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Alltag & Umwelt Lästige Eiszeit im Winterschuh – was tun?

Sie sind äusserst unangenehm: Eisfüsse. Ob am Weihnachtsmarkt, ob im Lauberhorn-Zielraum oder beim Après-Ski an der Schneebar – steht man im Winter längere Zeit an Ort und Stelle werden Zehen und Füsse oft klamm. Verantwortlich dafür sind verengte Blutgefässe.

Legende: Video Kalte Füsse – Was für wohlige Wärme sorgt abspielen. Laufzeit 05:52 Minuten.
Aus Puls vom 08.01.2018.

Auf der Prodalp bei Flumserberg trifft man sich im Winter: Skifahrer, Snowboarder, Schlittler, Schneeschuhläufer und Winterwanderer. Hier kreuzen sich die Wege fast aller Wintersportler. Wer mit viel Körpereinsatz seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht, hat warm und zwar von Kopf bis Fuss. Denn Bewegung produziert Wärme.

Auf dem Sessellift, bei der Pause am Pistenrand oder beim Sitzen oder Stehen an der Skibar dauert es aber meistens nicht sehr lang und Zehen und Füsse werden unangenehm klamm. Dass Bewegungsmangel im Winter unsere Extremitäten draussen kalt werden lässt, macht physiologisch gesehen durchaus Sinn, weiss Ernst Gröchenig, Gefässspezialist am Kantonsspital Aarau: «Der Körper ist immer bestrebt, die Körperkerntemperatur von rund 37 Grad Celsius unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Ist es kalt, wird zuerst Wärme aus den weniger wichtigen Organbereichen zum Körperkern hin abgezogen.» Deshalb frieren wir zuerst an Füssen und Händen, an Nase, Ohren und Gesicht.

Frauen frieren schneller

Dass Frauen schneller und häufiger kalt haben als Männer, ist übrigens kein Mythos, sondern durchaus erklärbar. «Muskeln produzieren Wärme. Je mehr Muskeln eine Person hat, umso mehr eigene Wärme produziert sie und das macht den Unterschied», erläutert der Gefässspezialist. «Frauen haben generell weniger Muskelmasse als Männer und frieren deshalb stärker und schneller.»

Aber auch die im Vergleich zu einem Mann relativ dünne Haut der Frau macht einen Unterschied für das stärkere Kälteempfinden. Die männliche Oberhaut ist dicker als die weibliche. Bei drohendem Wärmeverlust verengen sich die Blutgefässe und die Durchblutung der Haut wird zurückgenommen, was bei dünner Haut leichter als bei dicker Haut funktioniert.

Trotzdem sind natürlich auch Männer nicht gefeit vor kalten Füssen.

Was tun gegen kalte Füsse?

  • Wärme geht beim Kontakt mit einer kalten Oberfläche – wie Schnee zum Beispiel – verloren. Hier hilft Isolation. Das empfiehlt auch Ernst Gröchenig: «Wer Marktverkäufer beobachtet, sieht, dass sie häufig auf Holzbrettern, Pappkarton oder Styroporplatten stehen.» Je dicker die Sohle, desto besser funktioniert die Isolation natürlich auch beim Schuhwerk.
  • «Druck auf die Blutgefässe fördert kalte Füsse», erklärt der Gefässspezialist weiter. «Zu enge Schuhe oder einschneidende Socken stören die Mikrozirkulation der feinen Blutgefässe und hemmen die Durchblutung, was vermieden werden sollte.» Winterschuhe kann man durchaus eine Nummer grösser kaufen. Das lässt auch Platz für das beliebte Zwiebelschalenprinzip – zwei Socken übereinander angezogen halten auch Füsse besser warm. Wer zusätzlich mit Wärmekissen, Thermosohlen oder Heizsystemen nachhilft, ist auf der ganz sicheren Seite und bringt dann wohl fast den Schnee zum Schmelzen.
  • Wind und Nässe fördern kalte Füsse, da sie Wärme effizient abtransportieren – das bekannte Wind-Chill-Phänomen. Nasse Schuhe und Socken – auch durch starkes Schwitzen – also möglichst vermeiden und sich an der Skibar idealerweise an eine windgeschützte Ecke stellen.
  • Auch Zehengymnastik hilft bei kalten Füssen. «Besser ist aber, wenn man die Zehen immer wieder mal bewegt, bevor sie schon kalt sind», rät Arzt Ernst Gröchenig, «bei bereits erkalteten Füssen dauert es viel länger, bis die Durchblutung wieder in Schwung kommt und sich das Wärmegefühl wiedereinstellt.»
  • Kälte besser zu ertragen, ist auch trainierbar. Die kalte Dusche am Morgen hört sich zwar nach Folter an, sie verändert aber tatsächlich das Kälteempfinden. Dazu Ernst Gröchenig: «Ich würde das schon Monate vor der Wintersaison zur Lebensgewohnheit machen. Einmal am Morgen vor dem Skitag bringt natürlich nichts, das muss man schon über längere Zeit machen, um einen Effekt zu haben.»
  • Beim Erwachsenen ist der Kopf mit etwa zehn Prozent am Wärmeaustausch beteiligt. Mützenträger tun also im kleinen Rahmen auch etwas für warme Füsse.
  • Fettende Kälteschutzsalben versiegeln und isolieren die Haut gegen Kälte. Allerdings neigen die Füsse dann eher zum Schwitzen. Vor Wärmecremes rät der Gefässspezialist hingegen konsequent ab: «Wärmecremes erzeugen zwar subjektiv ein Wärmegefühl, da sie aber zur Erweiterung der Gefässe führen, ziehen sie in Wirklichkeit Wärme ab.» Um die Körperkerntemperatur zu schützen, verengt der Körper bei Kälte reflexartig die Gefässe. Wird dieser Reflex gestört, hat man schlussendlich einen kontraproduktiven Effekt.

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