Wie viel Bewegung ist gut bei Arthrose?

Bewegung tut dem betroffene Gelenk gut. Die Aktivität sollte aber so bemessen sein, dass es nicht ständig zu neuen Entzündungen kommt.

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Knie-Arthrose – Was hilft wirklich?

20 min, aus Puls vom 13.2.2017

Wer eine beginnende Arthrose hat, kennt das viel gehörte Standard-Rezept: Von Stop-and-go-Sportarten wie Handball, Squash oder Fussball wird abgeraten. Auch Jogging gilt als schädlich. Schwimmen hingegen ist angesagt, ebenso wie Walking oder Velofahren.

Aber nicht alle Sporttreibenden können sich mit dieser Perspektive anfreunden. Und so absolut stimmt die Theorie in der Praxis auch nicht.

Bewusste Auswahl treffen

Jogging muss bei Knie-Arthrose nicht schlecht sein, sagt Marcel Tschopp, Rheumatologe an der Uniklinik Balgrist und selber erfahrener Marathon-Läufer: «Joggen hilft das Gewicht niedrig zu halten und stärkt die Muskeln. Das sind Pluspunkte.» Joggen über den eigenen Verhältnissen – also zu lange oder zu häufig – ist aber schlecht.

Arthrose-Patienten turnen in einer Halle. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das wichtigste bei der gewählten Aktivität: Sie so zu betreiben, dass es nicht zu neuen Entzündungen kommt. srf

Oft hilft ein begleitendes Krafttraining, die zentralen Oberschenkelmuskeln fit zu halten, und damit das Gelenk zu stabilisieren. Auf jeden Fall sollten auch keine biomechanischen Probleme vorhanden sein, die selber Ursache der Arthrose sein können: Fussfehlstellungen, X- oder O-Beine oder schädliche vorbestehende Sportverletzungen.

Velofahren ist meist gut fürs Kniegelenk, ausser jemand hat Arthrose unter der Kniescheibe. Dann kann die Tretbewegung das Knie weiter reizen.

Auch das vielgepriesene Schwimmen oder Aquafit kann ungünstig sein. Manche Arthrose-Betroffene spüren Schmerzen beim Beinschlag des Brustschwimmens, so dass nur Crawl angesagt ist.

Bewegung ernährt das Gelenk

Bewegung hilft bei beginnender Arthrose aber auf jeden Fall, weil der Knorpel durch den Druck durchgewalkt wird, was seine Versorgung mit Gelenkflüssigkeit fördert. Auch wird durch Sport wie etwa angemessenes Yoga die Beweglichkeit möglichst erhalten.

Oft bereiten bei Arthrose auch die umliegenden verkrampften Muskeln Schmerzen und nicht das Gelenk. Manchmal wirkt darum eine Massage zum Beispiel der Triggerpunkte Wunder.

Generell sollte nur soviel Sport betrieben werden, dass das Gelenk, vor allem die Gelenkhaut, nicht ständig so gereizt ist, dass es sich entzündet. Eine Entzündung macht sich durch Schwellung, Erwärmung oder sogar Wasser im Knie bemerkbar und treibt den Knorpelabbau weiter voran.

Während und nach dem Training kann es zu einer leichten Schmerzzunahme durch die Belastung kommen. Diese sollten am Folgetag wieder abgeklungen sein.

Fazit: Sport tut gut. Aber welcher und wie intensiv? Dafür gibt es kein Patentrezept. Den richtigen Mix muss jeder für sich selber finden.

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