Tansania – Gewappnet gegen Ebola?

Wie schlecht es um das Gesundheitssystem vieler afrikanischer Länder bestellt ist, zeigte die Ebola-Epidemie. Haben bislang verschonte Staaten wie Tansania daraus gelernt?

Krankenhauspersonal in Schutzkleidung schiebt ein Bett durch den Gang. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wichtige Hygieneregeln kennen: Schon damit fängt die Vorbereitung auf Epidemien wie Ebola an. imago

Über 11‘000 Todesopfer hat Ebola in Liberia, Sierra Leone, Guinea, Nigeria, Mali und im Kongo bislang gefordert. Viele andere afrikanische Staaten blieben bislang verschont. Doch die Epidemie spielte sich sozusagen vor ihrer Haustür ab. Sind sie deshalb aber besonders gut vorbereitet auf einen möglichen Seuchenausbruch in ihrem Land?

Den ersten, den ich nach Ebola frage, ist Doktor Mzee Nassoro. Er ist leitender Arzt am Regionalspital der Stadt Dodoma in Tansania – die wichtigste Klinik in einer Region mit zwei Millionen Einwohnern. Doktor Nassoros Büro ist winzig, vollgestopft mit zwei abgewetzten Tischen und Regalen. Überall türmen sich Akten. An der Wand hängt ein Fernseher. Es läuft ein internationaler Nachrichtensender, Thema: Ebola. So hat sich auch Nassoro jeweils über den Stand der Epidemie informiert.

Bereit für Ebola?

4:24 min, aus Kontext vom 07.09.2015

«Wir haben immer am Fernseher verfolgt, was in Westafrika passiert, es kam ja auch ständig. Und das machen wir auch weiterhin», sagt er, und merkt kritisch an: «Ich denke, wir hätten besser damit umgehen können. Wir hatten hier andere Epidemien, mit denen uns das besser gelang – zum Beispiel die Rift-Valley-Fever-Epidemie im Jahr 2008 hier in der Region Dodoma.»

Ebola zu erkennen ist nicht leicht

Rift Valley Fever ist eine Viruserkrankung, die vor allem Kühe, Schafen und Ziegen befällt. Menschen können sich unter Umständen bei den Tieren anstecken, oder Mücken übertragen sie auf den Menschen, aber es gibt keine Ansteckung von Mensch zu Mensch. Die Sterblichkeit liegt bei einem Prozent, bei Ebola etwa bei 50. Rift Valley Fever ist damit kein Vergleich zu Ebola. Aber die tansanischen Behörden hätten Massnahmen ergriffen, sagt Mzee Nassoro: «Das Gesundheitsministerium hat persönliche Schutzkleidung für die Ärzte verteilt. Wir sind also vorbereitet.»

Die verteilten Schutzpakete enthalten auch einen Grundstock an Infusionslösungen für die Behandlung der Kranken. Tansania arbeitet mit der WHO zusammen, damit das Ebola-Virus entdeckt und nachgewiesen werden könnte. Es gibt ein Spezialteam und in der Provinz wurden die Ärzte geschult, wie sie sich im Ernstfall verhalten müssten.

Trotzdem bleiben viele Fragen. Zum Beispiel: Würde das Gesundheitspersonal in einer abgelegenen Region eine in der Gegend eher unbekannte Krankheit wie Ebola schnell genug erkennen?

Nur grosse Spitäler sind bereit

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Ebola-Erkrankung

Ebola-Erkrankung

Die zu den sogenannten hämorrhagischen Fiebern gehörende Ebola-Erkrankung wird durch ein Virus ausgelöst und ist hochansteckend. Sie kann durch jede Körperflüssigkeit wie Schweiss, Tränen oder Blut übertragen werden. Bis zu 90 Prozent der Krankheitsfälle verlaufen tödlich.

Der Infektiologe Emili Letang zweifelt daran. Letang kennt die Verhältnisse in Afrika, gegenwärtig arbeitet er in einem Regionalspital im Südosten von Tansania, zuvor war er mehrere Jahre in Moçambique. «Eine Klinik wie diese hier könnte Ebola oder andere neue Infektionskrankheiten nicht erkennen. Wahrscheinlich würde man es zuerst als eine Häufung von atypischen Malariafällen interpretieren. Nach einiger Zeit, wenn es gar viele Fälle wären, würde man Proben an das Nachweislabor schicken. Aber ich glaube nicht, dass das Gesundheitssystem in der Peripherie des Landes bereit ist, Ebola zu erkennen.»

Genau so begann die Ebola-Epidemie in Westafrika: Erste Fälle wurden unter Malaria verbucht. Auf dieses Problem angesprochen, erinnert sich Mzee Nassoro vom Regionalspital in Dodoma wiederum an den Beginn der Rift Valley Fever Epidemie: «Manche Symptome sind ähnlich wie bei einer Hirnhautentzündung oder Malaria. Bevor wir damals merkten, um welche Krankheit es sich tatsächlich handelte, verloren wir einige Patienten.» Wertvolle Zeit bis zur Diagnose geht so verloren – und eine ansteckende Krankheit hätte Zeit, sich auszubreiten.

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