Glücklich im Moment

Ganz in einer Aufgabe aufgehen und alles um sich herum vergessen. Das Phänomen hat einen Namen: «Flow».

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Flow

2:58 min, aus 100 Sekunden Wissen vom 22.01.2016

«Flow» stammt aus dem Englischen und bedeutet «fliessen». Und tatsächlich befindet man sich bei diesem vorübergehenden Geisteszustand in einer Art mentalem Fluss. Es ist ein Zustand völliger Vertiefung und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit. Man vergisst die Welt um sich herum, man vergisst sich selber, und auch das Zeitgefühl verschwindet.

Der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi gilt als Schöpfer der Flow-Theorie. Er dokumentierte solche fliessenden Geisteszustände vor allem bei Menschen in Extremsituationen. Chirurgen oder Extremsportler, aber auch Bühnenmusiker und Theaterschauspieler haben davon berichtet. Der Forscher fand heraus, dass der «Flow» am ehesten dann eintritt, wenn man sich bei einem komplexen Geschehen auf dem schmalen Grat zwischen Überforderung und Unterforderung bewegt – jenseits von Angst oder Langeweile.

Im Körper verursacht ein Flow-Erlebnis einen starken Ausstoss von Glückshormonen. Deshalb kann beispielsweise ein Bergsteiger in Not trotz abgefrorener Zehen weiter laufen. Flow erzeugt übrigens eine starke Sehnsucht nach mehr Flow. Mit dieser Erkenntnis versucht man heute, viel Geld zu machen. Bestes Beispiel: die Unterhaltungsindustrie. Man denke etwa an das simple Computerspiel «Tetris», wo die Aufgabenstellung ganz klar ist, der Schwierigkeitsgrad aber kontinuierlich ansteigt. So bleiben Anforderung und Fähigkeit stets im Einklang.

Die Flow-Forschung läuft heute vor allem in den USA auf Hochtouren. Ziel ist es, den Fluss im Kopf auf Knopfdruck erzeugen zu können. Denn: Flow evoziert nicht nur ein beglückendes Gefühl, es ist auch die Quelle höchstmöglicher Kreativität. Nicht auszumalen also, welchen Quantensprung die Menschheit machen würde, wenn man diesen Zustand jederzeit künstlich erzeugen könnte.