Telefon-Trickbetrug: So durchschauen Sie falsche Anrufer

Spricht man von Telefonbetrug, spricht man meist vom Enkeltrick. Doch dieser Begriff ist veraltet. Die Betrüger sind kreativ und wenden am Telefon noch viele andere Geschichten an. Nicht immer einfach, sie zu durchschauen. Wer sich an ein paar Regeln hält, kann die Masche aber durchschauen.

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Das Geschäft mit Telefonbetrug boomt. Eine Studie von Pro Senectute Schweiz zeigt, alleine in den Monaten Februar und März erhielten 21000 Seniorinnen und Senioren Anrufe von Betrügern, die versuchten, an Geld zu kommen. Die Masche ist bekannt als «Enkeltrick».

So funktioniert der Enkeltrick

Die Betrüger suchen im Telefonbuch gezielt nach älteren Namen, zum Beispiel Adelheid oder Heinrich. Sie rufen die Person an und beginnen das Gespräch häufig mit Sätzen wie: «Rate mal, wer dran ist!» oder «Ich bins, dein Enkel!». So entlocken sie dem Opfer den Namen eines engen Angehörigen. Mit einer geschickten Gesprächsführung schaffen sie Vertrauen und tischen dann eine rührselige Geschichte auf. Man sei in Not und brauche dringend Bargeld. Dann heisst es, man könne es selbst leider nicht abholen, schicke aber einen guten Freund vorbei. Und schon ist das Geld in den Händen der Betrüger und für immer weg.

Viele Varianten

Allerdings bleibt es nicht bei der Geschichte mit dem Enkel. Die Betrüger sind erfinderisch und erfinden immer wieder neue Maschen. Sie geben sich am Telefon zum Beispiel aus als:

  • Anwalt eines nahen Familienangehörigen, der in Not ist.
  • guter Bekannter, der im Ausland feststeckt und Geld für die Heimreise braucht.
  • eigener Hausarzt, der dringend Geld braucht.
  • als Polizist, der vor einem Enkeltrickbetrüger warnt und um Mithilfe bei der Verhaftung bittet.
  • und so weiter

So schützen Sie sich:

  • Bleiben Sie stets skeptisch, wenn Sie am Telefon jemanden nicht gleich erkennen.
  • Stellen Sie Fragen, die nur die angebliche Person wissen kann. Zum Beispiel: „Weisst du noch, was du mir zum letzten Geburtstag geschenkt hast?
  • Geben Sie niemals Geld oder Wertsachen an Fremde.
  • Geben Sie am Telefon nie Auskunft über Ihr Vermögen.
  • Kommt Ihnen ein Anruf komisch vor, legen Sie am besten einfach auf. Und informieren Sie die Polizei via Nummer 117.
  • Sind Sie unsicher, sagen Sie dem Anrufer, sie müssten zuerst Abklärungen treffen und legen Sie auf. Erzählen Sie dann den Sachverhalt einem Angehörigen und fragen Sie, was er davon hält.
  • Falls Sie nach einem Anruf zur Bank gehen und die Geldsumme abheben möchten: Nehmen Sie die Warnungen der Bankangestellten ernst. Denn diese sind geschult auf Trickbetrug.
  • Wenn sich ein Anrufer als Polizist ausgibt, sagen sie, sie rufen zurück und wählen dann die Polizei-Nummer 117. Fragen Sie nach dem Polizisten.
  • Lassen Sie sich nicht beeindrucken, wenn auf dem Telefondisplay tatsächlich die Nummer der Polizei erscheint. Diese Anzeige lässt sich leicht fälschen. Ausserdem würde die Polizei nie unter der Nummer 117 anrufen. Sie würde auch nie am Telefon Vermögenswerte abfragen oder Sie um Mithilfe als Lockvogel bitten.
  •  Steht der Polizist gar vor der Tür, verlangen Sie einen Ausweis.

Auch Angehörige können etwas tun:

  • Besprechen Sie das Thema ausführlich mit älteren Angehörigen.
  • Legen Sie zusammen Sicherheitsmassnahmen fest. Vereinbaren Sie zum Beispiel, dass der Senior oder die Seniorin bei seltsamen Anrufen zuerst Rücksprache mit der Familie hält. Oder umgehend die Polizei anruft (117), auch wenn man unsicher ist.
  • Hat man als Angehöriger trotz allem ein ungutes Gefühl, besprechen Sie das Problem mit der Bank des älteren Familienmitglieds. Bitten Sie die Bank darum, Sie umgehend zu informieren, falls der Betroffene eine höhere Geldsumme abheben will.

Es kann übrigens jeden treffen:

«Das passiert mir sicher nicht!», hört man immer wieder. Und trotzdem reisst die Zahl der Betrugsfälle nicht ab. Oft sind Menschen betroffen, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Die Gründe:

  • Der Begriff «Enkeltrick» hat sich so eingefleischt, dass man sich auf falsche Enkel konzentriert und nicht beachtet, dass auch andere falsche Anrufe eintreffen können.
  • Ältere Menschen sehen und hören vielleicht nicht mehr so gut und fühlen sich daher unsicher. Sie möchten nichts falsches tun und lassen sich daher darauf ein.
  • Gerade in der älteren Generation sind Werte wie Hilfsbereitschaft oder Verpflichtung sehr wichtig. Das nutzen die Betrüger aus.
  • Die Betrüger sind sehr geschickt und wissen, wie sie ihre Opfer psychisch unter Druck setzen können.

Moderation: Dani Fohrler, Redaktion: Maria Kressbach