Gute Angst, böse Angst

Angst ist ein angeborener Schutzreflex und damit lebenswichtig. Doch manchmal nimmt sie unverhältnismässige Ausmasse an: Angststörungen machen Betroffenen das Leben zur Qual.

Nicht nur Menschen haben Angst, auch im Tierreich ist die Angst bekannt. Das ist gut so, denn sie kann das Überleben in brenzligen Situationen sichern. Doch manchmal stehen die Ängste nicht mehr in angemessenem Bezug zur Situation.

Eine Spinne löst dann Panikattacken aus, die Schlange vor der Supermarktkasse unerträgliche Beklemmungen, die Enge im vollen Tram Todesängste. Dann ist Hilfe gefragt, und zwar möglichst schnell. Je früher eine Therapie beginnt, desto besser fruchtet sie.

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Angst im Zoologischen Museum

Angst im Zoologischen Museum

Dem Thema «Keine Panik! Tierisch Angst im Gehirn» ist derzeit im Zoologischen Museum der Universität Zürich eine ganze Ausstellung gewidmet. Sie entstand gemeinsam mit der Universität Genf im Rahmen des aktuellen europäischen Jahr des Gehirns.

Ohne Behandlung können Angststörungen chronisch werden, zumal sie vielfach bereits im Kindesalter auftreten. Die gute Nachricht: Den Therapien ist ein grosser Erfolg beschieden – allen voran der Verhaltenstherapie, in der Betroffene lernen, ihren Ängsten zu begegnen und sie durch diese Erfahrungen nach und nach zu beherrschen. In manchen, besonders in schweren Fällen ist auch eine begleitende medikamentöse Therapie sinnvoll, um Angstgeplagten wieder ein normaleres Leben zu ermöglichen. Auch Entspannungstechniken leisten gute Dienste.

In der Schweiz werden zwischen 100'000 und 250'000 Menschen immer wieder von ihren Ängsten überwältigt. Laut einer Studie der Universität Zürich von 2008 sollen sogar zehn Prozent der Schweizer Bevölkerung aus eigener Erfahrung dieses Problem kennen. Warum es genau diese Menschen trifft, ist so individuell wie komplex. Genetische Faktoren können genauso eine Rolle spielen wie bestimmte traumatische Erlebnisse.

Es ist das feine Zusammenspiel aus Erfahrungen, Erlebnissen, Stresslevel, Prädispositionen und Persönlichkeit, die das Fass für manche zum Überlaufen bringen. Während also manche selbst traumatische Erlebnisse relativ unbeschadet überstehen und verarbeiten können, sind andere bis in die Grundfesten ihrer Persönlichkeit erschüttert.

Angst als Notsignal der Seele

Phobien beziehen sich auf ganz konkrete Objekte oder Situationen. Das können Spinnen, Schlangen oder Aufzüge sein, oder eben das Fliegen oder Höhe.

Generalisierte Angststörungen dagegen sind situationsungebunden. Hier tragen Betroffene langfristig diffuse Ängste mit sich herum, die Angst vor Krankheiten oder dem Sterben etwa.

Panikattacken dagegen treten heftig und sehr plötzlich auf. Die begleitenden körperlichen Symptome sind entsprechend stark – Herzrasen, Brustschmerzen, Erstickungsängste, Schwindel oder Schweissausbrüche können auftreten. Häufig ist die Attacke gepaart mit der Angst, ohnmächtig oder verrückt zu werden oder gar zu sterben.

Konfrontieren statt vermeiden

Starke Ängste sind ein extrem unangenehmes Gefühl. Vermeidungsstrategien sind da nur eine logische Konsequenz. Angstgeplagte steigen also nicht mehr ins Tram, wenn sie dort zuletzt eine Panikattacke erlebt haben, oder sie vermeiden es, mit vielen Menschen in geschlossenen Räumen zu sein oder vor anderen zu sprechen.

Doch ein solches Verhalten schränkt die Lebensqualität zusätzlich ein und ist keine Lösung des Problems. Denn was dann häufig folgt, ist die Angst vor der Angst. Sie jedoch macht es unmöglich, den Ängsten zu begegnen und einen Weg aus ihnen zu finden. Damit schliesst sich der Teufelskreis. Der Kraftakt, ihn therapeutisch zu durchbrechen, lohnt sich: Die kognitive Verhaltenstherapie verbessert die Situation für 80 bis 90 Prozent der Patienten erheblich und dauerhaft.