Mit Gesten besser lernen

«Multisensorisch» fällt das Lernen leichter: Zu diesem Ergebnis kommt eine empirische Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften. Wer beispielsweise Vokabeln büffelt und dazu die passenden Gesten macht, prägt sich die neuen Wörter besser ein.

Silhouette einer gestikulierenden Frau vor farbigem Hintergrund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Für einen optimalen Lernerfolg ist voller Körpereinsatz gefragt. imago

Am besten lässt sich eine Fremdsprache im entsprechenden Sprachraum lernen. Wenn das keine Option ist, bleibt nur das ungeliebte Vokabelnbüffeln. Immerhin haben deutsche Forschereine praktische Methode gefunden, um diese Fleissaufgabe noch erfolgreicher zu gestalten: Wer zu einem Begriff eine passende Hand- oder Körperbewegung macht, dem prägt er sich besser ein.

Zu diesem Ergebnis ist jedenfalls eine Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften gekommen. Studienleiterin Katharina von Kriegstein: «Das längere Behalten war besser, als wenn man die Wörter nur gehört hatte oder sie mithilfe von Bildern gelernt hatte.» Die zum gelernten Begriff gehörige Geste aktiviert das Bewegungsareal im Gehirn, und vermutlich gelte: Je mehr Sinne beim Lernen eingesetzt werden, desto besser. Wobei sich der Bewegungssinn beim «multisensorischen Lernen» als der Wirksamste erwies.

Versuch mit erfundener Kunstsprache

Um dies zu testen, hatte die Forschergruppe eigens eine neue Kunstsprache erfunden, die keiner der Testpersonen geläufig war. Ein Drittel der Probanden unterstützte das Erlernen der Vokabeln mit selbst gezeichneten Bildern. Ein Drittel nutzte dafür eigene Gesten und Bewegungen. Der Rest machte die Gesten einer Lehrperson nach und versuchte sich die Wörter so zu merken.

Bei den Gesten war voller Körpereinsatz gefordert: «‹Petersilie› wurde beispielsweise gelernt, indem man beide Hände hin und her geschüttelt hat», erklärt Katharina von Kriegstein. «Bei ‹Fahrrad› wurden die Hände gehalten, als ob man den Lenker fasst, während mit den Beinen gestrampelt wurde.» So liessen sich auch abstrakte Begriffe darstellen: Für «Gedanke» tippt man sich beispielsweise an den Kopf und schaut nach oben.

Eigene Gesten wirken am stärksten

Das Ergebnis des Versuchs: Klar am besten schnitt die Gruppe ab, die sich die Kunstwörter mithilfe eigener Bewegungen einprägten. Beim Gesten-Frontalunterricht durch eine Lehrperson oder beim begleitenden Zeichnen fiel das Ergebnis deutlich schlechter aus.

Denkbarer Zusatznutzen der Methode: Wer sich ein Wort trotzdem partout nicht merken kann, erinnert sich wahrscheinlich noch an die zugehörige Geste – und kann sich zur Not mit Händen und Füssen verständlich machen...

Videos: Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften