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Lifestyle Der Kalorienschwindel

Jeder weiss inzwischen, dass die Kalorienangaben auf Lebensmitteln angeben, wie gehaltvoll sie sind. Aber wie entstehen diese Werte – und wie aussagekräftig sind sie?

Auf einem Teller ist aus Russisch Brot das Wort "Kalorie" gebildet.
Legende: Kalorien – oder besser Kilokalorien – sind ein Wert, der bei genauer Betrachtung wenig aussagekräftig ist. imago

Um den Nährwert eines Lebensmittels zu bestimmen, kommt ein Bombenkalorimeter zum Einsatz. Dazu werden die Lebensmittel in Pillenform gepresst und ein Zünddraht angebracht. Dann wir die Lebensmittelprobe unter Sauerstoffüberdruck in einer Brennkammer durch den Glühdraht verbrannt. Um den Stahlmantel der Brennkammer ist Wasser, das durch die Verbrennung erwärmt wird. Eine Kalorie ist dann der Wert, den es braucht, um ein Gramm Wasser um ein Grad zu erwärmen. Eine Kalorie gibt also den Brennwert an.

Doch der ist an sich für den Körper völlig unbedeutend – er lässt sich ja beispielsweise auch für Holz bestimmen. Und der Organismus des Menschen funktioniert nun einmal nicht wie ein Ofen. Deshalb hat man versucht, das Ergebnis für den Menschen brauchbarer zu gestalten, beispielsweise, indem man Ballaststoffe herausgerechnet hat, die ja – so die ursprüngliche Annahme – an sich keinen Nährwert haben, weil sie unverdaulich sind und wieder ausgeschieden werden. Doch neuere Erkenntnisse zeigten: Aus den Ballaststoffen entstehen im Darm kurzkettige Fettsäuren, die sehr wohl Energie liefern.

Kilokalorien als vager Richtwert

Alternativ begann man, den Kohlenhydrat-, Eiweiss- und Fettgehalt getrennt voneinander zu ermitteln und dann zu addieren. Doch auch das erwies sich nicht als praktikabel.

Zudem ist kein Lebensmittel genau wie das andere – ein Apfel der gleichen Sorte kann süsser sein als ein anderer, und hat damit rein rechnerisch auch einen anderen Kaloriengehalt. Und auch die Ausgangstemperatur eines Lebensmittels würde genau genommen in der Kalorienbestimmung via Kalorimeter eine Rolle spielen.

Kurzum: Der gemessene im Bombenkalorimeter ermittelte Kaloriengehalt entspricht nicht unbedingt der Verwertung im Körper – und ist deshalb ein mehr als vager Richtwert im Zusammenhang mit dem menschlichen Organismus. Aber einer, gegen den sich bislang keine bessere Alternative durchsetzen konnte.

Energiebedarf

Eine Kilokalorie entspricht 4,1868 Kilojoule – die Einheit, die Experten statt Kilokalorien verwenden. Wie hoch der Kalorienbedarf eines Erwachsenen ist, hängt von Alter, Tätigkeit und Geschlecht ab und rangiert zwischen 2000 und etwa 3000 Kilokalorien. Aktive Hochleistungssportler können aber unter Umständen auch die doppelte Menge brauchen.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Nicola Harrison, Nussbaumen
    Elektronen sind der Funke des Lebens, nicht Kalorien. Zucker ist ein Restprodukt des Stoffwechsels und Zersetzung von Materie und NICHT ein Kraftstoff für Energie. Der Körper läuft über Elektronen NICHT Zucker. Das Gehirn ist elektrisch und nicht chemisch. Das Herz ist elektrisch, NICHT chemisch. Die Organe sind elektrisch NICHT chemisch. Der Körper läuft aufgrund Elektronen, transportiert über ein Matrix von Salzionen.
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    1. Antwort von EL, aus V
      Schon mal was von einer chemischen Synapse gehört? Bisschen zu simpel Ihre Statements...
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  • Kommentar von Michel Meili, Läufelfingen
    Leider werden oft Kilokalorien als Kalorien bezeichnet, so auch in diesem Artikel. Bitte um etwas mehr Genauigkeit, es geht schließlich um den Faktor 1000!
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    1. Antwort von
      Da haben Sie prinzipiell Recht, nicht aber in diesem Fall: Hier geht es darum, zu erklären, wie eine Kalorie berechnet wird. Das hat noch nichts mit der später fälschlicherweise oft verwendeten Bezeichnung Kalorie statt Kilokalorie zu tun. Wie Sie in der Box zum empfohlenen Tagesbedarf lesen: Wir unterscheiden zwischen Kalorie und Kilokalorie!
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    2. Antwort von physiker, Würenlingen
      Michel Meili's Einwand ist berechtigt. Genauso falsch ist die Aussage "Eine Kalorie ist dann der Wert, den es braucht, um einen Liter Wasser um ein Grad zu erwärmen". Um 1 Liter Wasser um 1 Grad zu erwärmen braucht es 4.187 kJ = 1 Kilokalorie = 1000 Kalorien.
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    3. Antwort von
      Vielen Dank, jetzt ist Ihre - berechtigte - Kritik klar! Es hat sich fälschlicherweise ein Liter Wasser eingeschlichen. Gemeint war: ein Gramm. Der Fehler ist korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis!
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    4. Antwort von M. Bolder, Muhen
      Mich würde in diesem Zusammenhang eh freuen, wenn wir die Kalorie sterben lassen und stattdessen nur noch Joule und Kilojoule verwenden würden, wie diese im Internationalen Einheitensystem schon lange vorgesehen ist. Man kann sich nicht auf der einen Seite über das angloamerikanische Masssystem (mit Meilen, Inch, Unzen und Co.) ärgern und auf der anderen Seite an Kalorien und PS festhalten, als wären diese eine heilige Kuh.
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