Appenzell: Hochburg für Heilkultur

Mehr als an anderen Orten der Schweiz floriert in den beiden Appenzell seit Jahrhunderten die alternative Heilkunde. Kräuter, Molkenkuren, Heilssprüche und -gebete: «Querfeldeins» auf den Spuren einer sehr lebendigen Heilkultur, die auch Durchreisende und Besucher zu spüren bekommen.

Appenzeller Landschaft mit dem Säntis im Hintergrund
Bildlegende: Ein fruchtbarer Boden für Kräuter: Appenzeller Natur. Keystone

Wissen über Kräuter und Naturheilmethoden wird im Appenzellerland bis heute überliefert und gepflegt. Zum Beispiel in der berühmten Klosterapotheke Leiden Christi (Appenzell) mit dem zugehörigen Klostergarten, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist. In der Klosterapotheke werden nach uralter Tradition Kräuter in Heilmittel und Tinkturen verarbeitet und bis ins Ausland verkauft. 

Den Ruf als Heil- und Kurgebiet begründet haben allerdings die Molkenkuren. Dafür war die Region Appenzell v.a. im 19. Jahrhundert berühmt: Aus halb Europa reisten Menschen in die Region, um sich Kuren mit Geissenmolke zu gönnen. Die Kurorte Jakobsbad, Gontenbad und Weissbad sind also nicht wegen der Bäder zu Kurorten geworden, sondern wegen molketrinkender Touristen.

Bis heute gibt es im Appenzellischen zahlreiche Naturheiler, die angeblich mit Gebeten und Sprüchen Beschwerden heilen. Sie sehen sich als Vermittler einer göttlichen Kraft, die in der Lage ist, diverse Krankheitsbilder zu heilen. Die (Heil)Kraft der Natur bekommt auch das breite Publikum zu spüren z.B. auf dem Barfussweg in Gontenbad, zu dem auch Elemente der Wasserheilkunde nach dem Vorbild von Sebastian Kneipp gehören.

Moderation: Reto Scherrer, Redaktion: Anna Wepfer