Mehrwertdienst-Falle schnappt immer wieder zu

Die grossen Telekom-Anbieter Salt, Sunrise und Swisscom sagen, die Reklamationen im Zusammenhang mit Mehrwertdiensten seien zurückgegangen. Anders tönt es bei der Ombudsstelle: Nach dem Rekordjahr 2016 sind dieses Jahr schon wieder 750 Anfragen eingegangen. Vor allem SMS-Dienste sind heimtückisch.

Das unscheinbare Stichwort «Einkäufe» kann es in sich haben: Auf unseren Handy-Rechnungen werden unter diesem Stichwort sogenannte Mehrwertdienste verbucht.

Das kann zum Beispiel die Wetterprognose sein, die per SMS aufs Handy geschickt wird – oder der Zuschlag für den Nachtzug, den man nach dem Ausgang per SMS für fünf Franken gelöst hat.

Aber auch teure Abos für Pornografie oder für das tägliche Horoskop erscheinen unter diesem Stichwort, sofern sie über das Smartphone bezogen worden sind.

Was sich jeweils hinter «Einkäufe» verbirgt, ist auf der Handyrechnung nicht ersichtlich. Und genau das führt immer wieder zu Ärger. Vor allem, wenn Mehrwertdienste ungewollt verrechnet werden.

Um genau das zu vermeiden, haben die Telekomanbieter in den letzten Jahren sogenannte Check-out-Seiten eingeführt. Diese dienen dazu, dass ein Kunde zwei oder sogar dreifach bestätigen muss, dass er einen Dienst wirklich will.

Ombudsmann sieht keine Entspannung

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Bildlegende: «Checkout»-Zwischenseite beim Kauf mit einem Swisscom-Smartphone. Screenshot

Die Telekomanbieter sind überzeugt, dass die Check-out-Seiten ihre Wirkung nicht verfehlen: «Die Anzahl der Kundenreklamationen ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen», heisst es etwa auf Anfrage bei der Swisscom. Sunrise spricht gar von einem Rückgang der Kundenfälle um 90 Prozent.

Bei der Ombudsstelle der Kommunikationsbranche, der Ombudscom, tönt es anders: Hier melden sich jährlich hunderte von Betroffenen, die plötzlich hohe Beträge auf ihrer Rechnung vorfinden, ohne dass sie einen Mehrwertdienst bestellt hätten. Vergangenes Jahr war ein Rekordjahr mit über 2000 Anfragen zu diesem Thema.

«Und dieses Jahr haben wir auch schon rund 750 Anfragen», sagt Ombudsmann Oliver Siedler. «Ich habe erwartet, dass sich die Situation bei den Mehrwertdiensten mit der Einführung der Check-out-Seiten beruhigt. Das hat sich aber nicht bewahrheitet.»

Nicht einfach auf «OK» klicken!

Der Ombudsmann vermutet, dass bei den Mehrwertdiensten zum Teil Missbrauch betrieben wird. Allenfalls gebe es technische Möglichkeiten, die Check-out-Seiten zu umgehen. «Oder es handelt sich um SMS, die ungefragt zugestellt und verrechnet werden.»

Überhaupt sind SMS eine heimtückische Sache: «Es gibt immer wieder Leute, die uns sagen, sie hätten irgendwelche SMS bekommen aber gedacht, es handle sich um Werbung. Sie hätten sie weggeklickt oder einfach auf ‹OK› gedrückt.» Genau so hat man dann unter Umständen ein unerwünschtes Abo am Hals.

Die Telekomanbieter betonen, die Anbieter von Mehrwertdiensten müssten sich an gesetzliche Richtlinien halten. Bei Verdacht auf Missbrauch würden Anbieter abgemahnt oder gar gesperrt.

Echovox-Nummern nach Anbieter

Anbieter
Echovox-Nummer
Sunrise
601, 667, 828, 909, 911, 925, 949, 968, 995, 6969
Salt911, 925, 949, 968, 995, 6969
Swisscom
601, 667, 828, 909, 911, 925, 929, 949, 968, 995, 6969, EVC01, EVC02, EVC021, EVC022, EVC023, EVC03, EVC036, EVC037, EVC038, EVC039, EVC04, EVC040, EVC041, EVC042, EVC043, EVC044, EVC045, EVC046, EVC047, EVC048, EVC049, EVC050, EVC06, EVC07, EVC08, EVC09, EVC10, EVC11, EVC12, EVC13, EVC14, EVC15, EVC16, EVC17, EVC18, EVC19, EVC20, EVC22, EVC23, EVC24, EVC25, EVC26, EVC27, EVC29, EVC30, EVC31, EVC32, EVC33, EVC61, EVC611, EVC612, EVC613, EVC614, EVC615, EVC616, EVC617, EVC618, EVC619, EVC62, EVC620, EVC621, EVC63, EVC64, EVC65, EVC66, EVC67, EVC68, EVC69, EVC70, EVC71, EVC72, EVC73, EVC024, EVC053, EVC054, EVC055, EVC056, EVC057, EVC058, EVC059