Vitaminpillen sind nur im Ausnahmefall wirklich nötig

Über 100 Millionen Franken geben Schweizerinnen und Schweizer jedes Jahr während den Wintermonaten für Vitamin- und Mineralstoffpräparate aus. In den meisten Fällen ohne echten Bedarf. Am meisten profitieren die Hersteller der Produkte.

Während der Wintermonate schlucken viele Menschen Vitaminpräparate und Ergänzungsstoffe wie Magnesium, Calcium oder Zink. Sie glauben, damit ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun, ihr Immunsystem zu stärken oder einer Grippe vorzubeugen. Wirklich nützlich sind «Brausetablette und Co.» aber nur in Ausnahmefällen und bei offensichtlichen Mangelerscheinungen.

Früchte und Gemüse helfen nachhaltig

«Wer gesund ist und sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt, braucht in der Regel keine Vitamintabletten oder Ergänzungsstoffe», sagt «Puls»-Arzt Thomas Kissling. Im Normalfall reiche es, regelmässig Früchte und Gemüse auf den Speiseplan zu setzen. Wer trotzdem nicht auf Ergänzungspräparate verzichten will, kann für den Normalgebrauch auch auf billigere Produkte aus dem Supermarkt ausweichen.

Magnesium bei Krampferscheinungen sinnvoll

Als sinnvoll bezeichnet Kissling jedoch die Einnahme von Magnesium bei Leuten, die während der Nacht unter Muskelkrämpfen leiden. Auch als Krampf-Prophylaxe vor intensiven sportlichen Aktivitäten mache die Einnahme von Magnesium Sinn. Vorsichtig mit Magnesiumpräparaten umzugehen und mit Komplikationen zu rechnen haben nach Kissling aber Leute mit einer eingeschränkten Nierenfunktion. Zudem führe zu viel Magnesium bei vielen Leuten zu Durchfall.

«Von viel kommt viel» funktioniere in diesem Bereich einfach nicht, meint auch Sabine Oberrauch, Ernährungsberaterin bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE. Vor allem bei den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K sei Vorsicht geboten. Diese würden bei einem Überangebot nicht wie die wasserlöslichen Vitamine mit dem Urin aus dem Körper geschwemmt, sondern im Körper abgespeichert.

Vitamin D nur bei Mangel kompensieren

«Sinn machen kann aber in den Wintermonaten mit wenig Sonnenlicht unter Umständen die Einnahme von Vitamin D», erklärt Sabine Oberrauch gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Allerdings empfiehlt sie vorgängig eine seriöse Abklärung durch einen Arzt. Nahrungsmittelergänzungen seien grundsätzlich nur bei Mangelerscheinungen nötig.

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