Was hat die Eiskübel-Aktion in der Schweiz gebracht?

Mit der «Ice Bucket Challenge» wurde rund um die Welt Geld für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS gesammelt. Nun sollte es wieder losgehen mit den Eiskübel-Videos, doch der Aufruf verhallt hierzulande ungehört. Die lokalen ALS-Organisationen sind trotzdem nicht unzufrieden.

Vier Männer in Anzügen übergiessen sich mit Eiswasser aus Kübeln Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dem guten Zweck wurden 2014 auch gute Anzüge geopfert. imago

2014 hat die Ice Bucket Challenge, die «Eiskübel-Herausforderung», einen regelrechten Medienhype ausgelöst. Ihren Anfang nahm sie in den USA, und den sozialen Medien sei Dank wurde bald überall über mehr oder weniger Prominente berichtet, die sich einen Kübel Eiswasser über den Kopf geschüttet und Geld für die Bekämpfung der unheilbaren Nervenkrankheit ALS gespendet haben.

Anfang August hat die amerikanische ALS Association zu einer weiteren Ice Bucket Challenge aufgerufen, mit dem Ziel, die Aktion jedes Jahr zu dieser Zeit durchzuführen. Hierzulande ohne Erfolg: Auf Facebook & Co. waren keine Schweizer Eiskübelkipper mehr auszumachen.

Während der Aktion deutlich mehr Spendengelder

Die Schweizer Organisationen, die sich den Kampf gegen die Amyotrophe Lateralsklerose auf die Fahne geschrieben haben, mögen trotzdem nicht klagen, denn die letztjährige Aktion hat ihnen viel Publizität und zusätzliche Spendengelder beschert.

Dr. Thomas Stucki, Medienverantwortlicher des Vereins ALS Schweiz, staunt darüber heute noch: «Das hat uns wirklich sehr überrascht: Da sind innerhalb weniger Wochen um die 100‘000 Franken zusammengekommen – ein Fünftel der Spenden, die wir sonst im ganzen Jahr bekommen!» Nach dem Abflauen des Medienhypes ist der Geldfluss allerdings auch ziemlich schnell wieder abgeebbt.

Weniger konkret äussert sich Tina Bernstein, Geschäftsführerin der ALS Stiftung Schweiz, zu den finanziellen Auswirkungen der Aktion: «Das lässt sich relativ schwer messen, weil ja nicht jeder einzelne Spendeneingang mit ‹Ice Buckett Challenge› vermerkt war. Man konnte einfach merken, dass in diesem Zeitfenster ein erhöhtes Spendenaufkommen da war.»

Für Forschung und Betroffene

Die zusätzlichen Mittel sind vor allem in die Forschung geflossen, insbesondere in das internationale Foschungsprojekt «MinE», das nach den Ursachen von ALS sucht. Auch vom Verein ALS Schweiz hat das Projekt Geld bekommen, gut die Hälfte der zusätlichen Spendengelder. «Die andere Hälfte lassen wir Direktbetroffenen und ihren Familien zukommen, wo es gerade benötigt wird», erklärt Thomas Stucki.

Die Krankheit ALS ist nach wie vor unheilbar, und sie schreitet schnell voran. Oft führt sie innert drei bis fünf Jahren zum Tod. In dieser Zeit geht es den Betroffenen schnell schlechter, und sie sind zum Beispiel auf Geh- oder Atemhilfen angewiesen. Bis die IV zahlt, benötigen die Patienten meist schon ein anderes Hilfsmittel. Hier springt der Verein ALS Schweiz ein.

Viel mehr Aufmerksamkeit

Die Ice Bucket Challenge hat den Organisationen also hochwillkommenes Geld eingebracht. Sie hatte aber auch positive Effekte, die sich mit Geld nicht aufwiegen lassen: «Es war wirklich auffällig, wie viele Leute zum ersten Mal von ALS gehört haben. Das war so früher nie der Fall», betont Thomas Stucki.

Dass in der öffentlichen Wahrnehmung etwas hängen geblieben ist, merkt auch Tina Bernstein: «Da werden zum Beispiel Veranstaltungen auf die Beine gestellt, wo für ALS Geld gesammelt wird. Das ist ein schöner Nebeneffekt, der von der Challenge geblieben ist», freut sich die Geschäftsführerin der ALS Stiftung Schweiz.