Lebensmittelskandale gehören in China zum Alltag

In keinem Land gibt es mehr Konsumenten als in China. Und nirgendwo gibt es mehr Lebensmittelskandale: Gefälschte Eier, mit Beton gefüllte Baumnüsse, Teigtaschen aus Karton, gefärbtes Gemüse – Betrügereien dieser Art führen häufig zu Todesfällen und vor allem zum Vertrauensverlust bei Konsumenten.

Yu Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Starmoderator Yu. zvg

Profil

Land:
China
Einwohner:
1,4 Mrd.
Konsumsendung:«Yu’s Talkshow»
Radiostation:
BBC Radio 4
Webseite:

Besonderheiten:Mischung zwischen Konsumentensendung und Unterhaltungs-Show. Mit über 20 Prozent Marktanteil eine der erfolgreichsten
TV-Konsumentensendungen Chinas. Seit 2015 täglich im Programm.

Die Talkshow von Starmoderator Shu Yu wird täglich in ganz China ausgestrahlt. Mit rund 20 Prozent Marktanteil ist sie ein Quotenrenner und die zweitbeliebteste Konsumentensendungen im Land der Mitte. Sie ist eine Mischung aus ernsthaftem Konsumjournalismus und Show-Klamauk.

Betrogene Kunden erhalten mindestens 70 Franken

Zusätzlich Auftrieb gab Sendungen wie Yu’s Talkshow eine Änderung des chinesischen Konsumentenschutz-Gesetzes im Jahr 2015. Das Gesetz besagt, dass wer schlechte oder gar gefälschte Produkte verkauft, den Kunden das Dreifache des ursprünglichen Wertes zurückzahlen muss. Mindestens aber 500 Yuan – etwas mehr als 70 Franken.

Lebensmittelskandale gehören zum Alltag

Im Zentrum der Berichterstattung der zahlreichen Konsumentenmagazine in China stehen häufig Lebensmittel. In diesem Bereich gibt es in China unglaubliche Betrügereien: Künstlich gefärbtes Gemüse, gefälschte Eier, zusammengeklebte Baumnüsse oder mit Giftstoffen gepanschte Milch, an deren Folgen beim berüchtigten Milchpulverskandal im Jahr 2008 gar mehrere Säuglinge starben.

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Konsumentenvertrauen am Tiefpunkt

Kein Wunder, ist das Vertrauen der chinesischen Konsumenten auf dem Nullpunkt. Viele geben bis zur Hälfte ihres Einkommen für als sicher geltende Produkte aus. Der Renner sind Milch aus der Schweiz und Deutschland, oder Fleisch aus Australien und Neuseeland.

Regierung ermuntert Kritik

Um das Vertrauen der heimischen und internationalen Bevölkerung in chinesische Produkte wieder herzustellen, lässt die sonst sehr restriktive chinesische Regierung kritische Konsumentenmagazine zu. So wolle man die eigenen Bürger zu kritischerem Verhalten erziehen, sagt Pascal Nufer, SRF-China-Korrespondent.

Beim Onlineshopping die Nase vorn

Einen grossen Vorsprung ortet SRF-China-Korrespondent Pascal Nufer hingegen beim Online-Shopping: Es gibt mehrere Apps, die Funktionalitäten ähnlich jenen von Amazon, Ricardo und Whatsapp vereinen und so das virtuelle Einkaufen massiv erleichtern.

In China werde quasi das ganze Leben über diese Apps organisiert, so Nufer, «da sind wir in Europa noch meilenweit davon entfernt».

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