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50 Jahre «Black Power» Wir erinnern uns: Zwei Fäuste gegen Rassismus und ein Aufschrei

Am 16. Oktober jährt sich ein historischer olympischer Moment zum 50. Mal: der skandalöse «Black-Power»-Protest. Wir klären auf.

Legende: Video Black Power Salute: Die politische Protestaktion vor 50 Jahren abspielen. Laufzeit 01:42 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 16.10.2018.

Rückblende: Bei den Olympischen Sommerspielen 1968 in Mexiko-Stadt stand die Siegerehrung der 200-m-Sprinter an. Gewonnen hatte das Rennen am 16. Oktober Tommie Smith (USA) in Weltrekordzeit. Hinter dem Australier Peter Norman katapultierte sich John Carlos als Dritter aufs Podest, wie der Sieger ist auch er ein dunkelhäutiger US-Athlet.

Aus der Vergabe der Medaillen wurde ein unerwartet aufsehenerregendes Ereignis. Die zwei Amerikaner inszenierten einen stillen, minutiös geplanten Protest. Während die Hymne ertönte, reckte Smith seinen rechten Arm in die Luft, Carlos den linken – die Hände im schwarzen Handschuh zur Faust geballt, als Symbol der «Black-Power»-Bewegung. Beide standen nur in schwarzen Socken da, womit sie die Armut veranschaulichten, und senkten ihre Köpfe.

Zwei Männer tragen einen Sarg.
Legende: Ehrerweisung Bei der Beerdigung des Olympiazweiten Peter Norman im Jahr 2006 trugen Tommie Smith (links) und John Carlos den Sarg ihres früheren Sportskollegen. Keystone

Weniger offensichtlich solidarisierte sich Norman mit der Aktion: Auf seiner linken Brust trug er einen Anstecker mit der Aufschrift «Olympic Project for Human Rights». Die Bilder gingen um die Welt, der Aufschrei darüber war gross.

Ein Tabu gebrochen

Der Anlass für den Protest war, «dass wir einfach etwas tun mussten, um vorwärts zu kommen», wie es Smith hinterher formulierte. Es war ein Kampf gegen Diskriminierung, Rassenhass und die Erniedrigung von Menschen. Für ihr Anliegen wollten die beiden die Bühne der Sommerspiele nützen, die erstmals global im TV ausgestrahlt wurden. Folglich nahmen sie dafür in Kauf, mit der olympischen Bewegung zu brechen: Sie steht für eine strikte Trennung zwischen Sport und Politik ein.

Eine Schnecke hat sich in 50 Jahren weiter bewegt als wir uns im Kampf für Bürgerrechte.
Autor: John Carlos

Die Konsequenzen für die Aufwiegler waren prompt weitreichend:

  • Sie wurden auf Druck des IOC aus dem US-Olympiateam verbannt.
  • Ihnen wurden die Fördergelder gestrichen, auch in ihren späteren Jobs hatten sie einen schweren Stand.
  • Die Gemüter in der Gesellschaft waren derart erhitzt, dass sie sogar Morddrohungen erhielten.

Der Kampf ist noch lange nicht gewonnen

Heute spricht der frühere Weltklasse-Sprinter Smith (74 Jahre) von Opfern, die er erbringen musste. Und was war der Effekt ihrer Aktion? Resigniert ergänzt Carlos (73): «Eine Schnecke hat sich in 50 Jahren weiter bewegt als wir uns im Kampf für Bürgerrechte.»

Tommie Smith posiert vor einem Logo.
Legende: Vorkämpfer Tommie Smith heute im Alter von 74 Jahren. Reuters

Sendebezug: Radio SRF 4 News, Morgenbulletin, 16.10.2018 06:17 Uhr

4 Kommentare

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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Alle die diesen Menschen das Leben danach noch schwerer machten, bewiesen dadurch ur wie Recht sie hatten mit der Diskriminierung! Das IOC kann man sowieso nicht Ernst nehmen, wenn sie so Konsequent zur Trennung von Politik und Sport wären, dann hätten sie nicht so viele Politiker als Funktionäre!
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  • Kommentar von Koh Nie (Koni11)
    Alle sprechen von Usain Bolt, aber der wahre Uebersprinter auf der 200 m Distanz ist und bleibt Tommie Smith. Und dann die Siegerehrung! Atemberaubend, schockierend, faszinierend und unendlich mutig. Ich fand das ein wunderbares Erlebnis, einzig Muhammad Ali war als Sportler politisch ebenso konsequent.
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  • Kommentar von Koh Nie (Koni11)
    Ich habe diese olympischen Spiele am TV verfolgt. Es waren die aufregendsten Leichtathletik Wettbewerbe, die ich je sah. Aber Tommie Smith toppte alles. Eigentlich war ja Don Carlos der Favorit, aber wie Tommie Smith über die Bahn flog war einfach traumhaft, eine nie dagewesene Leichtigkeit und Lockerheit, die auch heute noch seines gleichen sucht.
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