Gottéron-Krise: «In der NLA konnte man die Spannung fühlen»

In der Champions Hockey League lenkt sich Freiburg von der Krise in der NLA ab. Schlechte Noten erhält derzeit vor allem die Verteidigung. Defensivtrainer Kari Martikainen nimmt Stellung.

Kari Martikainen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Defensivspezialist Gottéron-Assistenzcoach Kari Martikainen. EQ Images

Karti Martikainen, mit 106 Gegentoren hat Gottéron die aktuell schlechteste Defensive in der NLA. Was läuft falsch?

Martikainen: Es ist eine schwierige Situation. Wir haben in jedem Spiel gute Phasen, können unsere Konzentration aber nicht 60 Minuten aufrechterhalten. Ausserdem machen wir zuviele grobe Fehler. Gute Teams können kleine Fehler machen. Das ist ein Zeichen, dass man etwas versucht. Aber richtige Aussetzer, das geht nicht.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Verhalten Ihrer Spieler vor dem eigenen Tor?

Natürlich bin ich momentan nicht glücklich. Die grössere Aggressivität in der Nähe des eigenen Tores, damit die Gegner keine «freien Stöcke» haben, war eines unserer drei grossen Themen in der Saisonvorbereitung. Wer das gut umsetzt, hat eine gute Defensive.

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Zwei Gesichter

Tabellenletzter in der NLA, aber auf dem Weg in den Halbfinal der Champions Hockey League: Freiburg steigt am Dienstag mit einem 5:2-Polster ins Viertelfinal-Rückspiel zuhause gegen Vitkovice (Tsch).

Wo setzen Sie an?

Wir trainieren gut und bereiten uns auf jedes Spiel gut vor. Wenn wir wüssten, woran es genau liegt, würden wir es ändern. In einem Teamsport gibt es nie eine einzige Ursache. Alles greift ineinander. Defensive Arbeit betrifft immer 6 Leute auf dem Eis: den Goalie, die Verteidiger und die Stürmer. Ich bin überzeugt, dass das kompakte Spielsystem von Larry (Huras, Red.) gut ist. Es liegt an der Umsetzung.

Ist es derzeit vorwiegend ein psychologisches Problem?

Sicher spielt das Mentale eine Rolle. In der etwas freieren Atmosphäre der Champions Hockey League machten wir einige hervorragende Spiele. Aber in den letzten NLA-Spielen konnte man die Spannung fühlen.

«  Rathgeb hat ein Feuer in sich. »

Kari Martikainen

Nehmen wir das Beispiel Yannick Rathgeb: Er ist ein äussert skorefreudiger Verteidiger, hat aber eine schlechte Plus-Minus-Bilanz. Müssten Sie ihn nicht etwas bremsen?

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Kari Martikainen

Der 48-jährige Finne ist seit 2015 Gottéron-Assistenzcoach. In seiner Aktivkarriere spielte er von 1996 bis 2004 in der Schweiz: 6 Saisons bei Rapperswil, 2 Saisons bei den ZSC Lions.

Yannick ist einer der talentiertesten Spieler im Schweizer Eishockey. Er hat sehr gute Momente und ein Feuer in sich. Das darf man nicht zu stark eindämmen. Das würde allen schaden. Aber es stimmt: Im Zweiweg-Spiel kann er sich noch steigern.

Wie hat sich Ihre Arbeit unter Larry Huras verändert?

Die Basisarbeit bleibt dieselbe. Aber Larry ist ein wahrer Profi. Er ist seit 30 Jahren Trainer und hat natürlich seine eigene Art. Er ist ein Perfektionist. Ich habe von ihm viel gelernt, sowohl taktisch wie auch hinsichtlich der Vermittlung von Neuem. Man lernt immer viel, wenn man mit verschiedenen Leuten arbeitet.

Haben die Wirren um Marc-Antoine Pouliot und Anton Gustafsson Ihre Arbeit betroffen?

Ankünfte und Abgänge von Spielern haben natürlich immer einen Einfluss auf das Team. Aber das ist Sache der sportlichen Führung. Mein Job ist es, aus den vorhandenen Spielern das Beste herauszuholen.

Sendebezug: SRF zwei, sportpanorama, 11.12.16 / sportaktuell 6.12.16