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Sonstiges Recht Späte Steuerrechnung: Muss ich Verzugszinsen zahlen?

«Espresso»-Hörer Dieter Profos hat vor drei Jahren sein Elternhaus verkauft. Jetzt erst kommt die Rechnung für die Grundstückgewinnsteuer – samt Verzugszins von 390 Franken. Für die Verzögerung ist Profos nicht verantwortlich. Trotzdem soll er diesen Verzugszins bezahlen. Zu Recht?

Legende: Audio Rechtsfrage: Späte Steuerrechnung, muss ich Verzugszinsen zahlen? abspielen. Laufzeit 03:36 Minuten.
03:36 min, aus Espresso vom 18.09.2014.

«Es ist doch nicht meine Schuld, dass das Einschätzungsverfahren so lange gedauert hat», ärgert sich Dieter Profos. Der «Espresso»-Hörer hat vor drei Jahren sein Elternhaus verkauft. Die Rechnung für die Grundstückgewinnsteuer bekommt er erst jetzt – drei Jahre später. Stutzig macht ihn vor allem, dass er zusammen mit der Grundstückgewinnsteuer noch einen Verzugszins von 390 Franken bezahlen soll.

Bezahlen für den Fehler des Steueramtes?

Dass die Rechnung für die Grundstückgewinnsteuer erst jetzt kommt, ist nicht Dieter Profos Fehler. Das hat ihm das Steueramt am Telefon ausdrücklich bestätigt. Dass er trotzdem den Verzugszins bezahlen soll, sieht er deshalb nicht ein.

Wer wie Dieter Profos eine Liegenschaft oder ein Grundstücke verkauft, erzielt fast immer einen Gewinn. Dieser Gewinn – er ergibt sich aus der Differenz zwischen dem ursprünglichen Kaufpreis und dem aktuellen Verkaufserlös – muss als sogenannte Grundstückgewinnsteuer versteuert werden (weitere Informationen siehe Box «Mehr zum Thema»). Wie hoch diese Steuer ausfällt, ist kantonal geregelt. Bei hohen Gewinnen kann sie bis zu 30 Prozent des Gewinns betragen.

Wer die Steuer im Voraus zahlt, schützt sich vor bösen Überraschungen

Steuerpflichtig ist immer der Verkäufer der Liegenschaft. Was aber viele nicht wissen: Die Grundstückgewinnsteuer wird bereits nach dem Verkauf zur Zahlung fällig und nicht etwa erst, wenn das Steueramt die Rechnung ausstellt. Im Kanton Zürich, wo das Elternhaus von Dieter Profos steht, wird die Grundstückgewinnsteuer am 90. Tag nach der Handänderung zur Zahlung fällig. Das gilt auch dann, wenn das Steueramt das Einschätzungsverfahren noch nicht abgeschlossen hat.

Grundstückgewinnsteuern können ins Geld gehen

Was Dieter Profos nicht bewusst war: Im Kanton Zürich beginnen laut der Verordnung zum Steuergesetz die Verzugszinsen bereits ab dem 91. Tag nach dem Verkauf zu laufen. Ein entsprechender Hinweis findet sich im Kleingedruckten auf der Steuererklärung. Dauert das Einschätzungsverfahren wie in seinem Fall mehrere Jahre, können sich allein für die Verzugszinsen happige Beträge summieren.

Aus diesem Grunde sind Liegenschaften-Verkäufer gut beraten, die Grundstückgewinnsteuer schätzen zu lassen (beim Steueramt oder beim Hauseigentümerverband) und diesen geschätzten Betrag nach dem Verkauf beim Steueramt als Depot einzuzahlen. So lassen sich hohe Rechnungen und Verzugszinsen vermeiden.

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Die Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner beantwortet jeden Donnerstag in «Espresso» eine Rechtsfrage. Hier geht es zu den bisherigen Antworten.
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3 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Jurt, Lidingö
    Wer laufend vom Staat mehr Leistungen fordert, muss sich nicht wundern, wenn man im Steuer- und Gebühreneintreiben "erfinderisch" wird! Und Hausbesitzer gehören zu der Kategorie im Staat, welche noch Geld haben. Also holt man es dort, wo es noch hat.....! Bei allen Forderungen gewisser politischer Parteien fragte ich die Antragsteller jeweils, wie wir das bezahlen wollen. Wir müssen uns mehr die Frage stellen, ob das was wir vom Staat als Leistung einfordern auch wirklich eine Staatsaufgabe ist.
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  • Kommentar von Daniel Gull, Zürich
    Wieder einmal der Staat, der nicht für seine Verfehlungen selbst aufkommt, sondern den geprellten zur Kasse bittet. Unmöglich dieses System in diesem Land! Wenn man etwas verbockt hat, dann sollte man auch dafür gerade stehen, aber in diesem Land läuft es halt oft anders. Vor allem der Staat schützt sich vor solchen Verfehlungen, um nicht dafür gerade stehen zu müssen. Wir Bürger sind heute für den Staat da, nicht umgekehrt - so war es früher!
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  • Kommentar von Willi Meier, Oberwil
    Das ist wieder einmal ein Verhalten, welches typisch für den Staat ist, der sich immer häufiger so aufführt als seien wir Bürger für den Staat da und nicht umgekehrt! Welches Unternehmen könnte es sich leisten, drei Jahre mit der Rechnungsstellung zu warten und dann noch Strafgebühren einzutreiben!
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