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Der SRF-Experte im Interview Rottaris: «Biel noch zu stoppen wird schwierig»

SRF-Eishockey-Experte Mario Rottaris.
Legende: Ist von den Bielern beeindruckt SRF-Eishockey-Experte Mario Rottaris. SRF

Am Donnerstag sicherte sich der EHC Biel in der Halbfinal-Serie gegen Lugano das Break zum 2:0. Die Tessiner stehen damit am Samstag auswärts bereits mit dem Rücken zur Wand. Im Interview spricht SRF-Experte Mario Rottaris über den guten Lauf der Bieler und Luganos Chancen auf eine Wende.

SRF Sport: Biel hat am Donnerstag in Lugano das Break geschafft und führt in der Serie 2:0. Sind die Seeländer noch zu stoppen?

Mario Rottaris: Zu stoppen sind sie schon noch, aber das wird schwierig. Die Bieler haben einen so guten «Groove» im Team. Da merkt man richtig, dass ein guter Spirit vorhanden ist. Und das kann man alleine mit taktischen und spielerischen Mitteln nicht durchbrechen. Da braucht es auf der anderen Seite schon noch ein paar Trümpfe.

Die Bieler Spieler begehen sehr wenige Fehler. Sie konzentrieren sich auf das, was sie können.

Biel überzeugte mit Platz 3 in der Qualifikation und auch im Viertelfinal gegen Davos. Trotzdem wird der EHCB vielerorts immer noch als Überraschung gesehen.

Für mich war das lange Zeit auch so. Aber jetzt ist Biel schon sehr lange auf einem so hohen Niveau, dass mich ihre aktuellen Leistungen nicht mehr überraschen. Noch vor ein paar Wochen habe ich aber schon immer wieder gedacht: «Was ist denn eigentlich mit denen los? Die lassen einfach nicht locker».

Was zeichnet denn die Bieler aktuell besonders aus?

Sie begehen sehr wenige Fehler. Die Spieler konzentrieren sich auf das, was sie können. Nicht mehr und nicht weniger. Sie nehmen nicht zu viel Risiko. Aber wenn sie mit der Scheibe Richtung Tor gehen, dann machen sie das mit Bestimmtheit und Entschlossenheit. Das sind keine Alibi-Übungen. Diese innere Überzeugung bringt ihnen den Erfolg.

Legende: Video Biel schafft das Break in der Resega abspielen. Laufzeit 02:07 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 29.03.2018.

Lugano betrieb am Donnerstag viel Aufwand, wurde dafür aber nicht belohnt. Woran fehlt es den Tessinern bisher in der Serie?

Ihnen fehlen ein paar Spieler, die einen individuellen Exploit bringen können. Lugano spielt gut, sie haben gute Spieler, zeigen ein anständiges Eishockey. Aber eben dieser Exploit von einem, zwei oder drei Spielern fehlt. Das müssen auch nicht unbedingt die gestandenen Nati-Spieler sein. Man vertraut zu fest darauf, dass es einer schon richten wird. Diese Überzeugung, die Biel hat, haben die Luganesi nicht.

Wenn Lugano einfach so weitermacht, dann bricht Biel nicht ein.

Lugano trat vor allem in Spiel 2 sehr aggressiv auf. Würden sich die Tessiner nicht besser wieder mehr auf das Spielerische konzentrieren?

Nein, Lugano muss diese Aggressivität ins Spiel bringen. Die Bieler geben den grössten Teil ihrer Schüsse auf Elvis Merzlikins in Tornähe ab. In dieser Zone müssen die Luganesi weiterhin aggressiv sein und die Gegner wegputzen. Aber diese Aggressivität müssen sie schon viel früher, im Aufbau des Gegners an den Tag legen, nicht erst vor dem eigenen Goalie.

Luca Cunti meinte nach dem Spiel, dass Biel noch einbrechen und Lugano die Serie noch drehen wird. Trauen Sie den Luganesi die Wende zu?

Das ist absolut möglich, ja. Aber nur zu sagen, dass Biel noch einbrechen wird, wenn man so weiterarbeitet und weiter so Druck macht, reicht natürlich nicht. Bei dieser Aussage fehlt mir das Rezept. Wenn Lugano einfach so weitermacht, dann bricht Biel nicht ein. Es braucht einen speziellen Effort. Sie müssen sich auf jeden Fall etwas einfallen lassen.

Das Gespräch führte Curdin Durisch.

Zur Person

Mario Rottaris beendete 2003 seine Karriere nach 16 Jahren und über 600 Partien für Fribourg-Gottéron. Seit 2005 ist der 50-Jährige als Co-Kommentator und Eishockey-Experte bei SRF tätig.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 29.03.18, 20:10 Uhr

4 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Hugentobler (hevrins)
    Sie haben Recht Silvia Wimmer. Nur bei meinem Kommentar hatte ich zuwenig Buchstaben um die anderen Jahre einzufügen. Wegen der Zuschauerzahlen, auch richtig, aber das Stadion war damals voll gepfercht, war einige Male dabei! Heute, im neuen Stadion, macht es mehr Spass dabei zu sein. Leider sind die kommenden Spiele bereits ausverkauft, wenn allenfalls gegen SCB könnte man doppelt so viele Zuschauer erwarten. Nun zum Glück gibt's die TV-Übertragungen.
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  • Kommentar von Heinz Hugentobler (hevrins)
    Ich teile seine Einschätzung voll und ganz. Wenn ich mich an die Zeiten zurückerinnere mit Anken, Kölliker, Zenhäusern & Co., welche damals ( 1980/81) Schweizer Eishockey-Geschichte schrieben mit dem Meister-Titel, so freut es mich um so mehr, dass der heutige EHCB durchaus auch Geschichte schreiben kann. Man soll zwar den Tag nicht vor dem Abend loben, aber die Spieler-Substanz mit dem hervorragenden Trainer schürt berechtigte Hoffnung auf mehr, mehr lasse ich im Moment noch offen!
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    1. Antwort von Silvia Wimmer (silvia wimmer)
      Jene Zeiten waren unvergleichbar turbulenter als heute in Biel. Derbys gegen Bern oder Langnau mobilisierten jeweils über 9000 Zuschauer (selbst zuvor in der 1. Liga hatte Biel einen Zuschauerrekord von 7000 Nasen - man stelle sich das heute vor!). Anken, Kölliker und Zenhäusern errangen übrigens nicht einen sondern 3 Meistertitel (1978/79, 80/81, 82/83). Die Derbys waren z.T. Wochen im Voraus ausverkauft.
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    2. Antwort von Silvia Wimmer (silvia wimmer)
      Der erste Bieler Meistertitel war natürlich in der Saison 1977/78 (und nicht 78/79).
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