Snus – Die legale Eishockey-Droge

Mit dem Start der Eishockey-Saison ist auch der von Schwedischen Spielern in die Schweizer Liga importierte Mundtabak wieder «in aller Munde». Die Alternative zur Zigarette ist beliebt, aber nicht ohne Risiken.

Eishockeyspieler vor einer Dose mit Snus-Säckchen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Snus erfreut sich besonders in Eishockey-Kreisen grosser Beliebtheit. Colourbox

Rauchende Spitzensportler: ein Bild mit Seltenheitswert. Das heisst aber nicht, dass Nikotin im Sport keine Rolle spielen würde – es wird bloss anders konsumiert. Zum Beispiel in Form von Tabak, der in Säckchen oder zur Kugel geknetet hinter die Oberlippe geklemmt wird. Dort gelangt das Nikotin über die Mundschleimhaut direkt ins Blut und entfaltet seine stimulierende Wirkung.

Nikotin macht wacher, erhöht die Aufmerksamkeit und beschleunigt den Kreislauf. Wie viele Sportler auf das legale Aufputschmittel setzen, zeigt eine 2011 veröffentlichte Studie von Lausanner Dopingforschern: In nicht weniger als 43 Sportarten konnten sie Nikotingebrauch vor und/oder während Wettkämpfen nachweisen. Die Welt-Antidoping-Agentur WADA trägt sich denn auch schon seit Jahren mit dem Gedanken, die Substanz auf die Dopingliste zu setzen.

Mindestens die Hälfte aller Spieler snust

Da dies (noch) nicht der Fall ist, erfreut sich «Snus», so der Name des eingangs erwähnten Mundtabaks, anhaltender Beliebtheit – besonders in Eishockeykreisen. Urin-Proben lassen sogar darauf schliessen, dass mindestens die Hälfte aller Spieler regelmässig snust. «Gewisse Spieler und sogar Trainer machen das schon seit Jahren», weiss Jean-Claude Küttel, Teamarzt der Hockey-Nationalmannschaft und der Kloten Flyers. Und beobachtet dies mit gemischten Gefühlen. «Das gehört inzwischen einfach zum Sport und lässt sich wahrscheinlich nicht einfach mit einem Federstrich wieder rückgängig machen.»

Weil das Nikotin beim Snusen nicht rauchend aufgenommen wird, halten viele den Mundtabak für harmlos. Das Risiko für Lungenkrebs werde wohl tatsächlich kleiner sein, glaubt Michael Bornstein von der Klinik für Oral-Chirurgie an der Universität Bern, «aber gesund ist es deswegen noch lange nicht.» So bestehe bei langjährigem Snus-Konsum zum Beispiel ein Risiko für Mundkrebs.

Dass Snusen die Leute vom weit schädlicheren Rauchen abhalte, ist eine weitere verbreitete Ansicht. «In Schweden hat es die wenigsten Raucher und die meisten Snuser», weiss Sportarzt Küttel. «Man sagt dort, dass dank Snus sehr viele Männer aufgehört haben zu rauchen oder gar nicht erst damit beginnen.» Dem hält Chirurg Bornstein entgegen: «Es gibt auch Studien, die zeigen, dass Snus eine Einstiegsdroge ist. Und ein Problem ist bei beiden Konsumformen dasselbe: die Nikotin-Abhängigkeit.»