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«Espresso Aha!» Warum gibt es bei Heftklammern keine Norm?

Will man neue Klammern in den leeren Bostitch einsetzen, passen sie häufig nicht. «Espresso Aha!» klärt auf.

2 Bostitchklammern-Blöcke
Legende: Die gewölbten Klammern sind Bostitchklammern, die hinten eine 24/6. SRF

Er ist vielleicht der ärgste Feind des Papiers, durchdringt er es doch mit Gewalt: der Bostich. Doch aus den Büros ist der Apparat kaum mehr wegzudenken.

Prägende Marke

In der Schweiz bezeichnen wir jedes Gerät, das Papier zusammenheftet, als Bostitch. Doch ähnlich wie beim Taschentuch von Tempo, ist Bostitch nur eine Marke. Der Name leitet sich ab von «Boston wire stitcher», was übersetzt «Drahthefter» bedeutet. Dabei gibt es auch noch andere Marken wie Leitz oder Novus.

«Espresso Aha!»

«Espresso Aha!»

Jeden Montag beantwortet die Konsum-Sendung «Espresso» auf Radio SRF 1 in der Rubrik «Aha!» eine Frage aus dem Publikum. Haben auch Sie eine? Stellen Sie sie!

Jeder Hersteller empfiehlt seine eigenen Heftklammern zum Produkt. Eine Norm für Heftklammern gibt es in der Schweiz nicht, erklärt Beat Looser von der Schweizerischen Normenvereinigung: «Offenbar gab es bis jetzt keinen Bedarf einer Interessensgruppe, eine solche Norm einzuführen.»

Ausgediente Norm

Sowieso: Eine Norm ist nur eine freiwillige Empfehlung – es sei denn, sie ist gesetzlich vorgegeben. Jedes Land kann eigene Normen einführen. So kennt Japan beispielsweise eine Normierung für Heftklammern. Auch in Deutschland entwickelte sich ein Standard: die Heftklammer 24/6. Diese gab Drahtstärke und die sogenannte Beinlänge der Klammern vor.

Radio-Tipp für Montag

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Mehr dazu hören Sie am Montag um 08:10 Uhr auf Radio SRF 1.

Diese Norm hat heute jedoch ausgedient, denn in Deutschland werden keine Heftklammern mehr produziert. Dennoch orientieren sich viele Hersteller wie Novus oder Leitz noch an dieser Norm und verkaufen auch entsprechende Klammern in der Schweiz.

Keine Verkaufsstrategie

Doch hierzulande ist Bostitch der Star der Büroszene. Das meist rote oder schwarze Gerät ist omnipräsent und doch nie da, wenn man es sucht. Der 13 Zentimeter grosse Klassiker hat jedoch ein schmaleres Magazin als andere Produkte mit vergleichbarer Grösse. Deshalb passen nur die gewölbten Klammern des Herstellers in den Bostitch. Eine gerissene Marketingstrategie?
«Dies sind keine verkaufstechnischen Überlegungen», versichert Pascal Parraghy, Verkaufsleiter von Bostitch in der Schweiz, «diese Norm stammt aus den USA.»

Der Vertrieb von Bostitch fand während des 2. Weltkriegs in der Schweiz statt. Die deutschen Produkte seien damals in den Hintergrund geraten, so Parraghy. Später habe sich deshalb die Deutsche Norm hierzulande weniger verbreitet als die schmäleren Klammern von Bostitch.
Ob Verkaufsstrategie oder nicht: Unglücklich ist Bostitch darüber sicherlich nicht.

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