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Legende: Audio «Espresso Aha!»: Was steckt im Couvert-Ableckstreifen? abspielen. Laufzeit 03:20 Minuten.
03:20 min, aus Espresso vom 27.05.2019.
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«Espresso Aha!» Was steckt im Couvert-Ableckstreifen?

Der Klebstreifen auf Couverts zum Ablecken ist ungiftig. Der Profi würde trotzdem nicht mit der Zunge dahinter.

«Ich lecke nicht an Gummierungen herum», erklärt Joachim Schulz im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Er ist Chemiker und Geschäftsführer der Firma Eukalin in Deutschland. 1904 vom Grossvater gegründet, ist Eukalin in der Herstellung von Spezialklebstoffen tätig. Seit Jahrzehnten arbeitet der Schweizer Couvert-Hersteller Elco mit Eukalin zusammen.

Die Verschlüsse zum Anfeuchten enthalten einerseits ein Produkt aus Kartoffelstärke: «So wie es zum Beispiel auch für Pudding verwendet wird.» Der süssliche Geschmack auf der Zunge komme von dieser Stärke: «Wenn man Kartoffelstärke erhitzt, baut sie sich immer mehr ab, die Ketten werden kleiner und am Schluss bleibt Zucker übrig», erklärt Chemiker Schulz den Prozess. Neben der Stärke sei in der Gummierung auch ein Polymer, ein Kunststoff enthalten: «Derselbe Kunststoff wird auch bei der Herstellung von Käserinden verwendet.» Bei Hartkäse zum Beispiel sei aussen rum ein Kunststoffüberzug. Beide Stoffe sind, wie gesagt, nicht giftig.

«Espresso Aha!»

«Espresso Aha!»

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«Wir sind nicht in der Lebensmittelproduktion»

Joachim Schulz würde die Couverts aber trotzdem nicht mit der Zunge ablecken, weil die Produktion eben nicht wie bei Lebensmitteln erfolge und keine hygienischen Vorschriften bestünden. Man könne entweder den Finger befeuchten und über den Klebstreifen fahren: «Ich selber nehme ein Schwämmchen oder ein Papiertaschentuch zum Anfeuchten.»

Verschluss zum Anfeuchten ist bei Massensendungen üblich

Dass die Couverts zum selber befeuchten für den privaten Gebrauch selten geworden sind, ist Tatsache. Immer mehr stehen uns Couverts mit Papierstreifen zum Abziehen zur Verfügung. Ganz anders im Massenversand. Deshalb sei auch der besagte Kunststoff im Leim enthalten, erklärt Fachmann Schulz. Die Massensendungen würden in der Maschine abgefüllt und verschlossen. Der Kunststoff helfe, dass die Couverts schneller kleben und schneller trocknen in der Maschine.

Gummi Arabicum war der teure Vorgänger

Ganz am Anfang habe sein Grossvater Gummi Arabicum verwendet für die Gummierung. Der Saft der subtropischen Pflanze wurde aber bald zu teuer. Eukalin-Geschäftsführer Joachim Schulz erinnert sich an eine Geschichte während des Zweiten Weltkriegs aus dem belagerten Leningrad: «Die Stadt wurde ja ausgehungert von den Deutschen. Trotzdem hat dort eine industrielle Produktion stattgefunden. Da haben die Menschen diese Stärkeklebstoffe entwendet und gegessen, verbotenerweise natürlich, aber sie hatten solchen Hunger.» Und wie wir wissen, lieferte der darin enthaltene Zucker tatsächlich ein paar Kalorien.

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