Zum Inhalt springen

Header

Video
Forscher lassen gelähmte Ratten laufen
Aus Puls vom 26.09.2014.
abspielen
Inhalt

Forschung Wieder gehen – Der Traum aller Gelähmten rückt näher

Lausanner Forscher lassen gelähmte Ratten mit elektrischen Reizen wieder gehen und sogar Hindernisse und Treppen überwinden. Die Wissenschaftler hoffen auf baldige Tests mit menschlichen Patienten.

Bei Querschnittlähmungen ist ein Teil des Rückenmarks durchtrennt. Die Reizleitung vom Gehirn in die Beine ist dadurch unterbrochen: Die Beine, rein funktional noch gesund, lassen sich nicht mehr bewegen.

Dieses Problem umgingen Lausanner Forscher jetzt an gelähmten Ratten. «Wir haben volle Kontrolle über die Hinterbeine der Ratten», sagt Neurowissenschaftler Grégoire Courtine von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, Link öffnet in einem neuen Fenster (EPFL).

«Sie haben keinerlei willentliche Kontrolle über ihre Gliedmassen, aber das durchtrennte Rückenmark kann reaktiviert und stimuliert werden, um einen natürlichen Gang auszulösen. Wir können in Echtzeit steuern, wie sich die Ratten vorwärtsbewegen und wie hoch sie ihre Beine heben.»

Eine Laborratte in einem Tragegestell läuft auf den Hinterbeinen eine Treppe hoch.
Legende: Mit elektrischer Stimulation können die Glieder einer gelähmten Ratte gezielt bewegt werden. EPFL

Je mehr Strom, desto höher das Bein

Die Wissenschaftler untersuchten Ratten, deren Rückenmark auf halber Rückenhöhe vollständig durchtrennt war. Die Signale aus dem Gehirn erreichten den unteren Teil der Wirbelsäule also nicht mehr. Dort implantierten sie anschliessend elastische Elektroden und stimulierten sie elektrisch.

Die Forscher stellten fest: Wie hoch die Ratten ihre Beine anheben, hängt von der Stromfrequenz ab. Nach einer zusätzlichen Analyse des Gangs der Ratten gestalteten sie die elektrischen Reize so, dass sich die Gehbewegungen der Ratten an auftauchende Hindernisse und Treppen anpassten.

«Wir sind überzeugt, dass diese Technologie eines Tages die Lebensqualität von Menschen mit neurologischen Erkrankungen deutlich steigern könnte», sagt Mitautor und Neuroingenieur Silvestro Micera. Courtine und Micera gehen gemeinsam mit ihren Kollegen am EPFL-Zentrum noch einen Schritt weiter: Sie prüfen auch die Möglichkeit, vom Hirn ans Bein gesendete Signale zu entschlüsseln und diese Information zur Stimulation des Rückenmarks zu nutzen.

Patiententests in Sicht

Bereits nächsten Sommer könnten die neuen Erkenntnisse an Patienten getestet werden. Sie werden dann aufs Laufband gehen, wo sie an einem Aufhängesystem befestigt sind. 14 Infrarotkameras peilen reflektierende Markierungen am Körper des Patienten an, zwei Videokameras zeichnen die Bewegungen auf.

All dies generiert grosse Mengen an Daten über Bein- und Körperbewegungen. Diese Informationen können für eine umfassende Überwachung und Feineinstellung der Geräte vollständig synchronisiert werden, um so beim Patienten eine intelligente Unterstützung und eine anpassungsfähige elektrische Rückenmarkstimulierung zu erzielen.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Davd Hauser , Bern
    @Florian: Wenn Sie einen Sohn hätten, der im Rollstuhl sitzt, würden Sie die Situation vielleicht anders beurteilen. Ich bin auch für Tierethik. Aber es ist auch immer noch erlaubt, Ratten mit einer Falle zu töten. Welche Ethik ist das denn? Vom Versuch verspechen sich immerhin viele Menschen, dass ihnen etwas wunderbares wieder geschenkt wird. Es ist halt immer ein abwägen.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Florian Hürlimann , Zürich
    Ist es nicht krank, unschuldige Tiere zu behindern und dann wieder "aufzupäppeln"? Welche bescheuerte Ethik-Kommission hat das nur gutgeheissen? Unter den Stichwörtern "Wissenschaft" und "menschliche Lebensqualität" darf man wohl alles... Traurig!
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Georg Bossard , Oftringen
      Wären Sie nicht auch froh, wenn Ihnen geholfen werden könnte, wenn Sie einmal gelähmt wären? Haben Sie noch nie ein Medikament eingenommen? (Dieses wurde mit grosser Wahrscheinlichkeit auch an Tieren getestet um Sie zu schützen!)
    2. Antwort von André Dolezal , Uetikon am See
      Wenn Sie gelähmt wären, würden Sie wahrscheinlich anderst denken.
    3. Antwort von KopfBenützer , Thurgau
      @Florian Hürlimann: Solange sich der Mensch weiterhin als Krone der Schöpfung sieht wird sich daran leider auch nichts ändern. :-(
    4. Antwort von André Dolezal , Uetikon am See
      @KopfBenützer: Genau, die Ratten sollten gleiche Rechte haben wie Menschen. Also schicken wir sie alle in die Schule, denn Ratten können noch nicht so gut Schreiben und Rechnen. Und alle in der Schweiz lebende Ratten müssen im Kindergarten Mundart lernen ;-)
    5. Antwort von R.Gfeller , Bern
      Die Rattenfreunde hier könnten sich ja freiwillig melden, damit direkt am Menschen geforscht werden kann. Wie bei den Organspenden: Ein Organ spenden, nein danke. Ein Spenderorgan erhalten, selbstverständlich. Schon mal daran gedacht, dass ohne Mäusebekämpfung die Landwirtschaft riesige Ernteausfälle hätte? Unter dem Stichwort "Tierschutz" darf man wohl nichts mehr... Traurig!