Leuenberger: «Hintern zusammenkneifen und Vollgas»

Der SC Bern ist mit nur 7 Siegen in 17 Spielen schlecht in die Saison gestartet. Im Interview spricht Sportchef Sven Leuenberger über die Gründe für die Krise sowie über Massnahmen, die den Meister zurück zum Erfolg führen sollen.

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Bildlegende: Zuversichtlich trotz Krise SCB-Sportchef Sven Leuenberger glaubt an seine Mannschaft. EQ Images

Sven Leuenberger, der SC Bern kommt einmal mehr zu Saisonbeginn nicht auf Touren. Woran liegt das?

Leuenberger: Vielleicht liegt es daran, dass man weiss, dass die Saison noch lange dauert. Doch dieses Mal brauchen wir deutlich zu viel Zeit, bis wir in Fahrt kommen. Ich denke, dass wir einerseits von Trainer- und Funktionärsseite her die Zügel zu fest haben schleifen lassen. Andererseits müssen auch die Spieler selbst schauen, dass sie früher in die Gänge kommen.

Nach Siegen folgte mit einer Ausnahme stets gleich wieder eine Niederlage. Warum konnte man sich aus den Erfolgserlebnissen nicht das nötige Selbstvertrauen holen?

Diese Frage stellen wir uns oft. Vielfach haben wir uns darüber gefreut, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen waren und konnten im Anschluss die Energie nicht mehr aufbringen. Da passt etwas nicht mit der mentalen Vorbereitung und das dürfen wir nicht akzeptieren. Daran müssen wir arbeiten.

Liegt es an der vielzitierten Erfolgssättigung nach der Meistersaison?

Das kann zu Beginn der Saison ein Grund gewesen sein. Doch mittlerweile sind 17 Runden gespielt und wir dümpeln immer noch um den Strich herum. Wenn noch immer eine Sättigung vorhanden sein sollte, haben wir ein Problem.

Wie bringen Sie die Spieler zurück in die Erfolgsspur?

Wegen vielen Verletzten fehlten uns zuletzt die Möglichkeiten, um personelle Massnahmen zu ergreifen und dem einen oder anderen eine Denkpause auf der Tribüne zu verordnen. Doch nun haben wir zumindest in der Offensive wieder genug Handlungsspielraum für solche Massnahmen. Wir führen aber auch viele Gespräche mit den Spielern, in denen wir auf das Positive hinweisen oder konstruktive Kritik anbringen.

Die Methode «Spieler suspendieren» wurde in dieser Saison in Rapperswil und Lugano angewendet. Ist diese Massnahme auch in Bern denkbar?

Grundsätzlich kann man nichts ausschliessen. Doch ich glaube an das Gute im Menschen und denke nicht, dass Spieler absichtlich schlecht spielen.

Einige Schlüsselspieler wie Byron Ritchie (-8), Travis Roche (-6) oder Mikko Lehtonen (-3) weisen ziemlich dürftige Plus-Minus-Bilanzen auf.

Da würde schon mehr drinliegen. Doch gerade wenn ein guter Spieler sein Leistungsniveau nicht erreicht, würde ich erwarten, dass ein anderer aus der 2. Reihe Druck ausübt, seine Chance packt und ihm den Job abnimmt. Leider ist aber auch das zurzeit nicht der Fall.

Wieviel Geduld lässt sich der SCB bei der Bewältigung der Krise?

Da wollen wir keinen Zeithorizont nennen, sondern einzig die Entwicklung beurteilen.

Wie schafft der SCB den Turnaround?

Wenn man in ein Tal läuft, gibt es auch immer wieder einen Weg hinaus. Den muss man für sich selber finden, was meist eine Weile dauert. Wichtig sind die Einstellung und die Leistungsbereitschaft. Wenn diese beiden Faktoren stimmen, wird sich der Erfolg einstellen.

Hätten Sie sich für den Dienstag einen anderen Gegner als den Leader aus Davos gewünscht, um allenfalls aus dem Tief herauszufinden?

Bei uns gibt es im Moment nur eine Devise: Den Hintern zusammenkneifen und Vollgas geben! Und dies mit Köpfchen. Der Gegner spielt in unserer Situation keine Rolle. Wichtig ist, dass wir in der Mannschaft endlich den Funken zünden können.