Warum Sie neue Kleider erst waschen sollten

Vor allem aus hygienischen Gründen empfehlen Textil-Experten gegenüber «Espresso Aha!», dass neue Kleider nicht gleich nach dem Kauf angezogen werden sollten. Besser sei es, Kleider zuerst zu waschen.

In den unendlichen Weiten des Internets finden sich allerlei Schauergeschichten über gefährliche Chemie-Rückstände in neuen Kleidern. Ein wahrer Chemiecocktail sei es, mit welchem die Stoffe während der Produktion behandelt würden.

Das sei zwar korrekt, sagt Andrea Hagmann von der Schweizerischen Textilfachschule STF. «Meines Erachtens sind jedoch Rückstände von unseren Waschmitteln und Weichspülern das grössere Problem – insbesondere für Allergiker.»

Dennoch sei es absolut empfehlenswert, neue Kleider vor dem ersten Tragen zu Waschen. «Das hat aber vor allem hygienische Gründe: Sie wissen ja nicht, wer vor Ihnen die Hose schon anprobiert hat oder durch wie viele Hände das T-Shirt schon gegangen ist.» Diese Einschätzung teilt auch das Zürcher Textilprüfungs-Unternehmen Testex.

Chemikalien: Nicht alle lassen sich auswaschen

Aber natürlich finden sich in Kleidern auch Rückstände von Chemikalien. Während der Produktion werden die Stoffe gebleicht, gefärbt, nachbehandelt – das kann Spuren hinterlassen und bei Personen mit entsprechenden Allergien gesundheitliche Probleme verursachen. «Wenn eine Textilfabrik aber sauber arbeitet, sollte ein Kleidungsstück kaum Rückstände aufweisen», sagt STF-Expertin Andrea Hagmann.

Während sich gewisse chemische Rückstände aus den Kleidern auswaschen lassen, sind andere fest mit den Fasern verbunden. Schwermetalle beispielsweise. Sie finden sich nicht nur in den Stoffen selbst, sondern auch in Aufdrucken.

Wer keine solchen Kleider kaufen möchte, kann beispielsweise auf Produkte aus Bio-Baumwolle zurückgreifen oder auf das Label «Oeko Tex Standard 100» achten («Textiles Vertrauen»).

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«Espresso Aha!»

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Jeden Montag beantwortet die Konsum-Sendung «Espresso» auf Radio SRF 1 in der Rubrik «Aha!» eine Frage aus dem Publikum. Haben auch Sie eine? Stellen Sie sie!

Dieses steht laut Testex für gesundheitlich unbedenkliche Kleidung. Wem zudem faire Herstellungsbedingungen wichtig sind, kann auf das Label «Global Organic Textile Standard» achten.

Behandelte Kleider verleiten zum Kauf

In unseren Kleidern setzen sich aber nicht nur heikle Stoffe aus Farben oder Bleichmitteln fest: Die Textil-Experten sprechen auch von «Ausrüstungs-Chemikalien». Das sind beispielsweise Stoffe, die ein Knittern der Wäsche verhindern («bügelfrei!»).

«Ausserdem hat es fast überall Weichmacher drin», sagt Andrea Hagmann. Sie sorgten dafür, dass sich die Wäsche im Laden angenehm und schön weich anfühle. Bestes Beispiel sei Frottee-Wäsche: «Bis ein Frottiertuch wirklich saugfähig ist, müssen Sie es mehrere Male waschen – das liegt am Weichmacher.»

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