Langnau: Abstieg abhaken, Aufstieg anstreben

Nach 15 Jahren in der NLA steigt Langnau ab. Im Emmental bricht damit eine kleine (Eishockey-)Welt zusammen. Aber die Tigers wären nicht die Tigers, würden sie nicht sofort den Wiederaufstieg anstreben.

Langnau muss in die NLB. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Aus und vorbei Langnau muss in die NLB. EQ Images

«Das ist das Bitterste, das ich in meiner Karriere erlebt habe», sagte Langnaus Jörg Reber, nachdem Langnaus Abstieg in die NLB besiegelt war.

Der bald 39-Jährige hängt nach dem 3:4 bei Lausanne seine Schlittschuhe nach 21 Profi-Jahren an den Nagel. Und auch für Langnau geht eine Ära zu Ende: Nach 15 Saisons im Oberhaus steigen die Tigers in die NLB ab.

54 Sekunden fehlten zum Ligaerhalt

Dabei hätte so wenig gefehlt, um den Abstieg abzuwenden. Im 6. Spiel des Playout-Finals gegen Rapperswil-Jona kassierten die SCL Tigers das 3:3 nur 54 Sekunden vor dem vermeintlichen Ende der Serie. Es folgte die Niederlage in der Verlängerung und ein Spiel später der Gang in die Liga-Quali.

Nach dem Hoch der tiefe Fall

Groteskerweise hat Langnaus Abstieg begonnen, als sich der Emmentaler Klub auf dem Zenit befand. Im Januar 2011 schafften die Tiger mit dem ausgezeichneten 6. Rang in der Qualifikation erstmals in der Geschichte den Einzug in die Playoffs. Zwar scheiterte das Team des damaligen Trainers John Fust mit 0:4 am SCB, der Hunger nach mehr war jedoch geweckt.

In der darauffolgenden Saison reichte es zwar nicht mehr für die Playoffs, nach Saisonende begann man an der Ilfis aber mit der 33 Millionen Franken teuren Renovation der alten Halle.

10 Auswärtsspiele fordern ihren Tribut

Neue Halle, neues Spiel, neues Glück? Nicht wirklich, denn die «neue» Halle konnte erst Mitte Oktober 2012 bezogen werden. Bis dahin mussten die SCL Tigers ausschliesslich auf fremdem Eis antreten, was sich deutlich in der Bilanz niederschlug: 8 Niederlagen in 10 Spielen.

Im Emmental hatte das Unheil seinen Lauf genommen. Daran änderte auch die Entlassung von Coach Fust nichts mehr. Die Playoffs waren früh abgeschrieben, nach 50 Quali-Spielen resultierte mit grossem Abstand der letzte Rang und schliesslich eben der Abstieg.

Köllikers Versprechen

«Eine unglaublich bittere Stunde», konstatierte Köbi Kölliker. Der 59-Jährige hatte Langnau 1998 in die NLA geführt und hätte nun als «Feuerwehrmann» den Abstieg verhindern sollen. Was der Abstieg der Tigers für die Region bedeutet, versteht nur, wer schon einmal im Emmental war und die zahlreichen SCL-Fahnen an Bauernhöfen und Gaststätten gesehen hat.

Die NLA verliert mit Langnau einen Verein mit Charakter und Meister Bern den kleinen aufmüpfigen Bruder, der sich immer wieder gerne rauft.

Langnau ist abgestiegen, «aber wir kommen zurück. Das verspreche ich», sagt Kölliker. Auch der Klub kommuniziert: «Es ist unser Ziel, innerhalb von 2 bis 3 Jahren den Wiederaufstieg zu schaffen.» Und für Jörg Reber ist klar: «Wenn man einen Schritt rückwärts macht, muss man 2 nach vorne machen.»