«Final-Blues» in Bern und Freiburg

Noch vor 5 Monaten kämpften euphorisierte Berner und Freiburger um den Meisterpokal, in der neuen Saison kämpfen die beiden Teams gegen den «Final-Blues». Der SCB stellt nach 5 Runden die löchrigste Verteidigung, Gottéron den zahmsten Angriff.

Die neue Eishockey-Saison ist noch jung, und doch bringt der Blick auf die Tabelle Überraschendes hervor. Die beiden letztjährigen Playoff-Finalisten Bern und Freiburg tummeln sich auf den Rängen 10 und 11. Besonders erstaunlich: Meister SCB hat in den ersten 5 Runden am meisten Tore kassiert, Vizemeister Freiburg am wenigsten geschossen.

Plüss: «Verhalten uns dilettantisch»

Berns Captain Martin Plüss brachte es nach dem 2:5 in Davos auf den Punkt, als er die «unstabile Defensive» ansprach: «In gewissen Situationen verhalten wir uns schlicht dilettantisch.» Auch Sportchef Sven Leuenberger stellte fest, «dass wir hinten komplett falsch stehen».

Letzte Saison stärkste Defensive

In der Hauptstadt sind diese Probleme neu. Unter Trainer Antti Törmänen war das solide Abwehrsystem bislang das Prunkstück der «Mutzen», die in der letztjährigen Qualifikation am wenigsten Gegentore aller Teams kassiert hatten. 2,34 waren es da im Schnitt, im Final gegen Freiburg gar nur 1,83.

Ryan Gardner im Blitzinterview

0:13 min, vom 24.9.2013

Gardner: «Können nicht jedes Mal 6 Tore schiessen»

In den ersten 5 Spielen der neuen Meisterschaft leuchtete die rote Laterne schon 20 Mal hinter dem SCB-Tor auf, am Dienstag in Davos hiess es 2:5. «Wir können nicht jedes Mal 5 Tore kassieren – es ist schwierig, 6 zu schiessen», macht Ryan Gardner die Rechnung und fordert: «Wir müssen in der Defensive besser spielen!»

Ladehemmungen in Freiburg

Andere Sorgen kennt Fribourg-Gottéron. Die Drachen bringen die gegnerischen Abwehrreihen momentan kaum zum Fürchten und haben erst 10 Mal getroffen. «Es ist nicht so, dass wir uns keine Chancen erarbeiten würden, es fehlt vor allem an der Effizienz», sagt Tristan Vauclair. Der Stürmer will nicht alles schlechtreden, findet aber schon, «dass es angebracht ist, in den Spiegel zu schauen und ein erstes Fazit zu ziehen».

Kossmann fordert Energie und Emotionen

Trainer Hans Kossmann vermisst vor allem die Energie und Konzentration, welche die Freiburger in der letzten Saison so stark gemacht hatten. «Wir haben es auch noch nicht richtig geschafft, Emotionen reinzubringen und damit die Halle zu wecken», bedauerte der Kanada-Schweizer nach dem 3:5 gegen Kloten – der bereits 2. Heimniederlage der traditionell so heimstarken Saanestädter.

Reaktion am Wochenende?

So sind in Bern und Freiburg derzeit ähnliche Töne zu hören. «Wir müssen uns schnellstens verbessern», sagt Berns Plüss, «wir müssen mehr zeigen als bisher», heisst es bei Kossmann. Chancen zur Umsetzung haben Meister und Vize-Meister bereits am Wochenende, wenn der SCB auf Ambri und Biel trifft, während es Gottéron mit den Lakers und Genf zu tun bekommt.