Steinpilze im Test: Verbotene Insektizide in mehreren Produkten

Das Westschweizer Konsumentenmagazin «A Bon Entendeur» liess im Labor getrocknete Steinpilze auf Pflanzenschutzmittel untersuchen. In wild wachsenden Pilzen haben Pestizide nichts zu suchen. Doch das Labor fand in einigen Proben einen ganzen Insektizid-Cocktail.

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Steinpilze im Test: Verbotene Insektizide in mehreren Produkten

7:19 min, aus Kassensturz vom 18.2.2014

Das Labor beanstandet die getrockneten Steinpilze aus der Migros. Die Pilze stammen aus China und kosten 8.10 Franken pro hundert Gramm. Hier fand das Labor drei verschiedene Insektizide. Die Migros sagt, die Toleranzwerte würden eingehalten. In eigenen Kontrollen habe sie noch nie eine Verletzung gesetzlicher Vorgaben festgestellt.

Das günstigste Produkt ist ein Insektizid-Cocktail

Auch die chinesischen Steinpilze von Aldi schnitten nicht gut ab. Das Labor fand vier verschiedene Insektizide. Aldi sagt ebenfalls, bei den Steinpilzen würden keine Grenzwerte überschritten.

Die günstigsten Steinpilze im Test aus dem Denner für 5.64 Franken pro hundert Gramm enthielten sogar fünf verschiedene Insektizide. Denner schreibt, man habe die beanstandeten Steinpilze vorsorglich aus dem Verkauf genommen und würde die Chargen überprüfen.

Diese Insektizide seien nicht harmlos, sagt Didier Ortelli vom Kantonalen Labor Genf: «Sie sind gemacht, um lebende Organismen zu töten, und sie sind erheblich toxisch. Die Steinpilze müssen beanstandet werden und man sollte sie vom Markt nehmen.»

Viele Wurmlöcher

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Testresultate im Detail

Testresultate im Detail

Die ausführliche Testtabelle finden Sie hier.

Das Kantonale Labor Genf untersuchte die Steinpilze im Weiteren auf deren Aussehen. Auch da waren nicht alle Proben einwandfrei. Bei den getrockneten Steinpilzen von Manor sind viele Pilze verkohlt und wurmstichig gewesen. Deshalb taxierte das Labor diese Pilze als verunreinigt und nicht konform. Besonders stossend dabei sei die Qualitäts-Auszeichnung «Extra» auf der Verpackung. «Dies ist eindeutig eine Irreführung», sagt ein Mitarbeiter des Kantonalen Labors Genf. Manor will in Zukunft auf die Beschriftung «Extra» verzichten.

Diese Steinpilze sind in Ordnung

Insgesamt vier Produkte durchliefen den Test ohne Beanstandung. Es sind dies die getrockneten Steinpilze Naturaplan von Coop, mit 19.57 Franken pro hundert Gramm die teuersten Pilze im Test. Ebenfalls konform sind die Pilze von Lidl aus Mazedonien (9.95 Franken pro hundert Gramm) und die Steinpilze Qualité&Prix von Coop (8.98 Franken pro 100 Gramm). Die Steinpilze von Aligro stammen aus China und kosten 7.45 Franken pro hundert Gramm. Auch sie bleiben unbeanstandet.

Steinpilze aus China

Viele getrocknete Steinpilze aus dem Detailhandel stammen aus der Provinz Yunnan im Süden Chinas. Von Juni bis Oktober sammeln dort Bauernfamilien in den Wäldern kiloweise Steinpilze. Das Pilzsammeln ist für sie eine wichtige Einnahmequelle. Ihre Ernte bringen die Bauern in lokale Verarbeitungsbetriebe. Dort werden die Steinpilze möglichst rasch geschnitten und getrocknet, da sie sonst schnell verderben. Vieles in den Betrieben ist noch Handarbeit, die Arbeiter sind temporär angestellt.

Kinderarbeit in China

Fernsehreporter der Sendung «falo» des italienisch sprachigen Schweizer Fernsehens besuchten die Provinz Yunnan und filmten bei der Ernte und in den Verarbeitungsbetrieben. Dabei filmten sie auch Kinder, die bis spät in die Nacht in den Betrieben arbeiteten. Sie sprachen unter anderem mit einem 14-jährigen Mädchen, welches jeden Tag 14 bis 15 Stunden arbeitet und dafür umgerechnet sechs Franken pro Tag verdient. Ein weiteres Mädchen erzählte dem Reporterteam, dass sie zum Teil bis vier Uhr morgens arbeiten müsse.

Die Betreiber der Pilzverarbeitungsbetriebe betonten gegenüber der Sendung «falo», dass die Kinder nur während ihrer Schulferien beschäftigt würden.

Migros kennt das Problem

Chinesische Mädchen bearbeiten Steinpilze. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In China werden die Pilze oft von Kindern in der Fabrik bearbeitet. frc

Migros schreibt in diesem Zusammenhang «Kassensturz», dass aufgrund von eigenen Besuchen bei Produzenten vor Ort Kinderarbeit nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden könne. Aus diesem Grund sei die Migros schon seit längerem daran, alternative Bezugsquellen aufzubauen. Die Schwierigkeit sei jedoch, Produzenten zu finden, welche die entsprechenden Mengen anbieten können.

Coop bezieht mittlerweile keine Steinpilze aus China mehr. Sämtliche Steinpilze, welche bei Coop erhältlich seien stammen aus Bosnien, Montenegro und Serbien. Aldi betont, dass ihr Lieferant keine Kinder beschäftigen würde und die Betriebe mehrmals jährlich auditiert würden, welche sie mit entsprechenden Dokumenten belegen können