«Marketplace»: Die amerikanische Wirtschaftssendung für Normalos

1989 ging die erste Sendung über den Äther. Heute erreicht das Magazin «Marketplace» jede Woche zwölf Millionen Hörer in den USA, via Radiosender des Medien-Netzwerks «American Public Radio». Dieses funktioniert wie die Sender des nicht-kommerziellen Programms von NPR und steht für Qualität.

Screenshot Internetseite Marketplace. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Marketplace» wird von American Public Media produziert. SRF

Profil

Land:
USA
Einwohner:
319 Mio.
Konsumsendung:«Marketplace»
Radiostation:
Alle Stationen der American Public Media Gruppe (knapp 800).
Webseite:
www.marketplace.org
Besonderheiten:Eine Sendung zu Wirtschaftsthemen für das breite
Publikum, seit 1989 auf Sendung.

In den 1980er-Jahren gab es in den USA die tägliche Radiosendung «Business Update», eine Wirtschaftssendung für Geschäftsleute, in einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit mit dem Radiosender CBS. Ein erfahrener Journalist von NPR wurde eines Tages für eine Sendungskritik in die Redaktionsstube eingeladen. Er zerriss die Sendung in der Luft und machte gleichzeitig einen Vorschlag für eine neue, unabhängige Wirtschaftssendung, welche für die Bürgerinnen und Bürger gedacht war und nicht für Insider der Finanzwelt. Ein Jahr später war es soweit: «Marketplace» sendete täglich.

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Die Wahl des Namens für die Sendung sei sehr entscheidend gewesen für den Erfolg bei eben diesem breiten Publikum, schreiben die Mitarbeiter von Marketplace auf ihrer Internetseite: «Erst suchten die Verantwortlichen einen Namen, in dem ‹Business› darin enthalten war.» «Eben nicht!», argumentierten die Macherinnen und Macher, und schliesslich einigte man sich auf «Marketplace», zu Deutsch Marktplatz. Noch immer sei es das grösste Kompliment, wenn in einem Hörerbrief geschrieben stehe: «Ich hasse Wirtschaft und Finanzen, aber ich liebe ‹Marketplace›.»

Mit Leichtigkeit und viel Humor an schwere Themen herangehen

Täglich sendet «Marketplace» am frühen Morgen ein Kurzformat, im Lauf des Tages folgt das ausführliche Magazin. Am Wochenende ist mit einem 90-minütigen Format genug Zeit, Themen zu vertiefen. Egal welches Format, immer werden die Themen mit Humor, mit der nötigen Distanz und kritischem Blick aufbereitet. Da geht es um Brexit, um den Taxidienst Uber, es geht um die transpazifische Partnerschaft oder um Nintendos Pokémon Go. Und immer wieder wird auch über klassische Konsumthemen berichtet: Gentechnisch veränderte Lebensmittel und so weiter.

«  Ich liebe die amerikanische Gastfreundschaft und vermisse die Schweizer Qualität. »

Peter Düggeli
SRF-Korrespondent

Peter Düggeli ist seit einem Jahr für das Schweizer Radio und Fernsehen mit seiner Familie in Washington. Eben reiste er in den Ferien mit dem Wohnmobil der Ostküste entlang. «Was aus Konsumentensicht in den USA als erstes auffällt: Überall gibt es Rabatte und Sonderangebote. Man bekommt Stempelkarten und Coupons für ein Getränk, für ein Sandwich etc.» Die Amerikaner seien echte Schnäppchenjäger.

Mehr als nur ein Klischee sei die amerikanische Gastfreundschaft: «In jedem Laden, in jedem Restaurant fühlt man sich wirklich willkommen». Allerdings lasse die Qualität der Beratung häufig zu wünschen übrig. «Ich schlage einen Tausch vor: Den Schweizern etwas mehr Freundlichkeit und Charme, den Amerikanern etwas mehr vom Schweizerischen Fachwissen bei der Beratung».

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