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Legende: Audio Vorsicht vor «Schweiz macht mit» abspielen. Laufzeit 05:07 Minuten.
Aus Espresso vom 26.03.2019.
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Fragwürdige Plattform Vorsicht vor «Schweiz macht mit»

Eine Firma verspricht Traumgewinne bei Wettbewerben für rund 800 Franken pro Jahr. Die Sache hat aber einige Haken.

Unter dem Vorwand, es gehe um eine Umfrage, versuchen Verkäufer den Leuten an der Haustüre ein teures Jahresabo des dubiosen Angebotes «Schweiz macht mit» unterzujubeln. Dieses ist nicht nur teuer, sondern auch rechtlich zumindest grenzwertig. Das haben offenbar auch die Anbieter gemerkt: Sie kündigen an, das Angebot einzustellen.

Sie habe erst gedacht, es gehe um ein politisches oder wissenschaftliches Anliegen, erzählt eine Hörerin des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso». Eine Promotorin von «Schweiz macht mit» habe sie an der Haustüre unverfänglich gefragt, ob sie bei einer Umfrage mitmachen wolle. Die Frau habe dann unter anderem wissen wollen, ob sie oft bei Gewinnspielen mitmache und ob sie gern gewinne. Schon bald durchschaute die Hörerin aber, dass die Frau etwas anderes wollte: Ihr einen Vertrag andrehen.

Screenshot Schweiz macht mit
Legende: «Schweiz macht mit» verspricht auf der Internetseite nach wie vor grosse Gewinne. Screenshot «Schweiz macht mit»

Promotoren wollten AGB nicht rausrücken

Als die Hörerin sie dann nach den AGB, den allgemeinen Geschäftsbedingungen, fragte, war Schluss mit dem Gespräch: «Die Promotorin wollte mir nichts abgeben.» Ähnlich erging es einem anderen Hörer. Auch er hätte gerne mehr über dieses Angebot erfahren, doch der Verkäufer habe sich geweigert, mit den AGB herauszurücken.

«Espresso» schaut sich das Angebot im Internet an und erkennt schnell, dass das eine ziemlich lottrige Sache ist. Das Modell: Die Kunden liefern der Firma ihre Daten und diese spielt dann im Namen der Kunden bei diversen Wettbewerben mit, verspricht traumhafte Gewinne vom Auto über das Einfamilienhaus bis zur Rente. Gratis ist dies freilich nicht: Der Teilnehmer zahlt 65 Franken pro Monat, also pro Jahr rund 800 Franken. Kündigt man nicht rechtzeitig, läuft der Vertrag automatisch weiter.

Welche Wettbewerbe das konkret sind, Beispiele, fehlen auf der Seite. Dafür lockt «Schweiz macht mit» mit einer «No-Risk-Garantie»: Wenn jemand innerhalb des ersten Vertragsjahres nichts gewinne, erhalte er sein Geld zurück. Was es braucht, damit die Garantie entfällt – reicht etwa schon ein Kugelschreiber? – auch darauf gibt die Website keine Antwort.

«Diffus und rechtlich fragwürdig»

«Unklar und diffus», lautet das Urteil von Konsumentenschützerin Sara Stalder, als sie sich auf Anfrage von «Espresso» diese Seite ansieht. 65 Franken im Monat liessen sich ihrer Ansicht nach für Sinnvolleres ausgeben. Auch Vertragsrechtler und Lotterie-Experten sind sich einig: Dieses Angebot sei fragwürdig und rechtlich grenzwertig. Dem stimmt auch Datenschützer Adrian Lobsiger zu.

Das Modell, Daten zu sammeln und für Wettbewerbe einzusetzen, betrachte er grundsätzlich zwar nicht als illegal, aber «hier haben wir einen Vertrag, der zu einem weitgehenden Kontrollverlust der schwächeren Vertragspartei führt. Es ist quasi eine Blankovollmacht», sagt Lobsiger gegenüber «Espresso». Er befürchte auch, dass die Teilnehmer danach von den Wettbewerbs-Veranstaltern mit Werbemails eingedeckt werden.

Anbieter: «Zu viele Fragen mit negativer Indikation»

Hinter «Schweiz macht mit» steht die Firma Zugcess. Sie, beziehungsweise eine anonyme Kundenbetreuung, schreibt «Espresso», es handle sich bei dem Angebot um ein Pilotprojekt. Man entschuldigt sich dafür, dass die Promotoren den potenziellen Kunden die AGB vorenthalten haben. Man habe sie eigentlich darin geschult, «sauber und seriös» zu arbeiten.

Aber offenbar haben die Macher grundsätzlich kalte Füsse bekommen. Jedenfalls schreiben sie: «Wir haben uns entschieden, dass wir das Projekt einstellen und befinden uns bereits in der Umsetzung.» Es sei zwar «ein gesundes Interesse von Konsumenten vorhanden, aber das Segment wirft bei kritischen Personen zu viele Fragen mit negativer Indikation auf.»

Dass man das Projekt einstellen werde, habe keinen Zusammenhang mit der Anfrage von «Espresso». Auf die Frage, was denn mit den Kundinnen und Kunden passiere, die bereits den Jahresbeitrag bezahlt haben, gibt es keine Antwort mehr.

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