früher Oliven, Mandeln und Weinreben standen, wachsen heute Avocados – oft sogar oberhalb der erlaubten Höhenlagen.» Weil es kaum regnet, müssen die Plantagen ganzjährig bewässert werden.

Viele Bauern pumpen Wasser illegal aus der Tiefe. 2023 liess die Guardia Civil über 250 illegale Brunnen schliessen und nahm rund 100 Landwirte fest.

Dürre und Ernteausfälle

Zwischen 2021 und 2024 litt Andalusien unter einer schweren Dürre. Die Folgen waren dramatisch: Die Hälfte der Avocadobäume vertrocknete, die Früchte blieben klein und hatten eine schlechtere Qualität. Produktionsleiter Javier Rodriguez Alba von Frutas Los Cursos sagt klar: «Die Pflanze braucht viel Wasser und hält Trockenheit nicht aus.»

Eine aktuelle Studie der Unis Malaga, Princeton und Bern bestätigt: In der Axarquía gibt es zu viele Avocadobäume und zu wenig Wasser. Die Wasserreserven haben in den letzten 14 Jahren deutlich abgenommen.

Profit vor Nachhaltigkeit

Trotz aller Warnungen bleibt der Direktor von «Frutas Los Cursos» gelassen. Für Antonio Rodríguez Antequerra zählt der Marktpreis, nicht die Wasserkrise. Umsteigen auf andere Kulturen? Keine Option.

Wie es mit dem Avocado-Boom in Spanien weitergeht, hängt von der Natur ab – und am Ende auch von den Konsumentinnen und Konsumenten.

Kassensturz, 14.4.2026, 21:10 Uhr

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