Zum Inhalt springen

Familie und Freizeit Verpasste Kreuzfahrt: Reisebüro zahlt Geld nicht zurück

Eine Familie bucht ein Pauschalarrangement für eine Kreuzfahrt, inklusive Anreise. Weil das Flugzeug Verspätung hat, verpassen die Urlauber das Schiff. Das Reisebüro Kuoni will die Kosten für die verpasste Reise auf die Kunden abwälzen. «Kassensturz» über die Rechte von gestrandeten Touristen.

Legende: Video Verpasste Kreuzfahrt: Reisebüro zahlt Geld nicht zurück abspielen. Laufzeit 05:48 Minuten.
Aus Kassensturz vom 30.04.2013.

«Falls auf der Reise irgendetwas schief gehen sollte, habe ich mit dem Reisebüro einen kompetenten Ansprechpartner.» Das war das Hauptargument, warum Beatrice Vonlanthen die Kreuzfahrt für die ganze Familie telefonisch beim Reisebüro Kuoni buchte. Die Mutter aus dem Kanton Aargau buchte beim grössten Schweizer Reisebüro eine Kreuzfahrtreise im Roten Meer, inklusive Anreise mit dem Flugzeug von Zürich über Wien nach Ägypten.

Wegen Wintereinbruchs war der Flug von Zürich nach Wien massiv verspätet. Prompt verpasste die Familie den Anschlussflug zum Schiff nach Ägypten. Beatrice Vonlanthen und ihr Partner bezahlten über 4000 Franken für die Kreuzfahrt, verbrachten aber keine Minute auf dem Schiff. Der Traum vom Roten Meer war geplatzt.

Gestrandet am Flughafen

Im Wiener Flughafen nahmen die gestrandeten Touristen telefonisch Kontakt auf mit dem Reisebüro in der Schweiz. Kuoni schlägt den Kunden zuerst eine Übernachtung in Wien vor. Am nächsten Tag dann ein Weiterflug nach Israel mit Umsteigen in Tel Aviv nach Eilat am Roten Meer. Mit einem Tag Verspätung hätte die Familie dort aufs Schiff zusteigen können. Soweit so gut. Denn Kuoni hafte als Veranstalter für solche Reisepannen, sagt Rechtsprofessor Vito Roberto. Im Fall dieser Pauschalreise müsse das Reisebüro konkret aufzeigen, wie die Kunden doch noch aufs Kreuzfahrtschiff kommen.

Doch der Haken an der Sache: Diese Weiterreise sollten die Kunden selber zahlen! Die Familie verzichtete. Jules Frei, Partner von Beatrice Vonlanthen fürchtete sich vor den Kosten: «Niemand konnte mir sagen, wie viel die vorgeschlagenen Reiseroute kostet.» Statt zum Schiff, fliegt die Familie wieder nach Hause.

Kuoni wälzt Kosten ab

Internetseite der Firma Kuoni
Legende: Auf dieser Internetseite buchte die Famile das Gesamtpaket. SRF

Dort wartete die böse Überraschung. Kuoni wollte die 4000 Franken für die verpasste Kreuzfahrt nicht rückerstatten. Die Kunden erhielten gerade mal 321 Franken für nicht gebrauchte Zuschläge und Taxen. Mehr könne Kuoni nicht zahlen, weil auch die Reederei fast den ganzen Preis einfordere. Für Rechtsprofessor Vito Roberto kann sich Kuoni so nicht aus der Verantwortung stehlen: «Kuoni hat ein ganzes Arrangement verkauft. Sämtliche Leistungen wurden zu einem Gesamtpreis offeriert.» Die Rechtslage ist klar. Kuoni haftet als Reiseveranstalter. Sie zahlt dennoch nichts zurück. Peter Brun, Mediensprecher von Kuoni, zu «Kassensturz»: «Wir haben nach einer Lösung gesucht. Das ist unsere Aufgabe. Wenn die Kunden unsere Lösung ablehnen, stehen wir vor einer neuen Situation.»

Reisebüro muss zahlen

Abgelehnt haben die Kunden deshalb, weil sie die neue Anreise zum Schiff selbst hätten zahlen müssen. Kuoni bestätigt gegenüber «Kassensturz»: Den Kunden wurde in Wien mitgeteilt, dass Mehrkosten für Flug und Hotel zu ihren eigenen Lasten entstehen würden. Unglaublich: «Kuoni» haftet, versucht aber sämtliche Kosten auf die Kunden abwälzen. Kuoni-Sprecher Peter Brun nimmt Stellung: «Grundsätzlich machen wir in solchen Situationen nie ein Zahlungsversprechen.»

Nachdem sich «Kassensturz» eingeschalten hatte, zahlte Kuoni der Familie die 4000 Franken zurück. Die Rechtslage war klar wie das Wasser im roten Meer: Als Verkäufer der Pauschalreise haftet Kuoni für die Folgen von Reisepannen. Allfällige Abhilfemassnahmen gehen aufs Konto des Reisbüros. Das war das Glück von Beatrice Vonlanthen und ihrer Familie. Hätten sie Flug und Kreuzfahrt separat gebucht, wäre ihr Feriengeld wohl verloren gewesen.

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Mueller, St.Gallen
    Wir haben die gleiche Kreuzfahrt gebucht und sind auch via Wien geflogen. Kuoni hat uns explizit darauf hingewiesen, dass es kritisch ist mit 2 verschiedenen Tickets via Wien nach sharm zu fliegen. Obwohl es muehsam war, haben wir in Wien uebernachtet. Ich Frage mich, weshalb die betroffene und vielgereiste Familie nicht die gleiche variante gewählt hat? Dachten die vielleicht sie wissen alles besser????
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von S.B., B
      Die Familie hätte die Weiterreise selber bezahlen müssen und es konnte niemand sagen, wie hoch die weiteren Kosten betragen würden. Würden Sie einen Flug antreten, wenn Sie nicht wissen wie hoch er werden wird? Ich bitte Sie, eine Familie mit Kindern wäre mir das auch zu umständlich!! Sie unterstellen der Familie einfach wieder etwas. Typisch^^
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ursula Berger, Zug
    Ich habe schon -zig Kreuzfahrten gemacht, immer auf kleineren, sogenannten Expeditionsschiffen (max. 120 Passagiere), was man natürlich nicht mit AIDA und Co. vergleichen kann. Ich habe noch NIE schlechte Erfahrungen gemacht, im Gegenteil, die Reiseanbieter bzw. Reedereien taten immer alles um mir entgegenzukommen wenn etwas nicht so lief wie es sollte. Ich kam sogar mal in den Genuss von Tokio nach München Business Class zu fliegen - offeriert von der Reederei Hapag-Lloyd. Kundenfreundlich!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Heinz Hermann, 5243 Mülligen
    Ich kannte diesen Fall und bin glücklich, dass es in dieser, immer aggressiveren Betrugswelt, ab und zu doch noch Gerechtigkeit gibt ! In diesem Fall dank Kassensturz !!! Hätten die betroffenen Opfer einen Anwalt konsultiert, wäre vermutlich ausser nochmals Kosten nichts passiert. Danke Kassensturz !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen