Ambri: Ein Dorfklub leistet Widerstand

In Zeiten der Kommerzialisierung wirkt Ambri-Piotta wie ein Relikt aus der Eiszeit des Hockey-Sports: Kein Glamour, dafür ehrliche Wertarbeit und ein Stadion für Hartgesottene. Passend zum rauen Charme: die notorische Erfolglosigkeit. Diese will der Kult-Klub nun abstreifen.

Serge Pelletier will sein Team in die Playoffs führen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Klare Zielvorgabe Serge Pelletier will sein Team in die Playoffs führen. Keystone

Während in anderen Schweizer Hockey-Tempeln das «Event» mit einer wohltemperierten Bratwurst und einem erfrischenden Schluck Bier abgerundet wird, ist der Besuch der legendären Valascia etwas für Hartgesottene: Wurst und Bier haben sich nach wenigen Minuten der Eiseskälte auf den Rängen angepasst, passend dazu kämpften die Leventiner bislang auf dem Eis gegen den tabellenmässigen Gefrierbrand.

Zeitenwende am südlichen Gotthardfuss?

Die notorische Erfolglosigkeit der Leventiner mag ein Faktor dafür sein, dass der Dorfklub auch in den Hockey-Hochburgen weiter nördlich grosse Beliebtheit geniesst: Sympathisch - und dazu fast schon Garant für einen erfolgreichen Abend. Doch damit ist vorläufig Schluss. Unter Serge Pelletier wurde Ambri-Piotta zum Überraschungsteam der neuen Saison: 13 Spiele, 8 Vollerfolge, Platz 3 in der Tabelle - eine eindrückliche Bilanz für den vermeintlichen Fixstarter im Playout.

Der 5:2-Sieg in der Resega gegen den sportlichen Erzfeind und wirtschaftlichen Gegenentwurf Lugano bildete den emotionalen Höhepunkt der jungen NLA-Saison. Erstmals seit bald 10 Jahren scheinen nun die Playoffs in Reichweite.

Erfolg gibt «Alleinherrscher» Pelletier recht

Mitverantwortlich für die neue Leichtigkeit im Spiel der Ambri-Piotta dürfte der im letzten Jahr vollzogene Wechsel auf der Trainerposition sein. Losgelöst vom starren taktischen Korsett des raubeinigen Kevin Constantine wirkt Ambri wie befreit: Mannschaftlich geschlossen verrichten die Leventiner defensiv solide Wertarbeit, offensiv wissen sie ihr beschränktes Potenzial kaltschnäuzig in Tore umzumünzen.

Insbesondere die Verpflichtung von Luganos Daniel Steiner erwies sich als Glücksgriff: Der Grossverdiener bei den Nordtessinern ist mit 12 Punkten aktueller Topskorer. Serge Pelletier, der in Ambri als Coach und Sportchef in Personalunion wirkt, bewies also auch auf dem Transfermarkt ein sicheres Händchen.

Ob der sanftmütige - für seinen ehemaligen Arbeitgeber Gottéron zu sanftmütige - Pelletier den Erfolg auch in der heissen Phase der Qualifikation zu konservieren vermag, muss sich indes noch weisen.

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Eishockey: NLA, Ambri-Zug

2:59 min, vom 15.10.2013