Ultraschall gegen Prostatakrebs

Bei klassischen Therapien gegen Prostatakrebs drohen oft Potenz- und Kontinenzstörungen. Neuerdings operiert das Universitätsspital Zürich mit einer neuen Methode, die weniger Komplikationen verspricht. Verlässliche Daten stehen noch aus – dennoch sehen Ärzte grosses Potenzial in der Therapie.

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Mit HIFU gegen den Tumor

6:13 min, aus Puls vom 10.11.2014

Bis heute wurden knapp 20 Patienten mit der neuen Methode behandelt. Am Universitätsspital Zürich, wo die Behandlungen durchgeführt wurden, verspricht man sich einiges von der Therapie namens HIFU (High Intensity Focused Ultrasound). «Wir glauben, dass diese Methode gewaltiges Potenzial hat. Studien haben gezeigt, dass die Gefahr von Nebenwirkungen kleiner sind als bei bisherigen Behandlungen», sagt der Urologe Daniel Eberli.

Grosses Potenzial

Der Eingriff findet hauptsächlich vor dem Bildschirm statt. Bei der Methode führt der Arzt einen Hightech-Stab in den Enddarm hinein. Mit einem zuvor erstellten MRT-Bild und dem Ultraschall des HIFU-Gerätes entsteht ein 3D-Bild der Prostata. Präzise bestimmt der Arzt so die Position der Krebszellen.

Gebündelte Schallwellen erhitzen dann die markierten Stellen auf 80 Grad Celsius, bis das entartete Gewebe verbrannt ist.

«Wir können eine Fläche im Körper zerstören, die ein bisschen grösser ist als ein Reiskorn, und mit einem Zielmechanismus den Konturen des Krebses nachfahren, ohne heikle Stellen zu verletzen», erklärt Daniel Eberli den Vorteil der neuen Methode. Mit heiklen Stellen meint der Arzt die Nervenbündel und die Harnröhre. Kommen diese zu Schaden, treten beim Patienten oft Nebenwirkungen wie Erektionsstörungen oder Komplikationen mit der Urinkontrolle auf.

Klassische Therapien

Die Nebenwirkungen sind bei den klassischen Behandlungsmethoden berüchtigt. Nach der operativen Entfernung der Prostata leiden bis zu vierzig Prozent an Potenzstörungen. Und bis zu zwanzig Prozent der Patienten können Probleme mit dem Urinieren bekommen.

Dafür gilt die Operation als die Methode mit den besten Heilungschancen. Auch bei anderen Methoden wie der radiologischen Bestrahlung von innen oder von aussen besteht langfristig ein Risiko für die genannten Nebenwirkungen.

Die neue HIFU-Methode könnte hier eine Alternative bieten, da man hofft, dass die Therapie weniger Nebenwirkungen verursacht. Wichtig sei, dass den Patienten bewusst ist, dass sie in einer kontinuierlichen Studie verfolgt würden, sagt der Urologe Eberli. Man müsse jetzt in dieser Anfangsphase ganz genau beobachten, wie sich die Krankheit nach der Behandlung entwickle, denn neue Methoden seien nicht ohne Risiken. Und der Urologe warnt auch deutlich, dass erst mit Langzeitdaten verlässliche Aussagen möglich seien – und die stünden bei der jungen Methode noch aus.

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