Zwei gleichwertige Gewinner am Sternstunden-Ideenwettbewerb 2017

Die Endausscheidung des Wettbewerbs «Perspektive Sternstunde Kunst» hat an den Solothurner Filmtagen zum vierten Mal stattgefunden. Da zwei Projekte gleich stark überzeugten, wurden sowohl «Die Macht der Stille» von Maurizius Staerkle Drux als auch «Tattoo Man» von Risa Chiappori prämiert.

Drei Frauen und ein Mann, stehend, eine Frau spricht in ein Mikrofon. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Redaktionsleiterin Judith Hardegger mit den Gewinnern: Risa Chiappori, Lina Geissmann und Maurizius Staerkle Drux. SRF / Andrea Caretta

Der mit CHF 10‘000.- dotierte Entwicklungspreis der Redaktion Sternstunden wird 2017 ausnahmsweise an zwei Siegerprojekte vergeben: an Risa Chiappori (Produktion: Lina Geissmann, prêt-à-tourner) für ihr Projekt «Tattoo Man» (AT). Ebenfalls CHF 10'000.- erhält das Projekt «Die Macht der Stille» von Maurizius Staerkle Drux (Produktion: Maxdrux & Co). Da beide Projekte die Jury gleichermassen überzeugten, wurde mit Hilfe von Pacte in einer einmaligen Aktion das Preisgeld bei der diesjährigen Ausgabe verdoppelt.

«Die Macht der Stille» zu Marcel Marceau

Ein Mann, ins Mikrofon sprechend, Blumen in der Hand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gewann mit «Die Macht der Stille»: Autor Maurizius Staerkle Drux (Produktion: Maxdrux & Co). SRF / Andrea Caretta

Der Franzose Marcel Marceau ist der berühmteste Pantomime der Welt. Doch nur wenige kennen seinen Hintergrund: Als Passfälscher und Fluchthelfer kämpfte er im Französischen Widerstand und schmuggelte jüdische Kinder in die Schweiz. Um diesen prägenden Erlebnissen Ausdruck zu verleihen, fand er zu seiner grossen Kunst, der Pantomime.

Das Projekt von Maurizius Staerkle Drux überzeugte die Jury durch eine sehr starke Geschichte, die bisher nicht in einem Film erzählt wurde. Der Film spannt einen Bogen zur Weltgeschichte und behandelt gleichzeitig ein hochaktuelles Thema.

Wenn ein Mensch als Leinwand verkauft wird

Eine Frau mit Blumenstrauss, in ein Mikrofon sprechend, neben ihr eine zweite Frau, ebenfalls stehend. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Gewinnerinnen von «Tattoo Man»: Autorin Risa Chiappori (l.) und Produzentin Lina Geissmann (prêt-à-tourner). SRF / Andrea Caretta

Welch seltsame Blüten der Kunstmarkt heute treibt, zeigt der Film «Tattoo Man» von Risa Chiappori. Der Zürcher Tim Steiner erlaubte dem beligischen Künstler Wim Delvoye, seinen Rücken als lebende Leinwand für ein tätowiertes Kunstwerk zu nutzen, das anschliessend vom deutschen Sammler Rik Reinking gekauft wurde.

Das Filmprojekt überzeugte die Jury, weil er verschiedene ethische und gesellschaftliche Fragen aufwirft. Er lässt den Künstler, das menschliche Kunstwerk und den Sammler darüber reflektieren, was passiert, wenn ein Mensch selber – sozusagen als eine der letzten verbleibenden Provokationen – im Kunstmarkt verkauft wird.

Förderung von innovativen Kulturdokumentarfilmprojekten

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Die bisherigen Siegerprojekte

2015
«Der Sohn» von Daniel Howald (SwissDok, Basel).

2014
«Turner, Shelley, Twain – Die wahren Schweizermacher» von Jürg Ebe (Regie), Marcus Richmann (Autor) und Alexandra Schild (Produktion).

2013
«Mythos Polaroid» von Peter Volkart (Reck Film) und «Optical Illusions» von Christian Rösch (Topic Film) für einen zusätzlichen Preis über CHF 5000.-.

Ziel des Ideenwettbewerbs der Sternstunden ist es, innovative Kulturdokumentarfilme in der Konzeption und filmischen Entwicklung konkret zu unterstützen. Mit den Prämierungen der Projekte «Die Macht der Stille» und «Tattoo Man» unterstützt der Entwicklungspreis «Perspektive Sternstunde Kunst» Projekte, die in einer Phase sind, in der sie Unterstützung für die Weiterentwicklung ihrer Idee benötigen.

Neben den zwei prämierten Projekten hat die Jury hat aus allen eingereichten Kulturdokumentarfilm-Projekten fünf zur Präsentation nach Solothurn eingeladen. Ebenfalls vorgestellt wurden folgende Projekte:
(in alphabetischer Reihenfolge der Projekttitel)

  • «Camera Obscura» von Gitta Gsell, Produktion: Mirapix
  • «Mummenschanz, der dritte Akt» von Adrian Zschokke, Produktion: r-film
  • «Nous passâmes les après-midis dans la chambre» von Manuela Trapp, Produktion: Recycled TV

Die Projekte wurden in zwei Runden von Dokumentarfilmverantwortlichen von SRF Kultur/Sternstunden, RTS und Pacte SRF sowie Sven Wälti, Leiter Film SRG evaluiert. Externer Gast der Jury war Daniel Sponsel, Leiter des internationales Dokumentarfilmfestival München.

Der Wettbewerb wurde 2017 zum vierten Mal während der Solothurner Filmtage durchgeführt. Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen der Brancheninfo BAK und SRG SSR, das Pitching wurde moderiert von Judith Hardegger (Redaktionsleiterin Sternstunden).

Die Jury 2017

  • Irène Challand, Leiterin Unité documentaire RTS
  • Sven Wälti, Leiter Film SRG
  • Urs Augstburger, Verantwortlicher Pacte SRF
  • Denise Chervet, Redaktorin Sternstunde Kunst
  • Sandra Roth, Redaktorin Sternstunde Kunst
  • Daniel Sponsel, Leiter internationales Dokumentarfilmfestival München

Das Projektteam

Idee und Konzept: Anita Hugi
Organisation: Andrea Caretta, Denise Chervet, Sandra Roth, Helen Stadlin