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Von Basel in die Berge Leben als Hüttenwartin: Berg-Traum trifft Personal-Alptraum

Lea Leuenberger verlässt Basel für die Berge. Die Arbeit erfüllt sie – doch ein Problem kehrt jede Saison zurück.

Der Lebensmittelpunkt von Lea Leuenberger verschiebt sich immer mehr in die Berge. Wegen der Skihütte Feldis im Domleschg verlässt die 39-Jährige Basel und löst ihre Wohnung auf. Ein Teil ihrer Sachen lagert sie bei ihren Eltern in Buus, gleichzeitig mietet sie sich im Dorf Feldis eine kleine Wohnung als Rückzugsort. Während der Nebensaisons zieht es sie immer mal wieder zurück in die Stadt.

«Mein Lebensmittelpunkt verschiebt sich immer mehr nach Feldis. Er wird dort einfach grösser und in Basel kleiner», sagt sie. Die Stadt bleibe wichtig, betont sie. «Ich bin ein urbaner Mensch. Der Bergmensch ist wie dazugekommen.» Dass sie einmal Hüttenwartin wird, hätte sie sich früher nie vorgestellt. Heute fühlt es sich für sie richtig an. Auch finanziell lohnt es sich, die Hütte zu bewirtschaften.

Ein neues Team als Belastungsprobe

Die fünfte Wintersaison beginnt für Lea mit einer besonderen Herausforderung: Ihr Team ist komplett neu. Die drei Mitarbeiterinnen kennen sich nicht und haben kaum Hüttenerfahrung, einige auch wenig Gastroerfahrung. Lea selbst trifft ihre Köchin zum ersten Mal beim Einzug in die Hütte.

Besonders in der Hochsaison wird das zur Belastungsprobe. Während der Weihnachtsferien ist die Skihütte Feldis bis auf den letzten Platz besetzt. «Ich bin nonstop während über zwölf Stunden dran», sagt Lea. Sie erkläre, organisiere, arbeite selbst im Service und müsse gleichzeitig das Team führen. Fehler passieren, Bestellungen gehen vergessen oder werden doppelt serviert. Dann Ruhe zu bewahren, sei nicht immer einfach.

Auch die rollende Arbeitsplanung kann frustrieren im Team. Mitarbeiterin Rosina erlebt das selbst: «Ich hätte heute eigentlich gearbeitet, aber es läuft nicht viel. Ich habe das erst herausgefunden, als ich hier war.» Nun hackt sie gratis Holz anstatt Gäste zu bedienen.

Liebe zum Detail auf der Hütte

Trotz des Stresses ist Lea mit Leidenschaft Gastgeberin. Die ausgebildete Schriftenmalerin und studierte Post-Industrial-Designerin bezeichnet sich als «Foody». Sie legt grossen Wert auf Qualität und Präsentation. «Ich habe einen Anspruch an die Qualität», sagt sie. Die Gäste würden bezahlen und hätten deshalb einen guten Service verdient.

Für Lea zählen die Details: guter Kaffee mit guter Milch, sorgfältig angerichtete Teller, kleine Extras. Diese Finessen seien es, die Gäste schätzen und die eine einfache Hüttenküche besonders machen.

Wenn das ganze Team geht

Doch am Ende der Wintersaison erlebt Lea einen Rückschlag: Ihr gesamtes Team kündigt. Niemand möchte für den Sommer zurückkehren. Für die Hüttenwartin ist das der grösste Frust. Für einen Moment habe sie am liebsten alles hingeschmissen. «Heute wäre ich am liebsten zu Hause geblieben. Ich hätte am liebsten die Hütte verriegelt und gesagt: Tschüss zusammen.»

Besonders schmerzt sie, dass ausgerechnet Nicole nicht bleibt – mit ihr hatte Lea gehofft, eine Co-Hüttenwartin zu finden. Für Nicole ist der Grund klar: «In dieser Weihnachtszeit, in der es extrem stressig war, ist es mir an den Körper, ans Nervensystem gegangen. Seither komme ich nicht mehr runter. Sobald ich in die Hütte komme, macht es wieder weiter.»

Lea wünscht sich Mitarbeitende, die länger bleiben als nur eine Saison. Doch der Bergbetrieb bleibt ein Kommen und Gehen – und Lea beginnt erneut mit der Suche nach einem neuen Team.

SRF 1, Winterhüttengeschichten, 6.3.2026, 20:10 Uhr ; 

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