Pomatterdeutsch - ein wunderschöner Dialekt stirbt aus

Anna Maria Bacher aus Gurfulu im Pomatt schreibt Gedichte im urtümlichen Walserdialekt, der sich in diesem abgelegenen Bergtal über Jahrhunderte gehalten hat. Mittlerweile reden ihn nur noch wenige.

Wasserfall «Toce» im Formazza-Tal
Bildlegende: Wasserfall «Toce» im Formazza-Tal Wikicommons / MarkusMark

«Es geht nicht mehr lange und das Pomatterdeutsch stirbt aus», sagt die Dichterin Anna Maria Bacher. Sie ist 1947 in Gurfulu, auf italienisch Grovella, im Pomattertal/Val Formazza aufgewachsen und hat in Zumstäg/Ponte als Lehrerin unterrichtet. Dieses Tal im nördlichsten Zipfel des Piemonts schiebt sich wie ein Keil zwischen Wallis und Tessin.

Ausgewanderte Walliser in Norditalien

Im Mittelalter sind Anna Maria Bachers Vorfahren vom Goms über den Griespass nach Süden ausgewandert und haben ihre alemannische Sprache, das Walserdeutsch, mitgebracht. Anna Maria Bacher nutzt dieses bildstarke Pomatterdeutsch und schreibt wunderbare Gedichte, die sie selbst auf Italienisch übersetzt. Für ihren neuen Gedichtband «Öigublêck - Augenblicke - Colpo d'occhio» hat der ehemalige Sekretär der Walservereinigung Graubünden, Kurt Wanner, die Übersetzung ins Hochdeutsche übernommen.

Allerdings: Das abgelegene Tal entleert sich durch Abwanderung und immer weniger Leute können noch Pomatterdeutsch. Anna Maria Bacher findet das traurig, denn wenn die Sprache verschwindet, stirbt auch ein Stück Walser Kultur.

Karin Salm hat die Dichterin in Zumstäg/Ponte besucht.

Buchtipp

  • Anna Maria Bacher: «Öigublêck Augenblicke Colpo d'occhio». Limmatverlag 2017. ISBN 978-3-85791-828-5

Moderation: Joëlle Beeler, Redaktion: Karin Salm, André Perler