Unter dem Helm: Lino Martschini

Dass man nicht zwingend 2 Meter gross und 100 Kilogramm schwer sein muss, um einen super Schuss zu haben, beweist EVZ-Stürmer Lino Martschini Woche für Woche. Was das Geheimnis hinter seiner Schusstechnik ist, erzählt er gleich selbst.

«Die Abschlussschwäche Schweizer Teams im internationalen Vergleich ist ein Dauerbrennen, mit dem auch ich schon in Berührung gekommen bin.

Es war schon bei der Juniorennati ein Thema. Wir haben im Verhältnis einfach immer weniger geskort als die führenden Nationen. Als Stürmer gerät man da schon mal ins Grübeln und fragt sich, was man denn falsch macht.

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11 Fragen - 11 Antworten mit Lino Martschini

2:11 min, vom 14.12.2015

Es war klar: Wir mussten in dieser Beziehung besser werden. Und wie so oft im Spitzensport funktioniert es nicht ohne gezieltes, permantentes Training.

«  Das Talent und Feeling muss man mitbringen, aber man kann auch viel an der Schusstechnik arbeiten. »

Jeder verfolgt zu Beginn seiner Karriere seinen eigenen Stil, deswegen ist es später auch oft schwierig, sich neue Bewegungsabläufe anzueignen. Man weiss zwar, wie es für einen selbst stimmt. Dennoch sollte man versuchen, neue Dinge einzubauen.

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Steckbrief Lino Martschini

Steckbrief Lino Martschini

Geboren: 21.01.1993 in Luzern
Position: Rechter Flügel
Bisherige Klubs: EV Zug, Peterborough Petes (OHL).
Besonderheiten: Kleinster Spieler in der NLA, bester Schweizer Skorer in der NLA-Saison 2014/15.

Ich hatte das Glück, dass ich gute Coaches hatte. Und ich hatte den Ehrgeiz, schon im Juniorenalter immer Tore zu erzielen. In meinen Jahren in Kanada arbeitete ich oft individuell an meiner Schusstechnik. Das Talent und Feeling muss man mitbringen, aber man kann auch viel an der Schusstechnik arbeiten.

Ich hatte sehr lehrreiche Jahre in Übersee. Wir arbeiteten mit Trainern zusammen, die sehr erfolgreich waren in ihrer Karriere. Zu diesen schaust du auf und saugst es noch mehr auf, wenn sie dir etwas beibringen wollen.

Für den richtigen Schuss müssen viele Faktoren stimmen. Wie scharf muss er sein? Hat man Zeit? Wie weit hole ich aus? Wo treffe ich den Puck? Wie lange bleibt die Schaufel auf dem Eis? Diese Dinge kann man trainieren, indem man den Bewegungsablauf seziert und die verschiedenen Bewegungsabläufe trainiert.

Dann ist der Zeitpunkt, der Moment der Anwendung, entscheidend, egal ob es nun aus dem Handgelenk oder ein One-Timer ist. Wie schliesse ich ab, wenn der Torhüter im Begriff ist, sich zu verschieben? Wie, wenn der Torhüter schon die neue Position gefunden hat? Das lässt sich in der Nachahmung von Spielsituationen trainieren. So beginnt man auch automatisch, den Torhüter zu studieren. Diese Dinge haben wir mit Spielsituationen simuliert.

Am Ende macht es auch die Quantität aus. Jeden Tag, während und nach dem Training, Schuss um Schuss, bis die Routine da ist. Ausschlaggebend ist, dass man nie aufhört, weiterzuarbeiten. Man kann immer besser werden, noch schneller und härter schiessen. Egal, ob man schon 100'000 Pucks aufs Tor geschossen hat.

Lino Martschinis Karriere in Bildern

Wichtig ist, dass man sich immer ein Ziel setzt, egal ob es im Warmup, in der Trainingseinheit oder im Penaltyschiessen. Zum Beispiel nur Slapshots zu schiessen. Oder nur auf die Fanghandseite zu zielen. Oder nur den Winkel anzuvisieren. Und so klappte es immer besser mit dem Toreschiessen.

«  Hätten wir den Rückstand nicht verkürzt, wäre ein WM-Silbermedaillen-Gewinn nicht möglich gewesen. »

Doch um wieder auf das eingangs erwähnte Problem zurückzukommen. Es lag auf Nationalmannschaftsebene nicht nur an der Schusstechnik. Vielfach hing es auch damit zusammen, dass wir nicht den direkten Zug zum Tor und den unbedingten Willen hatten, einen Treffer zu erzielen. Wir wollten es oftmals zu schön machen, statt die Scheibe um jeden Preis reinzuwürgen.

Ich stelle aber fest, dass die Probleme erkannt worden sind und in den letzten Jahren ein besonderer Fokus auf die diese Problematik gerichtet worden ist. Bereits im Juniorenalter wird nun vermehrt der Fokus auf den Abschluss gelegt. Heute sind auch die Trainer besser ausgebildet. Man achtet schon auf einem früheren Level auf die richtige Technik, was dem Schweizer Eishockey zugute kommt.

Nicht zuletzt deswegen hatten wir einige Erfolge zu verzeichnen. Eine WM-Silbermedaille zu gewinnen wäre nicht möglich gewesen, hätten wir in diesem Bereich nicht den Rückstand auf die Besten verkürzt.»

Sendebezug: Laufende Berichterstattung zur NLA.