Kleine Massnahmen helfen gegen Garten-Verletzungen

Der Frühling lockt die Hobby-Gärtner ins Freie. Wer seinen Garten ohne böse Überraschungen in Schuss bringen will, kann bei der Gartenarbeit mit kleinen Massnahmen vorbeugen. «Puls» hat Notfallmediziner Beat Lehmann in seinem eigenen Garten über die Schulter geschaut.

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Risiken beim Gärtnern

5:27 min, aus Puls vom 2.5.2016

Der eigene Garten ist für viele Hobby-Gärtner ein Rückzugsort, an dem man ideal vom Arbeitsalltag abschalten kann. Die kreative und körperliche Aktivität hat allerdings auch ihre Schattenseiten: Jährlich ereignen sich in der Schweiz um die 15'000 Unfälle.

Es sind vor allem mangelnde Routine, ungeeignete Ausrüstung, Bequemlichkeit, Zeitnot oder Müdigkeit, die bei der Gartenarbeiten zu Verletzungen führen.

Stürze, Misstritte, Augenverletzungen

Das Notfallzentrum am Inselspital in Bern hat die behandelten Gartenunfälle 2012 bis 2016 systematisch erfasst. In den fünf Jahren konnten 257 Verletzungen eindeutig einem «Garten-Ereignis» zugeordnet werden – im Schnitt behandelt die Notfallstation am Inselspital also einen Gartenunfall pro Woche.

Nebst Stürzen und Misstritten – in vielen Fällen wegen schlechtem Schuhwerk oder unter Alkoholeinfluss – sind Augenverletzungen am häufigsten. «Augenverletzungen sind dann ein Problem, wenn der Schmerz intensiv ist und vor allem auch, wenn der Schmerz länger als eine Stunde anhält.» erklärt Beat Lehmann, Leiter der Notfallstation am Inselspital, und ergänzt: «Bei grossen und schweren Läsionen entsteht ein anhaltender Schmerz, und der Betroffene verspürt ein Fremdkörpergefühl, das sehr unangenehm ist.» Eine solche Verletzung gehört immer in die Hände von Spezialisten.

Selten lebensbedrohlich sind Stiche von Bienen und Wespen. In der Schweiz leiden rund vier Prozent der Bevölkerung an einer Insektengiftallergie. Bei ihnen kann es nach einem Stich zu einer allergischen Reaktion und innerhalb von Minuten bis spätestens nach einer Stunde zu Symptomen kommen. Diese reichen von lokalen Schwellungen über Juckreiz, Nesselfieber, Erbrechen, Atemnot, Herzrasen, Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit bis hin zu Atemstillstand und Herz-Kreislauf-Kollaps.

Bei nicht allergischen Personen können Stiche im Mund- oder Rachenraum zu lebensgefährlichen Schwellungen führen. Ansonsten treten erst bei 50 Stichen und mehr ernsthafte Beschwerden auf.

Gutes Schuhwerk und Gartenhandschuhe

Obwohl in der Gartenerde unzählige Keime leben, führen Infektionen mit Bakterien, Parasiten und Pilssporen nur selten zu Problemen. Notfallmediziner Beat Lehmann gibt deshalb Entwarnung: «Die allermeisten Gartenverletzungen wie Kratzer und Schnitte sind harmlos. Mit normale Massnahmen wie gründlichem Waschen der Wunde mit Wasser und desinfizieren bekommt man die Verletzung gut in den Griff.»

Der Fachmann empfiehlt die regelmässige Auffrischung der Tetanus-Impfung und das Beobachten einer frischen Wunde. «Wenn sich eine Verletzung stark rötet, wenn die Schmerzen plötzlich zunehmen oder wenn die Wunde pulsiert, dann gehört man zum Arzt», weil dann die Gefahr einer Infektion bestehe, erklärt Beat Lehmann. Vor allem wenn Fremdkörper wie Dornen, Steine oder Holzspäne in der Wunde stecken, sei Vorsicht geboten.

«So ein Fremdkörper stört die normale Wundsekretion, das heisst, dass die Keime nicht mehr aus der Wunde geschwemmt werden und in der Wunde einen idealen Nährboden finden und sich ungehindert vermehren können.» Das Tragen von Garten-Handschuhen beuge solchen Infektionen natürlich ideal vor.

Ansonsten trägt auch der Hobby-Gärtner und Notfallmediziner keine weitere Spezialausrüstung.

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