«Z Russland gsi, z Russland gsi, so, die mache mer jetz hii»

Baselbieter Mundartliteratur der 50er Jahre - «Groove und Mief eines Jahrzehnts».

Helene Bossert
Bildlegende: Helene Bossert Personenlexikon Baselland
 
In den 50er Jahren war das Baselbiet eine Hochburg der schweizerischen Mundartliteratur. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Radio. 
 
Stimmen der Vergangenheit...
Der konservative Alte war noch immer aktiv: Traugott Meyer, einer der grossen Mundartautoren der ersten Jahrhunderthälfte, Vater der Radiokolumne «s Bottebrächts Miggel» und Autor von grossen Mundartromanen.
 
... und Stimmen der Gegenwart
Aber jüngere Stimmen drängten nach, gerade auch Frauen: Helene Bossert etwa, die als Radiomitarbeiterin nicht mehr erwünscht war, nachdem sie mit der Basler Frauenvereinigung für Frieden und Fortschritt eine Studienreise in die Sowjetunion unternommen hatte. In ihrer Wohngemeinde Sissach wurde sie samt ihrem Mann und ihrem Sohn diffamiert und ausgegrenzt. Erst 1970 wurde sie rehabilitiert. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie im Gedicht «Vogelfrei» aus dem Jahr 1954:
 
«Z Russland gsi,
Z Russland gsi
So, die mache mer jetz hi!
Vogelfrei
Vogelfrei
Bänglet numme uf se Stei!
Hoppla druuf,
Hoppla druuf,
Bis zu ihrim letschte Schnuuf!
Aber breicht,
Aber breicht,
Settig Häxe sy halt geicht.
Z Russland gsi,
Z Russland gsi,
So, die mache mehr jetz hi!»
 
«Groove und Mief der 50er»
Stefan Hess, Leiter des Dichter- und Stadtmuseums Liestal, hat im Rahmen der Ausstellung «Golden Fifties - Groove und Mief eines Jahrzehnts» die vielfältige Baselbieter Mundartliteratur jenes Jahrzehnts aufgearbeitet und Erstaunliches entdeckt. Vieles davon im Archiv von Radio SRF.

Moderation: Riccarda Trepp, Redaktion: Urs Tremp, Markus Gasser