Fleischproduktion Schweinehaltung: Tierschutz schlägt Alarm

Der Schweizer Tierschutz STS ist besorgt: Immer mehr Schweine kommen während ihres ganzen Lebens nie aus dem Stall. Nur noch jedes zweite Schwein hat Auslauf. Das ist deutlich weniger als noch vor fünf Jahren.

Auf vielen Bauernbetrieben müssten die Tiere unter Bedingungen leben, die weit von einer tierfreundlichen Nutztierhaltung entfernt sind, sagte STS-Geschäftsführer Hansuli Huber an einer Pressekonferenz in Zürich.

Bei der Schweinemast ist Gesetz «zu lasch»

In der konventionellen Schweinemast verbringen die Tiere ihr ganzes Leben in Betonbuchten, ohne Bewegung und ohne Tageslicht. «Das ist leider alles gesetzeskonform», so Huber. Vielen Konsumenten sei dies aber nicht bewusst. Die Schweizer Tierschutzgesetzgebung werde überschätzt. Ohne schlechtes Gewissen werde dann Schweinefleisch aus konventioneller Haltung gekauft.

Etwas besser haben es die Schweine in sogenannten Label-Betrieben, deren Fleisch zum Beispiel unter den Namen Terrasuisse oder Naturafarm verkauft werde. Diese Tiere haben mehr Platz, Einstreu und etwas Auslauf. Doch die Zahl der Label-Schweine habe laut dem Schweizer Tierschutz in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. 2010 hätten noch 58 Prozent der Schweine zumindest ein bisschen Auslauf gehabt – heute nur noch 50 Prozent. Der Trend gehe also zurück zur konventionellen Haltung.

Bund und Detailhandel in der Kritik

Dies liege zum einen daran, dass der Bund zu wenig Anreiz durch Subventionen schaffe. Damit sie mit ihren Schweinen doch noch etwas verdienen, reduzieren viele Bauern die Kosten – zum Nachteil der Tiere.

Zum anderen würden Detailhändler vermehrt auf die billigeren konventionellen Schweine-Produkte setzen. Hier gebe es einen Preiskampf. Labelfleisch lande immer weniger in den Regalen und werde vernachlässigt. Zudem seien die Margen im Handel viel zu hoch. Man würde besser den Bauern mehr bezahlen, davon würde das Tierwohl profitieren, fordern die Tierschützer.

Die Branche wehrt sich gegen die Vorwürfe

Christian Oberli vom Branchenverband Proviande widerspricht dem gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Die Margen im Handel seien nicht zu hoch. Es gebe immer höhere Anforderungen an die Qualität und an die Sicherheit und dies habe seinen Preis. Auch sei die Schweiz führend, was die hygienischen Verhältnisse in den Betrieben angehe.

Die Grossverteiler Coop und Migros wehren sich zudem auf Anfrage gegen den Vorwurf, Labelfleisch werde gegenüber konventionellem Fleisch benachteiligt. Sie würden seit Jahren konstant rund zwei Drittel Labelfleisch verkaufen. Migros schreibt ausserdem, die Margen beim Schweinefleisch seien «marktüblich».

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